LIFESTYLE

Was so alles abseits von OP-Sälen und Ordinationen passiert

Prof. Dr. Guntram SCHERNTHANER

Im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes

Der führende Diabetologe Österreichs, Prof. Dr. Guntram Schernthaner, setzt dem leisen Killer Diabetes gehörig zu. Der Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung im Wiener Krankenhaus Rudolfstiftung ist sich wohl bewusst, dass in der Medizin ständig Revolutionen ablaufen. Intensive Forschungstätigkeit ist da ein unabdingbares Muss auf dem Weg zur Erkenntnis – das beweist er eindrucksvoll mit über 300 publizierten Arbeiten. Seine Abteilung zählt in Sachen klinische Diabetesforschung zu den besten Europas. Es war im Jahr 1974, als Schernthaner an der Klinik Fellinger einen diabeteskranken Briefträger betreute, der nur Langzeitinsuline erhielt und jede Nacht bewusstlos wurde. „Da läuft einiges falsch“, sagte sich der junge Arzt und gab damit den Startschuss für seine Vorreiterrolle in der österreichischen Diabetologie.

Neben der Kunst faszinieren den passionierten Schifahrer auch Musik und Theater, doch seine große Leidenschaft ist und bleibt die Medizin. Schernthaners durchaus realistischer Wunsch an die Zukunft: „Diabetes ist eine extrem unterschätzte Krankheit. Die derzeit weltweite Explosion der Erkrankungen muss gestoppt werden. Prävention ist dabei unerlässlich, auch wenn Medikamente in Aussicht sind, die helfen können.“ Sollte das Rezept für eine „Pille gegen Diabetes“ noch lange auf sich warten lassen, hat der dreifache Vater vorgesorgt: Seine beiden Söhne sind ebenfalls Ärzte. Schernthaner hat es immer verstanden, fachliche Kapazitäten in sein Team zu holen – das gibt Hoffnung auf eine Lösung gegen die Volkskrankheit Diabetes.

 

Zur Person:
Nach dem Medizinstudium in Berlin, Innsbruck und Wien promovierte Guntram Schernthaner 1972 und war dann ab 1979 als Leiter der Arbeitsgruppe für Stoffwechsel und Endokrinologie an der 2. Medizinischen Universitätsklinik Wien beschäftigt. Nach Habilitation (1981), Extraordinariat (1988) und zahlreichen Preisen – u. a. Bertram-Preis der Deutschen Diabetesgesellschaft sowie Renold-Medaille der Europäischen Diabetesgesellschaft – ist Schernthaner seit 1988 Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung der Rudolfstiftung Wien mit den Schwerpunkten Diabetologie, Endokrinologie, Onkologie, Hämatologie und Osteologie. Dazu kommen Funktionen in mehreren nationalen und internationalen Diabetesvereinigungen sowie Gutachtertätigkeiten für weltweit führende Fachzeitschriften.

KURZ GEMELDET

Exodus von medizinischem Personal: Der Europarat hat vor dem Abwerben von Ärzten und anderem medizinischen Personal aus Entwicklungsländern gewarnt. Regierungen, die angesichts ihres eigenen Personalmangels im Gesundheitswesen und ihrer alternden Bevölkerung auf Beschäftigte aus der Dritten Welt setzen, müssten sich um eine „ethische Herangehensweise“ bemühen. Der Generalsekretär des Europarats, Terry Davis, regte anlässlich einer Tagung der Gesundheitsminister aus den 47 Europaratsländern einen „Verhaltenskodex für das Anwerben von Einwanderern“ an. +++ Nikotinsucht im Erbgut fixiert: Forscher der Universitäten Bonn und Heidelberg sind sich mit Kollegen der Harvard Medical School einig: 50–75 % Einfluss hat das Erbgut auf das Suchtverhalten. Umweltbedingungen wie Stress oder negative Vorbilder sorgen für den Rest. Ihre Analyse der Genveränderungen bei 4.300 deutschen Rauchern und Nichtrauchern zeigte: Ist das so genannte TPH1-Gen verändert, wurden Betroffene insgesamt häufiger und stärker abhängig, schreiben die Forscher im Fachjournal „Neuropsychobiology“. +++ Schlankheitspillen ohne große Wirkung: 2005 gingen weltweit Schlankheitspillen im Wert von ca. 820 Mio. Euro über den Ladentisch. Schade um das Geld, denn wie Forscher der Universität von Alberta anhand von 30 Studien, in denen die Patienten einen von drei Wirkstoffen – Orlistat, Sibutramin oder Rimonabant – ein Jahr lang einnahmen, belegten, sind diese Pillen nahezu wirkungslos. Die Teilnehmer wogen im Mittel 100 kg, der durchschnittliche Körper-Masse-Index lag bei über 35. Im Schnitt verloren die Patienten in einem Jahr keine 5 kg mehr als bei Einnahme eines Scheinpräparats.