Lifestyle/Reise | Ungewöhnliche Ziele

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Viele Reiseveranstalter geben ihren Reisen ein Motto. Wer das Gefühl hat, schon „alles“ gesehen zu haben, dem garantieren diese Trips neue Spannung

Reise lieber ungewöhnlich

Trotz der Konkurrenz durch das Internet scheint die Zahl findiger Reiseveranstalter immer noch anzuwachsen. Kein Wunder – die An- forderungen der Reisenden werden auch laufend komplexer und extravaganter. Highlights der Toskana? Paris, die Stadt der Liebe? Baden und Safari in Tansania? Alles schon gehabt. Wer allerdings nach seiner Rückkehr von Gorillas im Nebel, dem Polarlicht auf den Färöer Inseln oder Clamping – der glamourösen, gediegenen Form des Campens – im australischen Outback erzählen kann, der wird selten zu hören bekommen, dass sein Gegenüber „das alles schon kennt“.


Into the Wild

„Spezialreisen“ nennen sich die Abenteuer, die unter einem bestimmten Motto stehen. So bieten etwa Reiseveranstalter, die auf nördli- che Breiten spezialisiert sind, neuerdings besondere Highlights an: Die Hurtigruten waren gestern, heute fährt der hippe Traveller nach Tromsø in Norwegen und frönt bei Eiseskälte dem Schauspiel des Polarlichts. Selbst Foto-Workshops rund um die Aurora borealis sind buchbar und erfreuen sich als „etwas, das man irgendwann gesehen haben muss“, größter Beliebtheit. Im Norden punkten derzeit üb- rigens auch Weekend-Trips nach Reykjavik inklusive Whale Watching, Gletschern und Geysiren, Aufenthalte im finnischen Eishotel, Hundeschlittentrips nach Lappland und Expeditionen in Grönland.

Nicht jeder Abenteurer möchte in die Kälte reisen, auch wenn sie derzeit richtig populär ist. Klassische Safaris haben ihre Faszination nach wie vor nicht verloren, doch heute gehen Reisende auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen auf die Suche nach Berggorillas in Uganda oder belegen einen Ranger-Kurs im Krüger Nationalpark inklusive Fährtenlesen und Orientierung im Busch. Im Westen Kana- das kann man sich – wer das tatsächlich möchte – Auge in  Auge mit einem Grizzly wiederfinden, wenn die Wildnis in Kleingruppen samt Campingausrüstung erkundet wird. Tiere stehen auch bei Helikoptersafaris in Ostafrika oder bei einer Walhaisafari in Mozambi- que auf dem Programm. Die letzte „echte“ Wildnis bleibt auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen ein Magnet.


Von Hardrock bis Oper

Manchmal drehen sich ungewöhnliche Reisen allerdings nicht so sehr um den Ort des Geschehens, sondern eher um das, was dort geboten wird. Neben traditionellen Festivitäten rund um den Globus – abgesehen von Karneval in Venedig oder Holi-Fest in Indien – buchen etwa Musikliebhaber schon Monate im Voraus Reisepakete für ihre absoluten Jahres-Highlights: Open Air Festivals wie Splash!, Melt! oder Hurricane samt Anreise und Hotel dazu. Klassikfans können mit Arrangements für die Mailänder Scala oder das Teatro la Fenice in Venedig kaum mehr jemanden beeindrucken – da muss es schon eher das Teatro Amazonas mitten im brasiliani- schen Urwald sein. Für echte Fans wird auch das größte Country Festival der Welt in Nashville, Tennesse, zum Ziel, oder das Skye Ac- cordeon and Fiddle Festival auf den schottischen Hebriden. Hier geht es ganz sicher nicht darum, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes abgeklappert zu haben, sondern einzelne Events sind zentrales Thema und Ziel der Reise.


Auf der Suche

Für manche Urlauber muss Urlaub wirklich viel können, nämlich die totale Erholung, Meditation und Ausgleich für das Innerste oder sich selbst zu finden. Chancen darauf gibt es quasi vor der Haustüre im Rahmen von Klosterreisen beispielsweise in Pernegg oder Heiligenkreuz. Das ringt den Zuhörern des Reiseberichts sicher Respekt ab, aber beeindruckt sind sie wohl eher von einem Aufenthalt im Augustinerkloster auf der Mittelmeerinsel Gozo, in den Meteora-Klöstern oder am Berg Athos in Griechenland. Im indischen Ashram beim Seminar „Happiness and art of silence“ werden ähnliche Ziele verfolgt wie auf einer Kanufahrt mit einem Maori in Neuseeland – auch Einsamkeit kann überall auf der Welt zelebriert werden.

Eher langsam und entspannt reist es sich auch mit einem alten VW Bulli durch Cornwall, mit einem Hausboot auf allen möglichen und unmöglichen schiffbaren Gewässern oder per Fahrrad rund um die Welt – Hauptsache langsam, entspannt und nicht im Rudel durch- getakteter Touristengruppen.

Hobby- und Extremsportler auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen begeben sich gerne in kalkulierbare und grenzwertige Gefah- ren: auf eine Expedition zum Südpol, beim Klettern in kalifornischen Nationalparks, zu Pferde in Argentinien oder beim Fliegen in einem Kampfjet. Hauptsache nicht ganz das Übliche! Vielreisende setzen jedenfalls immer öfter auf Ziele „off the beaten track“ – auf abgele- genen Wegen –, wie es so schön heißt. Neben viel Abenteuer können diese Trips jedenfalls für neuen Gesprächsstoff sorgen, da doch in unserer digitalisierten Welt jedes sehenswerte Fleckchen längst jedermann bekannt zu sein scheint und per Webcam von überall „erkundet“ werden kann. Schließlich sind der Vielfalt der Themen glücklicherweise keine Grenzen gesetzt, denn da wären ja noch au- ßergewöhnliche kulinarische Genüsse, Fotoworkshops mit Profis, Sprachreisen abseits der gängigen Schulsprachen, besondere Ho- tels wie Baumhäuser, Leuchttürme, Eishotels oder Tipis und noch viel mehr.bw  ■