Spendenaufrufe

Ärzte ohne Grenzen,

www.aerzte-ohne-grenzen.at

EINSATZMITARBEITER für HAITI dringend gesucht! – Ärztinnen/Ärzte und Krankenschwestern/-pfleger mit Französischkenntnissen ab sofort für 2-3 Monate, Bewerbungen an hrm.vienna@vienna.msf.org, Betreff: „Cholera-Haiti“; Spenden: PSK Nr. 930.40.950, BLZ 60.000, Kennwort „Notfallfonds Haiti“

Caritas Österreich

www.caritas.at

zuständig für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser,  Hygienepaketen, Seifen, Latrinenbau, Aufklärung; Spenden: PSK Nr. 7.700.004, BLZ 60000, Kennwort „Erdbeben Haiti“, 250 Euro = eine Latrine; 50 Euro = ein Hygienepaket für eine Familie/Monat; 5 Euro = Wasserreinigungstabletten für eine Familie/Monat

Rotes Kreuz

www.roteskreuz.at

Zuständig für Wiederaufbau, Wasseraufbereitung und sanitäre Anlagen; Spenden: PSK Nr. 2.345.000, BLZ 60.000, Kennwort „Erdbeben Haiti“ oder online unter https://spende.roteskreuz.at

UNICEF Österreich

www.unicef.at

zuständig für Trinkwasseraufbereitung, Medikamente und Nährlösungen, sauberes Wasser, Seife, Desinfektion, Hygieneaufklärung; Spenden: PSK Nr. 15 16 500, BLZ 60.000; „Kinder Haiti“ oder online

Das Jahr der Katastrophen

Rotschlamm in Ungarn, Ölpest in Mexiko, Cholera in Haiti, Überschwemmungen in Pakistan und Bergwerksunglück in Neuseeland. Viele Katastrophen haben das Jahr 2010 überschattet und Hilfsorganisationen stecken an vielen Schauplätzen mitten in einem schier endlos scheinenden Kampf gegen die Zeit, die Armut und ein völlig ungewisses Schicksal. Welche Rolle spielen Ärzte und Gesundheitseinrichtungen in diesem Kampf und wie können Medienberichte die Situation noch schlimmer machen?

Am 12. Jänner 2010 erschütterte ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,0 den Karibikstaat Haiti. Mehr als 220.000 Menschen verloren ihr Leben, 1,3 Millionen ihr Dach über dem Kopf – mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist unmittelbar betroffen. Auch die Hauptstadt Port-au-Prince wurde in weiten Teilen zerstört, wichtige Institutionen und Personen, die für einen Wiederaufbau notwendig sind, gibt es nicht mehr. Mitten in den rasch angelaufenen Hilfsmaßnahmen kam es zu großflächigen Überschwemmungen durch Hurrikan Tomas, die die weitere Ausbreitung der Folgekatastrophe vorantrieben: Cholera. Begünstigt wurde die Verbreitung der Seuche durch „einen Mangel an Sanitäranlagen und sauberem Trinkwasser“ sowie die Tatsache, „dass es seit hundert Jahren keinen Cholera-Ausbruch mehr in Haiti gab und die Bevölkerung die Krankheit nicht kennt“, wie Aitor Zabalgogeazkoa vom Einsatzzentrum von Ärzte ohne Grenzen in Barcelona erläutert. „Die Situation in Haiti ist so dramatisch wie komplex, die unzureichende sanitäre Versorgung, das Ausmaß der Zerstörung und ein zu geringer Zugang zu sauberem Trinkwasser verschärfen die Lage. Auch menschliche Ressourcen sind zum Teil nicht mehr vorhanden“, bestätigt auch Heike Welz, verantwortlich für den Wiederaufbau durch das Österreichische Rote Kreuz.

Cholera hat leichtes Spiel

Cholera ist eine Seuche, die üblicherweise rasch in den Griff zu bekommen ist. In Haiti scheint dies derzeit unmöglich. Die Hilfsorganisationen gelangen an die Grenzen ihrer Kapazitäten. „Die Cholera hat sich seit Oktober im Norden des Landes in der Region Artibonite ausgebreitet, die nicht vom Erdbeben betroffen war, aber zu den ärmsten Gebieten des Landes gehört“, erklärt Mag. Sylvia Trsek von UNICEF Österreich. So sehr die Hilfsorganisationen auch bemüht waren ein Übergreifen auf die Hauptstadt zu verhindern, „bei der enormen Armut und Mangelernährung in Haiti – auch vor dem großen Erdbeben – haben Krankheiten wie die Cholera leichtes Spiel“, bestätigt Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer. Waren denn Versäumnisse der Helfer die Ursache für den Ausbruch?
„Die großen Versäumnisse liegen meiner Meinung nach in der Vergangenheit, als die internationale Staatengemeinschaft die Menschen in einem der ärmsten Länder sich selbst überlassen hat“, klingt Petrik-Schweifer durchaus bitter und fügt hinzu: „Seien wir uns ehrlich: Die Welt hat erst nach dem Erdbeben auf Haiti geschaut. Not und Elend gab es schon viel früher.“

