LIFESTYLE | Abenteuer

Adrenalinkicks

Eine aktuelle Auswertung der europäischen Statistikbehörde räumt mit dem alten Vorurteil auf, die Amerikaner seien im Vergleich zu Europäern Couch Potatoes. Es ist umgekehrt. Ausnahmen unter den faulen Europäern stellen die Skandinavier dar, auf Platz vier hinter Finnland, Dänemark und Schweden folgt – tatsächlich! – Österreich. Was die Auswahl der Sportarten betrifft, sind wir nicht sehr innovativ:

Radfahren vor Laufen, Wandern, Skifahren und Schwimmen stehen auf der Liste. Aber das Interesse an Extremsportarten nimmt zu – und davon gibt es ein paar sehr ausgefallene!

fotoS: Istockphoto/ ultramarinfoto, Jon Lucas, Bernhard, wikipedia

Into the deep


Apnoetauchen: „Nur Flaschen tauchen mit Flaschen …“ Apnoetaucher verzichten auf Atemequipment beim Tauchen und kontrollieren ihre Atmung durch Hyperventilation und bewusstes Atmen so gut, dass das Sauerstoffniveau des Kör- pers annähernd konstant bleibt. So können sie einen Atemzug lang tauchen. Dabei geht es um Tiefe, Dauer und Dis- tanz. Der Rekord liegt beim Tieftauchen „no limit“ bei 214 Metern (Herbert Nitsch, 2007), beim Zeittauchen bei 11:35 Minuten (Stéphane Mifsud, 2009).

Höhlentauchen: Ja, auch die Erforschung von Höhlen zu Fuß kann sehr gefährlich werden. Tauchenderweise erkundet sind sie es aber in jedem Fall. Das Auftauchen im Notfall ist hier nicht möglich und macht die Sache riskant. Außerdem sind schlechte Sicht bzw. aufgewirbelte Sedimente, Orientierungslosigkeit und mögliche Panikattacken ein schlecht kal- kulierbares Risiko. Hotspots: Alpen, Mexiko.

Haitauchen: Tauchen ist schon lange kein Extremsport mehr. Folgerichtig suchen abenteuerlustige Taucher gerne mal nach dem zusätzlichen Kick – und der findet sich beim Haitauchen. Ohne Käfig, versteht sich. Füttern der mitunter biss- freudigen Tiere ist nicht unbedingt die beste Idee, aber ruhiges Beobachten lehrt vor allem eines: Es ist nicht der Hai, der Böses tut. Hotspot: Südafrika.



Up in the air


Base Jumping: Base Jumper springen von einem hohen Objekt – Berg, Brücke, Wolkenkratzer, Sendemast – und segeln mit speziellen Fallschirmen zu Boden. Die meisten verzichten auf einen Reserveschirm. Österreichs berühm- tester Base Jumper ist Felix Baumgartner, der von der Christusstatue in Rio de Janeiro segelte. Base Jumping ist vielerorts verboten.

Wingsuit Flying: Eigentlich sind Wingsuits als Sonderform des Base Jumpings entstanden. Der erste Wingsuit-Flug ging leider schief: Der Österreicher Franz Reichelt sprang 1912 vom Eiffelturm in Paris in den Tod. Derzeit werden Wingsuits mit starren Flügeln und solche mit Raketenantrieb getestet.

Highline: Nein, nicht die Slackline in 30 cm Höhe im Garten ist gefährlich, die Slackline zwischen zwei Wolkenkrat- zern, über einer Schlucht oder von Berggipfel zu Berggipfel, die Highline, aber schon. Besonders irre wird die Sa- che, wenn der Slackliner auf eine Sicherung verzichtet …

Fallschirmspringen: Eigentlich wird Fallschirmspringen in der Liste der Extremsportarten gar nicht mehr aufgelis- tet. Vielleicht liegt es an der langen Geschichte, die bis Leonardo da Vinci (1483) zurückreicht. Heute ist dieser Sport tatsächlich relativ sicher, vor allem wenn Öffnungsautomaten verwendet werden, die nicht mehr händisch aus- gelöst werden müssen.

Auch nicht ohne: Air Racing (Luftrennen) mit Sportflugzeugen

Vertikal


Eisklettern: Den Kick beim Eisklettern macht vor allem die Unberechenbarkeit von Eis aus. Gefrorene Wasserfälle verändern sich permanent. Haltbarkeit, Trittsicherheit und Stabilität sind nie, was sie scheinen, Top-Ausrüstung mit Steigeisen, Eisschrauben, Helm und Pickel ist ein Muss. Nur erfahrene Alpinisten sind für diesen Kick geeignet.

