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Regeln für die Kunstanlage
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Die Pension an der Wand?Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – oder auch nicht. Was den Kunstmarkt anbelangt, sind die persönlichen Vorlieben ein essenzieller Motor für potenzielle Investitionen. Mit der Steigerung der Risikobereitschaft steigt auch die Chance auf Profit und das unter ähnlichen Bedingungen wie auf dem Aktienmarkt. Was aber zu den Faktoren Anlage, Altersvorsorge und Investition hinzukommt, ist der individuelle Sinn für Ästhetik. Keine Ahnung von moderner Kunst?Prinzipiell ist vorab mit einigen Vorurteilen aufzuräumen: Den echten Renoir, den man bei einem Trödler auf dem Land um praktisch „nichts“ erstanden hat, gibt es nicht. Von Kunstanlage profitiert man in erster Linie durch relative Wertstabilität und Verhübschung der eigenen Immobilien und erst in zweiter Linie durch mögliche rasante Kurssteigerungen. Und eine Vervielfachung des Wertes ist so wahrscheinlich wie ein Millionenschinken, den man als Fast-Laie um Peanuts erworben hat. Dennoch bleibt die Überlegung, dass Objekte, die – aus dem eigenen Blickwinkel gesehen – ästhetischen Wert besitzen, ihren materiellen Wert behalten oder steigern und nur selten verlieren. Was zum Zeitpunkt komplikationsloser Liquidität erstanden wurde, kann in der Pension ein feines Zubrot bedeuten – vorausgesetzt, man kann sich davon wieder trennen. Andrea Jungmann, Österreichchefin des weltweit bekannten Auktionshauses Sotheby’s, erklärt: „Das höchste Entwicklungspotenzial und somit die größte Gewinnspanne hat zweifelsohne zeitgenössische Kunst. Werke von Künstlern wie Sigmar Polke, Anselm Kiefer und Damien Hirst haben in den letzten 20 Jahren zwischen 20 und 50 Prozent zugelegt.“ Einstieg mithilfe von ExpertenDer Kauf direkt beim Künstler ist vermutlich der günstigste, doch in einer Galerie bietet sich im Normalfall eine größere Palette zur Auswahl mit der Möglichkeit, ohne Konkurrenzgebote sofort zu kaufen. „Die größte Auswahl, verbunden mit der größten Transparenz und gepaart mit einem beinahe unendlichen Erfahrungsschatz der Experten, findet man zweifelsohne am Auktionsmarkt. Zudem sind Spannung und Flair bei Auktionen kaum zu überbieten“, gibt Jungmann zu bedenken. Art Consulter kosten zwar Geld, das man allerdings im Normalfall durch besonders gefinkelte Deals wieder hereinspielt. Die Experten beraten, recherchieren und bieten für Sie – der ideale Einstieg für unerfahrene, aber zahlungskräftige Kunstinteressierte. Kunst- und Antiquitätenmessen führen unter Laien und Experten mitunter zu wahren Pilgerströmen, da sie eine schier unerschöpfliche Quelle bestens geprüfter, hochwertiger Qualitätsware bieten. Schnäppchen lassen sich hier wohl kaum ergattern, doch Qualität hat eben immer ihren Preis. An Auktionen lässt sich übrigens auch teilnehmen, wenn man nicht selbst anwesend ist – mithilfe eines schriftlichen Gebots oder per telefonischer Teilnahme. Ratsam ist es in jedem Fall, vorab über das Objekt der Begierde mittels Zustandsbericht genauestens Bescheid zu wissen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Die Lust am UngewissenKunst als Anlageform unterliegt freilich ähnlichen Risiken wie der Aktienmarkt. Wer weiß schon, welcher Künstler in einigen Jahren populär sein wird, welcher Stil Zukunft hat oder welches Werk Top-Preise erzielen könnte? Kunstanlage ist dennoch deutlich sicherer als ein Lottoschein, wenn man sich an gewisse Regeln hält: Qualität, Seltenheit, Zustand und Provenienz. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass hervorragend signierte Ware im Wert relativ stabil bleibt“, weiß Andrea Jungmann. „Beim Kunstkauf achtet man auf dieselben Dinge wie beim Aktienmarkt: verkaufen, wenn die Preise am höchsten sind, und kaufen, wenn die Preise sinken“, ergänzt die Expertin. Auch auf dem Kunstmarkt gibt es sehr risikoreiche sowie deutlich sicherere Investitionen – die Vorinformation ist entscheidend, denn mit bekannten Namen allein ist es einfach nicht getan. Die Relevanz des eigenen GeschmacksKunst deckt alle möglichen – und scheinbar unmöglichen – Geschmacksrichtungen ab. Wer Kunst als Hobby sieht und für die pensionssichernde Anlage kein Studium absolvieren will, sollte sich laut Experten auf die eigenen Vorlieben verlassen. Wer in die Oper geht, tut das im Normalfall auch im Wissen, wer der Komponist ist. Eine gewisse Basisinformation über Kunstgeschichte schadet also keinesfalls. Zusätzlich gibt es zu jedem Spezialthema Bücher und Museen, Galerien und Auktionen sind per se Schnellseminare in Sachen Kunstmarkt. Tageszeitungen bieten zudem Updates zu den neuesten Entwicklungen und Trends. Andrea Jungmanns Tipp: „Kaufen Sie Werke unterschiedlicher junger Künstler. Diese bringen die größten Chancen auf hohe Wertsteigerungen und sind günstig zu bekommen.“ Doch: „Bei allen Gedanken an eine mögliche Wertanlage sollte man dennoch nach dem eigenen Geschmack einkaufen und mit den Werken leben, denn Kunst transportiert eben auch immaterielle Werte.“ Vergessen Sie nicht, dass Sie normalerweise mit den erstandenen Objekten leben!
Foto: sotheby‘s Märkte & Messen – Fenster in die Zukunft der Kunst
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