Herausforderung:

Arzt sein

Die Rahmenbedingungen des ärztlichen Berufes sind in den letzten Jahren deutlich schlechter geworden. Bürokratie, Ideologie und Ökonomie behindern die ärztliche Tätigkeit, die Freiberuflichkeit wird zunehmend eingeschränkt und die Politik versucht, immer mehr Einfluss auf die Arzt-Patienten-Beziehung zu nehmen.


„Knapp ein Drittel der Ärzte in Österreich ist mit ihrem Beruf in unterschiedlichem Ausmaß unzufrieden.“

Dr. Johannes Steinhardt, Obmann Bundeskurie Niedergelassene Ärzte

Vergleicht man eine Ärztebefragung aus dem Jahr 2012 mit den Ergebnissen von 2016, so zeigt sich, dass die Zufrieden- heit dramatisch gesunken ist. Auf die Frage: „Wie zufrieden sind Sie im Allgemeinen mit Ihrem Beruf?“ antworten heute nur noch 26 Prozent mit „sehr zufrieden“, vor fünf Jahren waren es 40 Prozent. Der Anteil der Ärzte, die schlicht und einfach „unzufrieden“ sind, ist in nur fünf Jahren von 2 Prozent auf 15 Prozent angestiegen.


Wertschätzung fehlt

78 Prozent der Ärzte geben als großes Ärgernis die fehlende Wertschätzung der ärztlichen Tätigkeit durch Krankenkassen und Politik an. Dieser Trend hat sich erst in den letzten Jahren massiv verschärft, in den Umfragen von 2012 war davon noch nicht einmal die Rede. „Ein Ergebnis, das wohl niemanden verwundert, der berufsmäßig mit Sozialversicherungen und der Gesundheitspolitik zu tun hat“, sagt Dr. Johannes Steinhardt, Obmann Bundeskurie Niedergelassene Ärzte.

Heute ebenso wie vor fünf Jahren findet sich „Zeitdruck durch hohe Patientenzahl“ unter den Top-5-Ärgernissen. Hier ist die Politik gefordert, Voraussetzungen zu schaffen, damit ausreichend medizinischer Nachwuchs ausgebildet wird. Zum anderen wird es nötig sein, die Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit wieder so attraktiv zu gestalten, dass es ausreichende Nachfrage nach Kassenarztstellen gibt. Derzeit können in Österreich fast 80 Kassenstellen nicht nachbe- setzt werden. Rund 60 Prozent der heute aktiven Kassenärzte werden in zehn Jahren in Pension sein und entsprechender ärztlicher Nachwuchs ist nicht in Sicht. „Die zunehmende Unzufriedenheit der Ärzte wird keinen positiven Einfluss auf die Berufsentscheidung junger Menschen haben. Hier ist die Politik dringend gefordert, mit Nachdruck erfolgreich gegenzu- steuern“, bringt es Steinhardt auf den Punkt und ergänzt: „Dass der Arztberuf ein freier Beruf ist, ist ein hohes Gut. Ich kämpfe persönlich und politisch dafür, dass das auch weiterhin so bleibt, doch ich beobachte, dass die Freiberuflichkeit bedroht ist. Es darf nicht so weit kommen, dass Standardisierungen ärztlichen Handelns durch Behandlungspfade, Stan- ding Operating Procedures, Krankenkassenvorgaben oder krankenhausinterne Versorgungsanweisungen letztlich dazu führen, dass Ärzte in medizinischen Fragen Anweisungen von Nichtärzten entgegennehmen müssen oder dass sie wider besseres Wissen und Gewissen handeln müssen.“


Lebenslanges Lernen

Die ständige Weiterentwicklung und Weiterbildung ist in diesem Zusammenhang auch maßgeblich für die Zufriedenheit mit dem Arztberuf. Von Pharmaunternehmen erwarten sich Ärzte primär die Unterstützung bei der Fortbildung, allerdings un- abhängig und nicht interessengeleitet. „Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle vier Jahre“, so Univ.-Prof. Dr. Hein- rich Klech, Geschäftsführer, Vienna School of Clinical Research, Public Health, and Medical Education (VSCR), die sich seit dem Jahr 2000 der höchsten qualitativen Fortbildung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal im Gesundheitswe- sen widmet. VSCR steht für unbeeinflussten und qualitätsgesicherten Wissenstransfer auf evidenzbasierter Basis.

Seit Kurzem agiert die VSCR als unabhängiger Partner für einen Treuhandfonds, aus dem industrieunabhängige Fortbil- dung finanziert werden soll. „Der Initiativengeber ist TEVA-ratiopharm, ein Unternehmen, das als Anbieter von Fortbildung wahrgenommen werden möchte. Das Unternehmen dotiert eine Fortbildungsinitiative (TRFI), die der Entwicklung von fir- menunabhängigen Fortbildungsangeboten auf hohem Qualitätsniveau unter den Prinzipien von ‚evidence-based medicine‘ gewidmet sein soll. Für 2017 stehen 100.000 Euro zur Verfügung“, fasst Klech zusammen. rh

Foto: Fotolia/ japhoto, Österreichische Ärztekammer/Zeitler