Ausgabe 06/2008
Axel C. Moser

Editorial

Die Gesundheitsreform ist für Österreichs Ärzte zweifelsohne das beherrschende Thema dieser Tage. Was aber ist eigentlich eine Reform? Wie würden Sie eine solche Entwicklung definieren? Und was verstehen kluge Menschen unter einer Reform? Ich habe mir in den letzten Tagen die Mühe gemacht, diesbezüglich ein wenig in den Archiven zu stöbern.
Der deutsche Schriftsteller Jean Paul, einer der bedeutendsten Prosadichter der Goethe-Zeit, etwa meinte: „Leider reformieren die Menschen vom Hut nach dem Gehirne zu statt umgekehrt.“

Der Schweizer Gesundheitsökonom und Autor des Buches „Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik“, Dr. Gerhard Kocher, traf den Nagel mehrfach auf den Kopf. So meinte er: „Wer das Gesundheitswesen reformieren will, erlebt es immer wieder: Das Imperium schläft zurück“, oder: „Wer Reformen im Gesundheitswesen vorschlägt, sollte mit 18 beginnen; sonst erlebt er keine“, oder: „Die gelungensten Realsatiren sind und bleiben Bundesratsreden, Chefarztvisiten und die Krankenversicherungs-Reform.“
Aber auch schon Ende des 18. Jahrhunderts gab es kritische Stimmen über unkontrollierte Reformwut. Der Schriftsteller, Staatsphilosoph und geistige Vater des Konservativismus, Edmund Burke, meinte 1792 recht kritisch: „Ich wünschte, das Volk vor dem größten aller Übel zu warnen – vor dem blindwütigen Geist der Neuerung unter dem Namen ‚Reform‘.“
Der österreichische Autor und Verleger Dr. Fritz P. Rinnhofer wiederum definierte Reformen so: „Durch eine Reform werden Unfähige durch Unerfahrene ersetzt. Reformierer sind meistens Deformierer.“

Und der Nationalökonom und CAPITAL-Mitbegründer Univ.-Prof. Dr. Clemens August Andreae, meinte vor seinem Tod 1992: „Die Reformen, die angeblich nichts kosten, sind die teuersten.“

Loriot bringt mit einem Vergleich auf den Punkt, was wohl für viele Reformen Gültigkeit hat: „Die Rechtschreibreform ist vollkommen in Ordnung …  wenn man weder lesen noch schreiben kann.“

Alle Beteiligen sollten jedoch beherzigen, was Machiavelli schon im 15. Jahrhundert zum Besten gab: „Wenn Reformen dauerhaft sein sollen, so müssen sie langsam durchgeführt werden.“

Und wenn auch Sie nun genug von der leidigen Diskussion rund um die Gesundheitsreform haben, dann schalten Sie einfach ab und lassen sich in diese Ausgabe von ÄrzteEXKLUSIV fallen. Denn so bedeutend diese Reform auch immer sein mag: Das Leben geht weiter – und es gibt auch etwas anderes als Reformen...

 

Axel C. Moser
Geschäftsführer ÄrzteVerlag