Managementqualitäten dringend gefragt
Personalberater Dr. Othmar E. Hill im Interview mit ÄrzteEXKLUSIV zum Thema medizinische Fortbildung
Gibt es Bereiche, in denen Sie in der Fortbildung von Ärzten Lücken sehen?
Was völlig fehlt, sind Potenzialanalysen zur eigenen Karriereplanung. Ärzte haben meist keinen Karriereplan, wissen auch nicht, wo sie sich beraten lassen sollten und können daher ihre beruflichen und persönlichen Potenziale weder bewerten noch vermarkten und damit auch nicht kapitalisieren. Fehlpositionierungen sind daher eher der Normalfall als die Ausnahme, was erhebliche menschliche Unzufriedenheit und Schaden für die Organisation verursacht.
Welche Skills werden sehr nachgefragt, aber zu wenig angeboten?
Managementkompetenz insgesamt: Ärzte versuchen die Spielregeln ihres medizinischen Berufslebens auf Managementabläufe zu applizieren, was überhaupt nicht funktioniert. Speziell Selbst-, Zeit- und Stressmanagement sind Themen, die vermittelt werden sollten.
Auch in Punkto Fremdmanagement glauben Mediziner – tendenziell meist die Männer –, dass dominantes Leitungsverhalten und steile Befehlshierarchie – wie sie in existenziellen Notsituationen angebracht sein sollten – auch für Organisationsfragen gelten. Es fällt ihnen meist schwer, den „Schalter umzulegen“, wenn es um die allgemeine Führung von Teams geht.
Den meisten ärztlichen Leitern fehlt strategisches Management zur Gänze. Dies führt auch dazu, dass die Häuser oft über kein allzu profiliertes Angebotsportfolio verfügen. „More of the same!“ dominiert vor Unverwechselbarkeit. Dieses Manko bringt die Gefahr der Schließung oder Zusammenlegung von Spitälern mit sich. Weiterbildungsangebote im Bereich Unternehmensführung fehlen zur Gänze für diese Branche. Ebenso gibt es sie kaum für Marketing und Verkauf.
Was überhaupt nicht angeboten wird, sind Lehrgänge in interkulturellem Führen, obwohl im Gesundheitsbereich viele aus dem Ausland stammende Mitarbeiter tätig sind. Ärzte haben zudem große Probleme, sich sozial kompetent mit ihren Patienten auszutauschen. Überhaupt sind die dialogischen Fertigkeiten ungeschult, auch wenn es um Diagnose-Auskünfte geht. Ganz negativ wirkt sich dieses Dilemma aus, wenn schlechte Diagnosen vermittelt werden sollen. Kommunikationstrainings für Problem-, Kritik- und Krisen-Gespräche wären anzuraten.
Was würden Sie einem Jungarzt in Sachen Fortbildung raten?
Jungärzte sollten unbedingt eine Ost- oder eine arabische Sprache sprechen und wenigstens ein bis zwei Jahre Auslandsarbeitserfahrung einbringen.