REHABILITATION | Qualität

Qualität in der beruflichen Rehabilitation

Am 10. qualityaustria Gesundheitsforum standen einmal mehr die vielfältigen Umbrüche im Gesundheitswesen im Vordergrund. Der Veränderungsdruck ist hoch und die Komplexität nimmt zu, doch Qualität darf nicht auf der Strecke bleiben. Dr. Bruno Mähr, Ärztlicher Leiter im BVA Therapiezentrum Rosalienhof, nahm in diesem Zusammenhang die Qualität der beruflichen Rehabilitation unter die Lupe.

Gibt es in Österreich ausrei- chende Kapazitäten für die on- kologische Rehabilitation?

Vom stationären Sektor her sind wir mit den rund 500 Betten aus- reichend versorgt. Völliges Brachland ist aber der ambulan- te Bereich, der jedoch in abseh- barer Zeit rasch wachsen wird. Es gibt derzeit einzelne Pilotpro- jekte im Bereich Kardiologie, Neurologie und Onkologie, die es aber weiter auszubauen gilt. Ein wichtiges Kriterium sind Wirk- samkeit und Effizienz.


Welche Qualitätsmanagement- systeme haben sich als praxis- orientiert erwiesen?

Unser Haus ist als erste onkologi- sche Reha-Einrichtung in Öster- reich nach der DIN EN 15224 als branchenspezifische Norm für das Qualitätsmanagement (QM) im Gesundheitswesen zertifiziert. Sie basiert auf der DIN EN ISO 9001:2008 und übersetzt diese für die spezifischen QM-Anforde- rungen an die Gesundheitsver- sorgung. Dabei wurden elf Quali- tätsmerkmale ergänzt, die Punkte Risiko- und Wissensmanagement hinzugefügt sowie Unklarheiten zur „Produktrealisierung“ klarge- stellt. Im Gegensatz zu anderen QM-Systemen wie JCI, Joint Commission International, oder KTQ, Kooperation für Transpa- renz und Qualität im Gesund- heitswesen, ist der Aufwand in einem vernünftigen Rahmen. Ich gehe davon aus, dass sich hier noch viel entwickeln wird, denn Themen wie klinisches Risikoma- nagement oder Legal Complian- ce werden über kurz oder lang auch mit dem Qualitätsthema verschmelzen.

Ist ein Qualitätsmanagement- system aber nicht trotzdem ein großer Aufwand?

In Deutschland bekommen die Einrichtungen keine Verträge mehr mit den Sozialversicherun- gen, wenn sie keine Zertifizierun- gen aufweisen. So weit sind wir noch nicht, aber eine Form der Qualitätstransparenz wird kom- men, die Faktoren wie Patienten- zentriertheit, kontinuierliche Qua- lität der Versorgung und den Ver- besserungsgedanken abbildet. Es macht einfach einen Unter- schied, ob man einfach nur Fra- gebögen abhakt oder Kriterien festlegt, die dann auch einer Überprüfung standhalten müs- sen. Der Einstieg ist ein Aufwand, ja, aber dann muss es in kleinen Schritten gehen und wenn das System lebt, dann sind Verbesse- rungen keine große Sache.


Haben Patienten überhaupt die Wahl?


Grundsätzlich kommen Patienten

auf das nächste verfügbare Bett. Anstaltseigene Einrichtungen werden immer bevorzugt, aber wenn es Wünsche gibt und die berücksichtigt werden können, dann kann die Qualität schon ein Kriterium werden. Wettbewerb und Transparenz sind im Ge- sundheitswesen nicht aufzuhal- ten, ein Benchmarking wird kom- men, das wird auch die Reha- Einrichtungen treffen.


Wo liegen die künftigen Her- ausforderungen in der berufli- chen Rehabilitation?

Der Settingwechsel vollzieht sich bereits – weg von der stationären hin zur ambulanten Reha oder zu Mischformen. Es wird mehr Inter- vallbehandlungen geben. Wir ha- ben große Fallzahlen und eine enge Zeitschiene.

Daher müssen wir die schnelle Aufnahme sicherstellen, gleich- zeitig Überkapazitäten vermei- den. Versicherte sollen alle gleich behandelt werden, aber es gilt, Probleme individuell zu berück- sichtigen. Wir werden berufliche Beratungskonzepte ausbauen und flexiblere Angebote erarbei- ten müssen. Die Nachsorge be- darf der Weiterentwicklung und die Strukturen für den Zugang zur Rehabilitation müssen ver- bessert werden. Aus Patienten- sicht müssen wir bestmögliche evidenzbasierte Therapien anbie- ten und ausreichend Plätze zur Verfügung stellen. rh


„Versicherte sollen alle gleich behandelt

werden, aber es gilt, Probleme individuell

zu berücksichtigen.“


Dr. Bruno Mähr, Ärztlicher Leiter im BVA Therapiezentrum

Rosalienhof