REHABILITATION | Onkologie

Rehabilitation nach Krebs

FotoS: der sonnberghof/Vamed, Bartl

Eine Krebserkrankung stellt für Betroffene einen massiven Einschnitt in das bisherige Leben dar, der Veränderungen in nahezu allen Lebensbereichen mit sich bringt, so sind körperliche wie psychische und soziale Folgen zu beachten.

Nach Abschluss der primären Krebsbehandlung (Operation, Chemo- oder Strahlentherapie) haben Patienten die Möglich- keit, eine onkologische Rehabilitation in Anspruch zu nehmen. Sie umfasst in der Regel ein dreiwöchiges stationäres – je- weils auf die individuelle Situation des Patienten abgestimmtes – oder länger dauerndes ambulantes Rehabilitationspro- gramm. Voraussetzung für die Teilnahme ist jedenfalls eine ausreichende Mobilität sowie Selbstständigkeit des Patienten.

Die onkologische Rehabilitation orientiert sich am sogenannten „biopsychosozialen Krankheitsmodell“: Sie erfasst den Pa- tienten als körperlich-seelisches Wesen in seiner ökosozialen Lebenswelt. Für die Krebsbehandlung selbst, aber auch die Zeit danach, bedeutet dies, dass die Lebensqualität eines Menschen nicht ausschließlich von seiner körperlichen Gesund- heit, sondern auch stark von seinem psychischen und sozialen Wohlergehen abhängt.


Ziele einer onkologischen Rehabilitation

Die primäre Aufgabe der onkologischen Rehabilitation ist die Unterstützung des Menschen bei der Rückkehr in den priva- ten, gesellschaftlichen und beruflichen Alltag. Ziel der ganzheitlichen Rehabilitationsmaßnahmen ist eine allgemeine Ver- besserung der Lebensqualität. Bei Personen, die als geheilt gelten, bedeutet dies eine nachhaltige Genesung, bei ande- ren Patienten wiederum einen möglichst souveränen und beschwerdearmen Umgang mit einer chronischen Krebserkran- kung.

Die onkologische Rehabilitation basiert auf einem Drei-Säulen-Konzept:

1.Körperliches Training

Regelmäßige körperliche Betätigung kann die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Erkrankung verringern. Bei den häufigsten Krebserkrankungen von Brust, Prostata und Darm beispielsweise kann mit regelmäßigem Training von etwa drei Stunden pro Woche die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Erkrankung signifikant gesenkt werden.

Häufige Spätfolge einer Krebserkrankung ist die sogenannte „Fatigue“, ein Zustand ausgeprägter Müdigkeit und Erschöp- fung. Sie resultiert aus der Erkrankung selbst, aber auch aus ihrer Behandlung und tritt oft noch Monate und Jahre nach der Genesung auf. Körperliches Training vermindert Fatigue und verbessert dadurch erheblich die Lebensqualität. Ähnli- ches gilt für Depressionen und Schlafstörungen. Selbst körperliche Symptome wie Gelenksschmerzen und Inkontinenz können durch regelmäßiges Training deutlich reduziert werden.

2.Psychoonkologische Betreuung

Die Diagnose Krebs erschüttert Betroffene in ihren Grundfesten: Oftmals geht im Laufe der Krankheitsgeschichte das eige- ne Urvertrauen, das Leben bewältigen zu können, verloren. Die psychoonkologische Betreuung kann helfen, den Blick nach vorne zu richten, wieder aktiv und selbstbestimmt zu werden, die Resilienz zu stärken.

Bis zu einem Viertel der Patienten leidet nach der Diagnose Krebs unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ins- besondere die Angst vor einer nahenden und möglichen Verschlechterung oder vor dem Rückfall der Erkrankung bedeu- tet für viele Betroffene eine immense psychische Belastung. Schwerpunkte einer psychoonkologischen Betreuung sind das Erlernen von Strategien im Umgang mit Stress, Angst, Depression und Schlaflosigkeit, ebenso wie die Bewältigung ei- ner veränderten Sexualität, die naturgemäß Auswirkungen auf die Beziehung hat. Patientenbefragungen haben ergeben, dass sie nach dem Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik deutlich optimistischer in die Zukunft blicken.

