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Forschung für

psychische Gesundheit

Mit einem neuen Format, dem „Ideas Lab“ zur Zusammenstellung der

Forschungsgruppen und Definition der Forschungsinhalte, geht das Ludwig

Boltzmann Institut neue Wege.

Internationalen Zahlen zufolge haben drei Viertel aller psychischen Erkrankungen ihren Ursprung in der Kindheit oder Jugend eines Menschen, aber nur drei von zehn betroffenen Kindern oder Jugendlichen bekommen die Unterstützung, die sie brauchen. Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft hat in einem Crowdsourcing-Prozess, „Re- den Sie mit!“, Betroffene und Angehörige befragt, welche Herausforderungen sie im Zusammenhang mit psychi- schen Erkrankungen bei jungen Menschen sehen. Mit Experten wurde herausgefunden, dass psychisch kranke Kinder und Jugendliche in der Forschung unterrepräsentiert sind. Das war die Motivation für die Ludwig Boltz- mann Gesellschaft, ein Forschungsprogramm zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu initiieren. Schon bei der Ermittlung des Forschungsthemas wurden Open-Innovation-Methoden eingesetzt und auch beim nächsten Schritt, der Zusammenstellung der Forschungsgruppen und der genauen Definition der Forschungsinhalte im Rahmen eines „Ideas Lab“, kommen passende Methoden aus dem Repertoire von Open Innovation zum Zug. Das Forschungsprogramm selbst wird sich dadurch auszeichnen, dass Wissenschaftler aus sehr verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten und laufend Betroffene einbezogen werden.

Open Innovation in Science Initiative (OIS Initiative)


Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft startete 2012 eine Initiative zum Thema Open Innova- tion in Science, die laufend an Bedeutung gewinnt. Zwei Pilotprojekte sind inzwischen er- folgreich realisiert: Das Crowdsourcing Projekt „Reden Sie mit!“, bei dem neue For- schungsfragen zum Thema psychische Gesundheit generiert wurden, und LOIS (Lab for Open Innovation in Science), ein Training für WissenschaftlerInnen, wie Open Innovation Methoden in der Wissenschaft eingesetzt werden können. Als Angelpunkt für die OIS In- itiative wurde das „Open Innovation in Science Research and Competence Center“ (OIS Center) gegründet. Gerade läuft das Forschungsprogramm „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ mit der Auswahl der Forschungsgruppen im Format eines Ideas Lab an.

www.openinnovationinscience.at

Mischung verschiedener Disziplinen

Für das Ideas Lab haben sich im März 136 Wissenschaftler beworben, von denen die Mentoren, die auch das Ideas Lab begleiten werden, jetzt 30 Wissenschaftler für die Teilnahme am Ideas Lab ausgewählt haben. Drei Kriterien waren dafür ausschlaggebend: der wissenschaftliche Hintergrund, die Fähigkeit zur Innovation und Teamfähigkeit, auch außerhalb der Wissenschaft. Außerdem achtete man bei der Zusammensetzung der Ideas- Lab-Teilnehmer darauf, dass die Mischung aus Kerndisziplinen wie Psychologie und Psychiatrie und entfernten Disziplinen wie Kunst und Wirtschaftswissenschaften vertreten war.

Im Ideas Lab Ende Mai trafen sich 30 Wissenschaftler aus elf Disziplinen und 15 Ländern in einem fünftägigen Workshop und haben das gemeinsame Ziel, die Forschungsinhalte für das neue Forschungsprogramm erarbei- tet. Sie wurden von sieben internationalen Mentoren unter der Leitung von Prof. Torleif Ruud von der Universität Oslo begleitet, die mit den Wissenschaftler thematisch arbeiten, Diskussionen schärfen und Impulse geben. Das Thema „Psychische Gesundheit von Kindern mit psychisch kranken Eltern“ ist vorgegeben, rund um die er- mittelten Herausforderungen wurde das Forschungsprogramm definiert: die Entwicklung von Therapien speziell für Kinder, die Früherkennung von Symptomen bei Kindern, der Einfluss von Medienkonsum auf die psychische Gesundheit von Kindern, die Identifikation von Biomarkern, die Entstigmatisierung sowie Strukturen für die Un- terstützung von Betroffenen.

Aufgabe der Wissenschaftler war es, die wichtigsten Herausforderungen an die Forschung zu identifizieren, eine gemeinsame Sprache zwischen den Disziplinen sowie Ideen jenseits des gewohnten Rahmens zu entwi- ckeln. Zusätzlich zu den Mentoren waren Betroffene eingeladen, die die Gruppe begleiten und direkt Rückmel- dung zu den Diskussionen gaben. Eine Schauspielerin sowie eine Fotoausstellung zum Thema Schizophrenie gaben zusätzliche Impulse. Aus dem Ideas Lab wurden die Leiter für die zukünftigen Forschungsgruppen, die an Universitäten angesiedelt sein werden, rekrutiert.


www.ideaslab.lbg.ac.at,

www.openinnovationinscience.at,

www.lbg.ac.atText.


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