GEORG-Vorstand: v.l. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MSc, MBA (Univ.-Klinik für PM&R, MUW), Prim. Dr. Marco Hassler (Der Sonnberghof, Bad Sauerbrunn), Prim. Dr. Bru- no Mähr (Therapiezentrum Rosalienhof, Bad Tatzmannsdorf), Dr. Mohammad Keilani, MSc (Univ.-Klinik für PM&R, MUW), Prim. Univ.-Prof. Dr. Thomas Licht (Onkologische Rehabilitation, St. Veit im Pongau)Foto: Oreste Schaller

REHABILITATION | Kongressbericht

Onkologische Rehabilitation:

Qualität verbessert

Praktische Aspekte und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema „Onkologische Rehabilitation“ standen im Mittelpunkt des 2. Kongresses der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen.

Die Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (GEORG) will die Themen onkologische Rehabilitation sowie Nebenwirkungsmanagement und supportive Therapien in Wissenschaft, klinischer Praxis und Lehre forcieren – und zwar im interdisziplinären und multiprofessionellen Setting. Rund 150 Teilnehmer zählte der nun bereits zum zweiten Mal abgehaltene GEORG-Kongress unter dem Motto „OnkoReha interdisziplinär & multi- professionell 2017“. Dabei wurden praktische Aspekte und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema „Onkologische Rehabilitation“ präsentiert. „Die Maßnahme Onkologische Rehabilitation ist effektiv und sie ermög- licht eine Verbesserung des funktionellen Status, der Lebensqualität und der Partizipation. Die stationäre Rehabili- tation ist in Österreich bereits etabliert, die ambulante Rehabilitation im Aufbau. Wesentliche Zukunftsthemen sind Adherence sowie Arbeitsfähigkeit und ‚return to work‘. Die onkologische Rehabilitation setzt direkt bei individuellen Defiziten und Ressourcen unserer Patientinnen und Patienten an“, so Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der MedUni Wien und GEORG-Vereinspräsident.


Qualität von Reha und Therapie gestiegen

Gelebte Interdisziplinarität und Multiprofessionalität sind wichtige Themen und standen im Vordergrund der Veran- staltung, die Teil des Fortbildungsprogrammes der Ärztekammer ist. „Angesichts immer besser werdender Thera- pieoptionen und der immer längeren Lebensdauer von Patienten mit auch fortgeschrittenen Tumoren spielt eine Re- habilitation nach Eingriffen, unerwarteten Komplikationen oder auch nach bestimmten Therapieformen eine immer größere Rolle, die in das Gesamtkonzept der Patientenversorgung immer mehr wertvollen Eingang findet“, so Univ.- Prof. DDr. Christoph Zielinski, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MedUni Wien.


Patientenfokus: „return to work“

Heuer standen besonders Betroffene und deren individuelle Bedürfnisse im Fokus. Vor diesem Hintergrund bildete die Rückkehr ins Berufsleben insbesondere bei jungen Menschen mit Krebs einen Schwerpunkt. Auch Erwachse- ne, die als Kinder und Jugendliche eine Krebserkrankung hatten, wurden stärker in den Mittelpunkt gerückt. Zu- dem wurden die Entwicklungen in und mit einzelnen Reha-Zentren beleuchtet. Am onkologischen Reha-Zentrum in St. Veit im Pongau etwa werden Therapieerfolge mittels eines Online-Systems erfasst. Gezielte Vorträge zu den ein- zelnen Interventionen wie Sport- und Trainingstherapie werden das Programm ergänzen. „Krebspatienten wurden vor 20 Jahren noch angehalten, sich zu schonen und auf übermäßige körperliche Bewegung zu verzichten. In den vergangenen Jahren hat hier ein regelrechter Paradigmenwechsel stattgefunden. Betroffene sollen sich – allerdings fachärztlich beraten und supervidiert – bewegen, gerade auch bei schweren Erkrankungen. Die Patienten verbes- sern durch körperliches Training ihr allgemeines Wohlbefinden, ihre Leistungsfähigkeit und minimieren ihre Schmer- zen. Viele Krebspatienten sollten bereits ab der Diagnose – nach Rücksprache mit dem onkologisch tätigen Fach- arzt – mit von uns supervidiertem körperlichem Training beginnen. Ein gekräftigter Organismus scheint Krebsbe- handlungen in vielen Fällen besser als ein geschwächter zu vertragen. In einigen Fällen scheint es laut der aktuel- len wissenschaftlichen Datenlage sogar den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen zu können“, rät Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Univ.-Klinik für Chirurgie, MedUni Wien.