Bestens organisierte Strukturen

Während in den Köpfen vieler Menschen noch immer Bilder von nicht organisierten Hilfslieferungen herumspuken, bemühen sich die Hilfsorganisationen redlich, dieses Vorurteil aus dem Weg zu räumen. „Die Koordinierung der Cholerabekämpfung wird unter der Federführung des Ministeriums für Gesundheit durchgeführt und gemeinsam vom Head Cluster und dem Water, Sanitation and Hygiene Cluster organisiert“, betont Sylvia Trsek von der UNICEF. An ihre Grenzen stoßen die Helfer nicht so sehr durch das Ausmaß der Zerstörung als vielmehr durch die von vorneherein fehlende Infrastruktur.
Unterstützung und Genehmigungen der örtlichen Regierung gestalten sich als äußerst schwierig, da in weiten Bereichen entsprechende Stellen nicht mehr existieren. „Um hier die Abläufe rascher zu gestalten und sicherzustellen, dass verfügbare Hilfe auch ankommt bzw. angenommen wird, könnte ein Angebot bzw. eine Einmeldung zum Beispiel über den EU-Mechanismus und die zuständigen nationalen Stellen erfolgen“, erläutert Dr. Doris Ita, Abteilungsleiterin Zivilschutz, Krisen- und Katas­trophenschutzmanagement im Außenministerium, die Rolle der Regierungen. „Auch die Annahme derartiger Angebote wird immer an die nationale Stelle rückgemeldet und in weiterer Folge können EU-Mechanismen genützt werden, um auch sicherzustellen, dass Hilfsgüter ordnungsgemäß ankommen und übergeben werden“, ergänzt Ita.
Heike Welz vom Österreichischen Roten Kreuz kann sich auf die durchorganisierte Struktur der weltweiten Rotkreuz-Bewegung und die Koordination durch den UN-Cluster verlassen. „Die UN als Lead Agency stellt sicher, dass der Wiederaufbau klar strukturiert und koordiniert abläuft“, erklärt Welz. „Auf bewaffneten Schutz verzichtet das Rote Kreuz grundsätzlich, um niemals auf eine Konfliktseite gezogen zu werden. Das bedeutet für die Mitarbeiter, dass sie sich zu 100 Prozent an die Sicherheitsvorschriften halten müssen.“ Das ÖRK arbeitet unter der Federführung der internationalen Föderation und des internationalen Roten Kreuzes zusammen mit lokalen Behörden. Innerhalb von Hilfsclustern wird nach strengen Prüfungskriterien evaluiert – nichts passiert unkontrolliert oder unkoordiniert.

Fragile Zukunft

Auch die politische Lage lässt das Land nicht zur Ruhe kommen. „UNICEF mobilisiert alle Mitarbeiter und Ressourcen zur Versorgung der Kranken und zur Eindämmung der Epidemie und ruft dringend zu Spenden auf“, appelliert Trsek an die Menschen. Das Zusammentreffen zweier schwieriger Situationen verschärft laut Petrik-Schweifer von der Caritas die Lage: der Ausbruch der Cholera und die Wahlen. Die Helfer erhalten einen detaillierten klaren Sicherheitsplan und lassen sich im Fall des Falles von Sicherheitsexperten beraten.
Von Erdbeben und Hurrikans wird Haiti wohl immer bedroht bleiben. „Vorsorgemaßnahmen wie etwa Frühwarnsysteme, bessere Häuser und Zugang zu sauberem Trinkwasser und Gesundheitseinrichtungen können die negativen Folgen deutlich reduzieren“, schätzt Petrik-Schweifer die Zukunft ein und ergänzt: „Der beste Schutz gegen Seuchen und Krankheiten sind die Armutsbekämpfung und die Investitionen in die Infrastruktur sowie Maßnahmen, die zur politischen Stabilität beitragen. Davon wird auch die Zukunft des Landes abhängen.“    bw

Fotos: UNICEF/NYHQ2010-2134/Marco Dormino, MSF