3.Schulung und Beratung

Fixer Bestandteil des onkologischen Gesamtkonzeptes ist auch eine umfassende Beratung zu medizinischen und allge- meinen Themen. Informierten Patienten geht es besser und sie sind grundsätzlich motivierter, den begonnenen Weg – auch nach Abschluss der Rehabilitation – einzuhalten. Ein gesunder Lebensstil kann maßgeblich dazu beitragen, die sub- jektive Lebensqualität zu verbessern. So können, wie besprochen, die regelmäßige körperliche Betätigung und eine Ernäh- rungsberatung im Sinne eines Coachings helfen, das Wiedererkrankungsrisiko zu reduzieren.


Interdisziplinäres Team

In der onkologischen Rehabilitation arbeiten verschiedene Berufsgruppen intensiv zusammen. Sie sind eng vernetzt und erarbeiten gemeinsam mit dem Rehabilitanden ein individuell abgestimmtes Konzept im Sinne einer ganzheitlichen und nachhaltigen Rehabilitation. Folgende Spezialisten sind mit der Betreuung onkologischer Patienten befasst: Onkologen, In- ternisten und Allgemeinmediziner, Psychologen und Psychoonkologen, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Ergothera- peuten, Sportwissenschafter, Diätologen, Diplomkrankenpfleger und Sozialarbeiter.

Um das Wohlbefinden der Patienten auch in der räumlichen Umgebung zu stärken, werden so genannte „Healing Environ- ments“ geschaffen: Räume, die gezielt therapeutisch, aktivierend und stressreduzierend gestaltet sind. Mit der bewussten Nutzung von Materialien, Licht- und Einrichtungselementen kann der positive Effekt der Rehabilitationsmaßnahmen noch verstärkt werden. Stressfaktoren eines konventionellen klinischen Umfelds werden so deutlich reduziert.

Angebot an Maßnahmen

Je nach Bedarf werden unterschiedliche Rehabilitationsmaßnahmen angeboten, wobei die Therapieziele gemeinsam mit jedem einzelnen Patienten erarbeitet werden. Bei der Planung der Therapien sind gewisse Vorgaben der jeweiligen Sozial- versicherung zu beachten, die garantieren, dass der Leistungsumfang für die Rehabilitanden in verschiedenen Einrichtun- gen ähnlich ist. Bewährt haben sich Einzel- oder Gruppentherapien in einem zeitlichen Umfang bis zu drei Stunden pro Tag: Klinische und Gesundheitspsychologie, Schmerzbehandlung, Psychoonkologie, Heilgymnastik, Ausdauertraining, Er- nährungsberatung, Sozialberatung, Physikalische Therapien, Heilmassage oder Manuelle Lymphdrainage.


Nachsorge

Eine stationäre onkologische Rehabilitation erzielt wissenschaftlich nachgewiesene körperliche und seelische Verbesse- rungen der Lebensqualität. Die positiven Effekte sind nachhaltig, lassen aber mit der Zeit wieder nach: Studien zufolge hal- ten sie bis zu einem Jahr an. Aus diesem Grund werden nach Abschluss einer stationären Rehabilitation ambulante Maß- nahmen zur Fortführung der erlernten Methoden empfohlen. Ziel ist, das Gelernte langfristig in den Alltag übertragen zu können.


Ambulante Rehabilitation

Eine ambulante onkologische Rehabilitation richtet sich an Patienten, für die es nicht oder nur schwer möglich ist, einen stationären Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum in Anspruch zu nehmen. Sie stellt insbesondere für Personen, die bereits wieder im Erwerbsleben stehen, eine praktikable Alternative dar. Die Therapien werden möglichst gut der aktuellen Lebenssituation angepasst und dauern rund sechs Wochen, wobei die einzelnen Therapieeinheiten an zwei bis drei Tagen pro Woche absolviert werden. Den Rest der Zeit verbringen die Patienten zuhause in ihrer gewohnten Umgebung.