FORTBILDUNG & KARRIERE I Porträt

FotoS: istockphoto/ Rallef, istockphoto/ Katarzyna Bialasiewicz

Neue Behandlungskonzepte wie zum Beispiel für Patienten mit Traumafolgen oder mit

psychosomatischen Erkrankungen gehen auf aktuelle Anforderungen des Gesund- heitsmarktes ein.


Reha-Angebot mit

Alleinstellungsmerkmal

Mit einem jungen Team in einem „jungen“ Haus plant Prim. Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Bach, ärztlicher Leiter im Therapiezentrum Justuspark, neue, zeitgemäße Rehabilitationsschwerpunkte zu etablieren.

Prim. Prof.

Priv.-Doz. Dr. Michael Bach, ärztlicher Leiter im

Therapiezentrum Justuspark

Sie sind seit Kurzem ärztlicher Leiter des Therapiezentrums Justuspark. Was ist die besondere Herausforderung an dieser Aufgabe?

Das Therapiezentrum besteht seit nunmehr drei Jahren und die erste Phase der Eröffnung und Imple- mentierung ist gut abgelaufen. Ich sehe meine Aufgabe nun vorrangig darin, die inhaltlichen Themen zu erweitern und neue Behandlungsschwerpunkte zu entwickeln. Weiters wollen wir das Qualitäts- und Prozessmanagement erweitern.


Wie sehen konkret die inhaltlichen Pläne aus?

Wir haben aktuell einen Burnout-Schwerpunkt, den wir weiterführen werden. Dazu wollen wir die Be- handlung von Patienten mit psychosomatischen Beschwerden ausbauen, das sind zum Beispiel Be- troffene mit chronischen Schmerzen, Tinnitus oder Reizdarmsyndrom. Diese große Gruppe von Pati- enten benötigt ein eigenes Therapieprogramm, das die Tatsache in den Mittelpunkt stellt, dass die psychischen Belastungen zu körperlichen Symptomen führen.  Ein weiterer Schwerpunkt wird sich mit Traumata und den Traumafolgeerkrankungen beschäftigen. Wir haben viele Patienten wie Einsatzkräf- te von Polizei oder Bundesheer, bei denen sich herausstellt, dass zum Beispiel eine Depression ihre Ursache in einem schweren Trauma hat. Hier greift das klassische Programm nicht und auf diese Pa- tientengruppe wollen wir künftig ein spezielles Augenmerk legen.


Wird sich dazu die Struktur der Mitarbeiter verändern?

Wir decken das jetzt schon sehr gut ab, doch wird das Team hier speziell auf diese Anforderungen abgestimmt noch Schulungen erhalten. Das ist als Teil der individuellen Personalentwicklung für das Therapiezentrum aber wichtig, damit wir auch den Zuweisern kommunizieren können, dass hier unser Schwerpunkt liegt, wo wir besonderes Know-how mitbringen.


Einer Ihrer Arbeitsschwerpunkte war und ist die „schmerzarme Medizin“ – wie weit kann dieses Thema auch in Ihre aktuellen Aufgaben einfließen?

Genau diesen Schwerpunkt wollen wir bei der Behandlung von Patienten mit psychosomatischen Be- schwerden ausbauen, entwickeln und etablieren. Dazu gibt es derzeit keine vergleichbare Rehabilita- tionseinrichtung in Österreich, wir betreten Neuland und wollen eine klare Positionierung schaffen.


2015 wurde das Therapiezentrum Justuspark eröffnet und zählt zu den modernsten Burn-out- Zentren im europäischen Raum. Was macht das Therapiezentrum so einzigartig?

Wir haben eine besondere Ausstattung und Architektur. Das Raumkonzept ist auf die Therapie best- möglich abgestimmt. Zwei Internisten im Team zu haben, ist sicher auch eine Besonderheit für eine psychiatrische Rehabilitation. Damit können wir die somatischen Beschwerden sehr gut erfassen und ein breites Spektrum an Leistungsdiagnostik anbieten und evaluieren.


Wo waren die Wendepunkte in Ihrer persönlichen Karriere, die Sie für die aktuelle Aufgabe be- sonderes qualifiziert haben?

Ich bin Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin und habe unter anderem das Di- plom für spezielle Schmerztherapie der Ärztekammer, zwei Krankenhausmanagement-Ausbildungen und bin zertifizierter Qualitätsmanager im Gesundheitswesen. In den letzten 25 Jahren habe ich an Aufbau, Management und Reorganisation verschiedener Kliniken und Abteilungen gearbeitet. Daher kann ich einen Erfahrungshintergrund in der Umsetzung neuer Behandlungskonzepte mitbringen. Es ist eine besondere Chance, hier neue Behandlungskonzepte zu implementieren, da die Einrichtung noch nicht so lange existiert. Ein junges Haus mit einem jungen Team bietet doch eine Reihe von Potenzialen.


Welche Qualifikationen sind aus Ihrer Sicht für Ärzte in Führungspositionen besonders wichtig?

Es braucht eine fundierte medizinische Ausbildung und eine fachliche Grundqualifikation, aber auch Management Skills. Dazu gibt es in Österreich eine Reihe von Angeboten, die auch speziell auf die Bedürfnisse von Medizinern zugeschnitten sind.


Welche Zusatzqualifikationen braucht aus Ihrer Sicht ein junger Nachwuchsmediziner heute auf jeden Fall?

Für eine Führungskraft unerlässlich sind die sogenannten Soft Skills, also persönliche, soziale und methodische Kompetenzen. Auslandsaufenthalte sind eine Bereicherung für die persönliche Entwick- lung, aber auch, um medizinisch Neues kennenzulernen.


Wo sehen Sie derzeit im Gesundheitswesen die großen Herausforderungen und wie beeinflus- sen diese Ihre Arbeit?

Es fehlt an Fachärzten und fachlich qualifizierten Pflegekräften. Einerseits werden zu wenige ausge- bildet, andererseits hat das Fach kein besonders gutes Image und ist daher für den Nachwuchs nicht sehr attraktiv.


Wie lautet Ihr größter Wunsch an die Gesundheitspolitik?

Es wäre wünschenswert, bei den politischen Entscheidungen im Gesundheitswesen die medizinische Fachexpertise stärker zu berücksichtigen. Wir haben zum Beispiel vonseiten der Österreichischen Schmerzgesellschaft schon im Jahr 2008 Strukturqualitätskriterien für die Schmerztherapie entwickelt, ein Konzept, dass es schon in vielen Ländern gibt. Bis heute wurde nichts davon in Österreich umge- setzt. Das ist nur ein Beispiel, aber symptomatisch für viele, wo ich Handlungsbedarf in der Gesund- heitspolitik orte.


.rh