Bungee Jumping: Das Bild ist bekannt: Menschen stehen auf einer hohen Brücke, einem Turm oder einem Kran, um die Fesseln ein Gummiseil gebunden, springen kopfüber und meist kreischend in die Tiefe, tauchen manchmal mit Kopf und Oberkörper in darunter liegende Gewässer ein und werden vom Gummiseil ausgependelt. Erste Expe- rimente gab es in den 1970er-Jahren in den USA, in Europa machte sich der deutsche Stuntman Jochen Schweizer einen Namen – ja, der mit den Abenteuerurlauben.

Vertical Running oder House Running: Die Teilnehmer werden mit Spezialgurten ausgestattet und laufen mit dem Blick nach unten senkrechte Hauswände hinunter. Eine Abwandlung ist Sky Running, bei dem Felswände die Haus- mauern ersetzen.

Freiklettern oder Free Climbing: Dabei verzichten die Kletterer auf künstliche Hilfsmittel – nur Hände und Füße sind zur Fortbewegung erlaubt. Bouldern, sächsisches Freiklettern und Freiklettern im Rahmen des alpinen Klet- terns zählen dazu. Dieser Sport ist uralt, aber er hat an Extremität nichts verloren. Beim Free-Soloklettern dürfen nicht einmal Seile und Haken verwendet werden.

Cliff Diving: Den Sport gibt es schon lange – Acapulco gilt nach wie vor als Mekka der Cliff Diver. Die Sprunghöhe liegt bei zehn bis 30 Metern. Abgesehen von einer guten Sprungtechnik, die die Wasseroberfläche nicht wie Beton anfühlen lässt, ist es hier wichtig, Untiefen und andere Hindernisse zu kennen – auch wenn sie noch so winzig sind. Ohne Turmspringererfahrung keine gute Idee.

Freeride/Extremskifahren: Strenggenommen ist Freeriding nichts anderes als Off-piste-Fahren/Variantenfah- ren/Fahren im freien Gelände. Typische Freerider schenken sich nichts. Mit Snowboard oder Skiern geht es teilwei- se im Sprung über Felsen und fast senkrecht in die Tiefe – nach dem Motto „Jetzt nur keinen Fehler machen“. Nichts für schwache Nerven.

Speed


Parkour: Eingefleischte „Traceurs“ halten nichts von Hindernissen wie Brücken, Treppen, Wänden oder Flüssen. Sie überwinden alles mit einem Sprung, am besten im „Flow“. Sich von einem Ort zum anderen fortzubewegen, in fließenden, aber immer extremen Bewegungen, vorzugsweise in Städten – das ist Parkour, das selbst in Schulen in gemäßigter Form praktiziert wird. Hotspot: französische Großstädte.

Downhill Biken: Bikeparks sind für Anfänger, das wahre Abenteuer wartet in der freien Natur. Downhill Biker brau- chen nicht nur die Anstrengung als Kick, sondern vor allem den Speed, die Gefahr, die (Un-)Möglichkeit, engste Kurven und steilste Abhänge per Rad zu nehmen. Wenig erstaunlich liegt die Hauptgefahr in Stürzen, die die ganze Palette von Kopf- bis Fußverletzungen bereithalten. Hotspot: Leogang.

Volcano Boarding: In Nicaragua sausen Adrenalin-Junkies mit bis zu 80 km/h die Hänge des Cerro Negro, eines relativ jungen Vulkans, hinunter. Stürze sorgen garantiert für üble Schnittwunden, aber sogar Anfänger dürfen es wagen.

Train Surfing: Diese „Sportart“ ist grundsätzlich illegal, und zwar überall. Train Surfer klammern sich außen an ei- nen Zug, eine U-Bahn oder Ähnliches und nutzen dafür mitunter Vakuumpumpen. Stromkreise, nachlassende Kräfte und andere „Hindernisse“ haben schon vielen das Leben gekostet.

Longboarding: Beim Longboarding – oft auch Speedboarding genannt – wird auf einem langen Skateboard ohne Kicktail eine möglichst steile Straße bergab gefahren. Da kann selbst ein kleines Steinchen schon bedeuten, dass es eng wird, denn Stürze haben naturgemäß fatale Folgen.

Auch nicht von schlechten Eltern: Offroad-Quad, Fatbike, Race Car, Speedboat.