Gastkommentar

Foto: Franz Morgenbesser

Constance Schlegl, MPH

Mitglied des Präsidiums von Physio Austria

Die Physiotherapie als Partnerin in der Primärversorgung

Die weitere Umsetzung und Weiterentwicklung der Primärversorgung ist ein zentrales Ziel der aktuellen Gesundheitspo- litik. Ziel von Physio Austria ist es, das Modell der Primärversorgung, wie auch in anderen Ländern, zum Erfolgsmodell zu machen. Eine gute Zusammenarbeit und das Wissen um Kompetenzen im Primärversorgungsteam sind dabei we- sentliche Erfolgsfaktoren, um Ressourcen zu bündeln, den Qualitätsansprüchen hinsichtlich Patientenorientierung, Wirksamkeit und Effizienz gerecht zu werden und damit die Versorgung der Patienten im Rahmen von Primärversor- gungseinheiten optimal zu gestalten.

Gerade in einer modernen Primärversorgung kann die multiprofessionelle Zusammenarbeit gut gelebt werden. Physio- therapeuten sind Experten für den Bewegungsapparat. Ziel der Physiotherapie ist die Förderung, Entwicklung, Erhal- tung und Wiedererlangung der physiologisch bestmöglichen Funktionsfähigkeit der Patienten und Klienten. Die Beglei- tung basiert auf den Ebenen Funktion, Aktivität und Partizipation unter Einbeziehung der Wechselwirkungen zwischen Bewegungs- und Organsystem.

Auf diese Kompetenz sollte auch vermehrt im Rahmen von Screenings und Assessments gebaut werden. Screenings stellen ein gutes Instrument dar, um Risikofaktoren herauszufiltern und zu sehen, in welche Richtung die erste Kanali- sierung erfolgen sollte, d. h. auch in Richtung welcher Profession. Dabei ist das Screening nicht als Ersatz zur ärztli- chen Diagnose, sondern vielmehr als ein wesentlicher Bestandteil des multiprofessionellen Behandlungsprozesses zu sehen. Beispielhaft sei hier die multimodale Schmerztherapie genannt, bei welcher immer drei Professionen – Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten – die Patienten begutachten und je nach erforderlichem Schwerpunkt der weiteren Behandlung die Fallführerschaft entschieden wird. Es wäre wünschenswert, dass Physiotherapeuten entsprechend ih- rer Fähigkeiten auch in der Fallführerschaft im multiprofessionellen Team eingesetzt werden, um den Patienten zeitna- he die erforderliche Behandlung zuteilwerden zu lassen. Dies kann auch zu einer Entlastung von Ärzten und in diesem Kontext zu einer Fokussierung auf die Kernkompetenzen der jeweiligen Berufsgruppe im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung führen.