Detaillierte Informationen

www.energyagency.at
Austrian-Energy-Agency, die Österreichische Energieagentur

www.lsi.at
LSI – Leistungsgruppe von Installateuren HandelsgesmbH, Grazer Vorstadt 120b, 8570 Voitsberg

www.zukunftsheizung.at
W & H Reichert, Klosterstraße 16, 4730 Waizenkirchen, Energieverwertungsagentur

Heizen über Boden, Wand oder Decke

Für Bauherren stellt sich im Verlauf der Hausplanung schnell die Frage, wie geheizt werden soll. Es ist schon schwer genug zu entscheiden, ob Gas, Öl, Pellets, Sonnenenergie, Strom oder Erdwärme. Doch auch die Frage, ob über Radiatoren, Boden, Wand oder Decke, hat es in sich.

Dipl.-Ing. (FH) Markus Steiner, Application-Manager Flächenheizung beim Flächenheizspezialist Uponor, ortet aktuelle Heiztrends bei Wärmeerzeugung auf einem möglichst niedrigen Temperaturniveau. „Möglichst großflächig in Boden, Wand oder Decke eingesetzt, arbeiten sie energieeffizient mit niedrigen Systemtemperaturen, die nur unwesentlich über der gewünschten Raumtemperatur liegen“, erklärt Steiner. Der hohe Anteil von Strahlungswärme sorgt für erhöhtes Wohlbefinden und gesundheitliche Pluspunkte, und in Kombination mit Wärmepumpen werden Flächenheizungen auch zur Kühlung verwendet. Steiner ist überzeugt: „Die Doppelfunktion Heizen und Kühlen macht Flächensysteme in Boden, Wand und Decke zukunftssicher.“ Flächenheizungen sind nicht nur für Neubauten eine probate Lösung, sondern auch für Renovierungen gibt es mittlerweile Varianten, die ohne gigantischen Aufwand machbar sind.

Neu am Markt: Infrarotheizung

Herbert Reisinger von LSI, einem Zusammenschluss innovativer Installateure, gibt jedenfalls zu bedenken, dass „Radiatorenheizungen aufgrund der benötigten hohen Temperaturen bei Neubauten nicht mehr zeitgemäß“ sind. Sie werden mitunter für sozialen Wohnbau und Mehrgeschoßbau aufgrund der niedrigen Errichtungskosten eingesetzt. Betrachtet man die Sachlage auf Basis der Errichtungs- plus Nutzungskosten über die Nutzungsdauer, sei Flächenheizungen eindeutig der Vorzug zu geben. Während Reisinger in Sachen Infrarotheizungen zudem zu bedenken gibt, dass der Informationsstand noch unzureichend und die Stromkosten aus volkswirtschaftlicher Sicht bedenklich seien, freut sich Peter Reichert von W & H Reichert in Waizenkirchen über die Vorteile der Infrarotheizung: „Der Anteil der Strahlungswärme ist mit 90 % noch besser als bei Kachelöfen, gleichmäßige Temperaturverteilung, keine Feuchtigkeit, niedrige Anschaffungs-, ab 3.500 Euro, und Betriebskosten und kaum Wartung sprechen für sich.“ Prinzipiell befindet Reichert neben Infrarotheizungen Kachelöfen am besten, wenn auch teuer und arbeitsintensiv. Wand- und Bodenheizungen hätten seiner Ansicht nach jedenfalls große Vorteile gegenüber Radiatoren, die er ebenfalls nicht mehr zeitgemäß findet.
Susanna Schönauer, Expertin im Geschäftsfeld Gebäude & Raumwärme der Österreichischen Energieagentur, stellt Infrarotheizungen kein gutes Zeugnis aus: „Die Verwendung von Strom zum Heizen ist mit doppelten Energieverlusten verbunden: zuerst bei der Herstellung der elektrischen Energie, dann bei der Umwandlung von Strom in Wärme. Eine Elektroheizung ist daher nicht energieeffizient.“ Kachelöfen hingegen dienen laut Schönauer als Wärmeerzeuger mit Behaglichkeit – aufgrund der Strahlungswärme – und als Möbelstücke. Mit modernen Systemen und damit geringer Emissionsbelastung stellen sie brauchbare Heizsysteme dar.


Foto: fotolia

Susanna Schönauer von der Austrian-Energy-Agency hat für ÄrzteEXKLUSIV einen +/-Vergleich zusammengestellt, der eventuell Entscheidungen erleichtert:

Wandheizung

Vorteile:

  • rasch eintretende Behaglichkeit mit niedrigen Lufttemperaturen
    hoher Wirkungsgrad bei Niedrigtemperatur-Heizsystemen
    hoher Wärmestrahlungsanteil

Nachteile:

  • Möbelstellmöglichkeiten eingeschränkt
  • nachträgliche Installation schwierig
  • große Sorgfalt bei baulichen Maßnahmen (Bohrungen) erforderlich
  • hohe Wärmeverluste bei schlecht gedämmten Wänden
  • keine nennenswerte Lufterwärmung vor Fenstern (Warmluftschleier)

Fußbodenheizung

Vorteile:

  • geringe Heizwassertemperaturen wegen großer Heizfläche
  • kaum Verluste bei Wärmeerzeugung/-verteilung durch geringe Vorlauftemperaturen
  • nicht sichtbare Heizkörper
  • keine Behinderung bei Gestaltung und Möblierung der Räume
  • günstiges Temperaturprofil über die Raumhöhe

Nachteile:

  • größerer Montageaufwand bei der Sanierung als bei Radiatoren
  • etwas schlechtere Regelfähigkeit bei schwankendem Wärmebedarf

Radiatoren

Vorteile:

  • unkontrollierter Kaltlufteinfall bei Fenstern wird durch Konvektionswärme verhindert
  • schnelle Aufwärmphase
  • bei Sanierungen leicht nachträglich einzubauen
  • Gestaltungsmöglichkeiten (Badezimmerradiatoren, Farben etc.)

Nachteile:

  • Wärmeabstrahlung von der Seite
  • Staubverwirbelung
  • schwierige Reinigung
  • trockene Raumluft
  • Sichtbarkeit