Unliebsame Begleiter durch den Winter

Bis zu viermal im Jahr schlagen die Rhinoviren gnadenlos zu. In der kalten
Jahreszeit, wenn die Schleimhäute durch die trockene Heizungsluft strapaziert sind, haben sie besonders leichtes Spiel.

Die Viren – bekannt sind derzeit über 200 – lassen sich in Nase und Bronchien nieder. Dort verursachen sie eine Entzündung, und es kommt zu Schnupfen und Husten. Zusätzlich sorgen die Viren dafür, dass die Nasenschleimhaut anschwillt und das Atmen durch die Nase praktisch unmöglich wird. Die Viren tropfen dann in die unteren Atemwege ab und befallen so die Bronchien.

Eine banale Virusinfektion verschwindet nach rund sieben Tagen meist von selbst wieder. Damit es nicht zu einer bakteriellen Superinfektion kommt, lautet die Devise allerdings: schnelles Handeln. Je früher sich der zähe Schleim verflüssigt und je schneller die Atemwege wieder befreit sind, desto besser. Denn der zunächst wässrige Schleim wird im Verlauf der Erkrankung immer dickflüssiger und kann durch die angeschwollenen Nasenschleimhäute nicht mehr abfließen. Die Entzündung kann sich bis in die Nasennebenhöhlen ausbreiten, es kommt durch eine bakterielle Superinfektion zu einer Sinusitis. Rund 10 Prozent der Bevölkerung leiden jährlich an einer solchen Erkrankung. Eine unbehandelte Rhinosinusitis kann zu schweren Komplikationen wie beispielsweise Meningitis führen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Krankheitserreger in die Bronchien gelangen und dort eine Entzündung der Bronchialschleimhaut, eine Bronchitis, auslösen. Auch dabei schwillt die Schleimhaut an und sondert zähflüssigen Schleim ab, der starken Husten mit Auswurf sowie Atembeschwerden verursacht.
Bei der Ausweitung der Infektion von den oberen in die unteren Atemwege spricht man von einem Etagenwechsel. Generell sind die Entzündungsreaktionen in den oberen und unteren Atemwegen sehr ähnlich. Deshalb gehören sie therapeutisch zusammen, was auch als „united airways“ oder „one airway – one disease“ bezeichnet wird.

Ätherisches Öl: altes Hausmittel in moderner Form

Ätherische Öle sind ein probates Hausmittel, um die Atemwege wieder frei zu machen. Inhalationen von außen mit ätherischen Dämpfen sind schon seit Großmutters Zeiten bekannt. Heute gibt es auch die Möglichkeit der „Inhalation von innen“. Nach dem Schlucken einer rezeptfrei erhältlichen Gelkapsel mit dem Inhaltsstoff Myrtol gelangt der Wirkstoff in den Dünndarm und von dort aus über das Blut bis in die feinsten Verzweigungen der Atemwege. So wirkt er über Stunden in hohen Konzentrationen tief von innen heraus.

Myrtol standardisiert kommt genau dort zum Einsatz, wo die Entzündung sitzt. Während einfache Erkältungsprodukte nur die Symptome eines leichten Schnupfens lindern können, wirkt Myrtol auch bei schweren Atemwegserkrankungen. Die Überlegenheit von Myrtol standardisiert zeigt sich daran, dass die Wirksamkeit bei Sinusitis und Bronchitis in anerkannten Studien belegt ist. Sie äußert sich auch in verschiedenen Zusatzeffekten: Myrtol standardisiert fördert nicht nur die Mukolyse und Sekretolyse sowie die Sekretmotorik, sondern wirkt gleichzeitig auch antientzündlich, antioxidativ und antimikrobiell.

Das Präparat wird im Allgemeinen hervorragend vertragen, Vorsicht ist nur bei eingeschränkter Nierenfunktion und vorhandenen Gallensteinen geboten. Bei Allergikern ist darauf zu achten, dass keine Allergie gegen Bestandteile des Präparates besteht. Wichtig ist, sowohl bei der Einnahme der Kapseln als auch zur Vorbeugung von Virusinfekten im Allgemeinen viel zu trinken.

