Designer-Badeanzug im Moorbad?
Kurhotels sind meist ehrwürdige, stilsichere Häuser. Kleidungsetikette gehört demnach zum Wissen, das jeder Kurgast im Gepäck haben sollte. Als erster Ansprechpartner in Sachen „Kur“ ist damit oft auch der überweisende Arzt erster Berater in „Stilfragen“ rund um den Kuraufenthalt.
Im noblen Fünf-Sterne-Hotel mit Pool- und Saunalandschaft käme kaum ein Gast auf die Idee, sich im Bademantel zum abendlichen Galadiner zu setzen.
In Kurhotels, die oft an Noblesse kaum einen Wunsch offenlassen, können die Kleidungsvorschriften durchaus weniger eindeutig sein – besonders, wenn der Gast von Behandlung zu Behandlung eilt.
Egal, ob Moorbad, Massage oder Kneippanwendung – in den seltensten Fällen kann der Gast dabei angezogen bleiben. Wäre es demnach nicht am effektivsten, gleich nackt im Bademantel anzutanzen, damit die Umkleidephase möglichst kurz bleibt? „Ich halte das nicht für empfehlenswert. Das könnte etwa im Falle eines Sturzes recht peinlich werden“, meint Benimmexperte Thomas Schäfer-Elmayer dazu. Man benötigt auch gar nicht viel Vorstellungskraft, um sich die Brisanz einer derartigen Panne vorzustellen. Badekleidung unter dem Bademantel empfiehlt der Etikettenexperte allemal. Gabriele Payer, Mitarbeiterin im Kurhotel Bad Leonfelden räumt ein, dass die meisten Gäste Unterwäsche unter dem Bademantel tragen. Selbst wenn die Behandlung Badekleidung erfordert, wird diese eher mitgetragen als angezogen.
Fragen statt rätseln
Im Behandlungszimmer selbst wird es sehr von der Therapie abhängig sein, ob Badekleidung oder Adams-/Evakostüm gefragt ist. Schäfer-Elmayer empfiehlt bei Unsicherheit, den Therapeuten zu fragen. Der kann bestimmt auch die Frage beantworten, ob das Moorbad dem nagelneuen Prada-Einteiler schadet, ob der Gast seinem Lieblingsteil diese Strapazen lieber ersparen sollte. Wobei sich die Frage erhebt, ob denn ein dickes, schwarzes Moorbad nicht ohnehin jede superschicke Badekleidung ad absurdum führt. Im Kurhotel Bad Leonfelden werden schon beim Check-in die wichtigsten Informationen weitergegeben, damit es zu keinen Unsicherheiten kommen kann. Fragen wird auch hier nicht als Fauxpas angesehen.
Ohne Patschen zum Diner
Eine ganz andere Angelegenheit stellen die Mahlzeiten im Kurhotel dar. Darf ein Kurgast in Jogginganzug und Pantoffeln zum Essen erscheinen? „Absolut nicht!“, ist sich Schäfer-Elmayer sicher. „Auch beim Kuren ist der Gast erst mit Sakko und Hemd oder zumindest Polo mit Kragen gut angezogen. Krawatten müssen nicht sein, aber ordentliche Schuhe und Stoffhosen wären empfehlenswert. Auch zum Frühstück sind Patschen nicht angesagt“, warnt der Benimmexperte. „Kurhotels sind weitgehend krawattenfrei, dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Herr Gürtler in seinem Hotel Curd Jürgens des Hauses verwies, weil er Rollkragen statt Krawatte trug“, erzählt Schäfer-Elmayer aus seinem Erfahrungsfundus. Jeans und T-Shirt findet er ziemlich unangebracht. Das sieht das Kurhotel Bad Leonfelden großzügiger: „Zum Frühstück darf man bei uns im Bademantel kommen, immerhin beginnen die Behandlungen recht zeitig. Zum Mittagessen ist legere, auch sportliche Kleidung in Ordnung“, informiert Payer. Beim Abendessen liegt Schäfer-Elmayer aber auch im idyllischen Mühlviertel ganz richtig: „Am Abend kleidet man sich normal, nicht unbedingt mit Krawatte, aber mit Stoffhose, Hemd und Straßenschuhen“, gibt Payer dem Experten Recht.
Ansonsten entsprechen die Regeln der Etikette auch beim Kuren den üblichen Standards in guten Hotels: Handys sind weitgehend tabu. Falls nötig, wird am Zimmer oder in dafür vorgesehenen Bereichen telefoniert. Absolut undenkbar ist das Handy bei Tisch. Radikale Maßnahmen bei Nichtbeachtung dieser Regel unternimmt etwa das Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe. Dort werden Handys im See versenkt, wenn sich ihre Besitzer nicht an das Verbot halten!
Foto: Elmayer