Fieber und Schmerzen bei Kindern

Während bei Erwachsenen die Körpertemperatur bei banalen Virusinfekten selten über 37,5 Grad ansteigt, fiebern Kinder weitaus rascher. Beim kindlichen Status febrilis ist bei einem Temperaturanstieg ab etwa 38,5 Grad – abhängig von Alter und Allgemeinzustand des kleinen Patienten – der Einsatz von Antipyretika ratsam. In Vergleichsstudien zeigte dabei Ibuprofen versus Paracetamol bei tendenziell besserer Wirksamkeit eine längere Wirkdauer (bis zu 8 Stunden) bei Fieber.

Ibuprofen zeichnet sich durch eine analgetische, antipyretische und antiinflammatorische Wirkung aus, die auf die Unterbrechung der Prostaglandinsynthese durch Hemmung der Cyclooxygenase (COX) zurückzuführen ist. Ibuprofen für Kinder ist sowohl in Form von Zäpfchen als auch als Saft auf dem Markt, der sehr gerne genommen wird. Ibuprofen ist in der Schmerz- und Fieberbehandlung von Kindern ein effektives Medikament, das durch sein geringes Nebenwirkungsspektrum, seine hohe Sicherheit in der Anwendung und seine zuverlässige Wirkung überzeugt. Eine Überwärmung des Patienten – sowohl in den Räumen als auch im Bett – sollte vermieden werden. Auf genügend Frischluftzufuhr von außen ist zu achten. Vorübergehende Appetitlosigkeit ist keinesfalls zu behandeln, sondern dient sogar der Regeneration. Sollte ein Kind allerdings das Trinken verweigern, ist ein rascher Arztbesuch angezeigt.

Wenn die Influenza kommt

Die echte Virusgrippe ist keine harmlose Erkältung, sondern eine höchst ansteckende Krankheit, die in Österreich jährlich bis zu 2.000 Todesopfer fordert. Die Influenza-typische Symptomatik (influenza-like illness – ILI) ist durch

  • plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber (< 38,5 °C),
  • trockenen Reizhusten,
  • Muskel- und/oder Kopfschmerzen

gekennzeichnet. Weitere Symptome können allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche und Halsschmerzen sein. Bei Kindern kann die Gabe von Salicylaten zum Reye-Syndrom führen. Die schwersten Verlaufsformen sind der perakute Todesfall innerhalb weniger Stunden und die primäre Influenzapneumonie. Auch Enzephalitiden und Myokarditiden kommen vor. Komplikationen treten vor allem bei älteren Personen mit Grundkrankheiten (chronische Herz- oder Lungenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes, Immundefekte etc.) auf. Bei ihnen können sich insbesondere Pneumonien durch bakterielle Superinfektion (Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Staphylokokken) entwickeln. Bei Kindern kann eine Otitis media auftreten.

Die Behandlung der Influenza bei Personen, die nicht zu den Risikogruppen gehören und bei denen somit ein unkomplizierter Verlauf erwartet werden kann, erfolgt überwiegend symptomatisch. Eine spezifische Therapie mit antiviralen Arzneimitteln ist insbesondere bei Personen mit einem Risiko für Komplikationen sinnvoll. Für die Therapie stehen zwei Substanzklassen zur Verfügung, mit der spätestens 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome begonnen werden sollte. Der M2-Membranproteinhemmer Amantadin hemmt das virale Membranprotein und damit das Eindringen des Virus in den Zellkern. Amantadin hat den Nachteil, dass es nur gegen Influenza-A-Viren wirksam ist und bei therapeutischer Anwendung sehr rasch zur Bildung resistenter Viren führt; außerdem sind neurologische Nebenwirkungen (Schlaflosigkeit, Nervosität) relativ häufig.

Die Neuraminidasehemmer Oseltamivir und Zanamivir blockieren die Aktivität der viralen Neuraminidase und damit die Freisetzung neu gebildeter Viren. Sie wirken sowohl gegen Influenza-A- als auch Influenza-B-Viren, Resistenzbildungen treten wesentlich seltener auf als bei Amantadin. Neuraminidasehemmer vermindern nicht nur den Schweregrad und die Dauer der Erkrankung, sondern gewähren bei rechtzeitiger Einnahme auch einen statistisch signifikanten Schutz vor Hospitalisierung und tödlichem Verlauf.

 

TEXT: Dr. Doris Geissler  |  FOTO: BILDERBOX