THEMA | Kommunikation

Psychische Gesundheit:

Jetzt auch im Kino

Können Stigmata und Entertainment zusammengehen? Ja, ist der Verein ganznormal.at überzeugt und zeigt das Ergebnis: eine Serie von Kino- und Onlinespots, die unter dem Motto „Red’ ma drüber!“ über das Tabuthema psychische Erkrankungen aufklären wollen.

Schauspielerin Adele Neuhauser, Schauspieler Thomas Stipsits, Fußballtrainer Frenkie Schinkels und Kabarettist Werner Brix wenden sich mit ihren sehr persönlichen Geschichten an Betroffene, Angehörige von Betroffenen, aber auch an allgemein am Thema Interessierte mit der Botschaft, dass die Behandlung von psychischen Erkrankungen hilft und so normal sein sollte wie die Be- handlung einer somatischen Erkrankung. Denn: Psychische Erkrankungen verlaufen nach den gleichen Kriterien wie körperliche Erkrankungen. Die bekannten Testimonials zeigen, dass ein of- fensiver Umgang mit dem eigenen Schicksal dazu beitragen kann, Faktoren aufzulösen, die in der Gesellschaft Angst, Ausgrenzung, Unwissenheit und Ignoranz gegenüber Menschen mit psychi- schen Erkrankungen verursachen. Diese Reduzierung von Ängsten auf beiden Seiten soll einer- seits dazu führen, dass bei Betroffenen damit die frühzeitige Inanspruchnahme von professioneller Hilfe gefördert wird und dass andererseits das soziale Umfeld durch Wissensvermittlung offener, vorbehaltloser und ganz normal mit psychisch erkrankten Menschen umzugehen lernt. Dies wie- derum führt zu einer Verbesserung des sozialen Klimas, zu Toleranz, Teilhabe und letztendlich zur Gleichstellung von psychischen und physischen Erkrankungen, denn: Psychische Erkrankungen sind so normal wie ein Gipsfuß oder eine Grippe, nur heilen sie meist nicht so schnell.


Niederschwellige Information

„Der Name ist Programm, denn wir sind der Meinung, dass es ganz normal ist, darüber zu reden“, sagt Christian Deutsch, Vorstandsvorsitzender des Vereins ganznormal.at. Der Verein wurde 2011 gegrün- det und hat den Zweck, die öffentliche Diskussion über seelische Gesundheit zu fördern. Gleichzeitig wird mit der Kampagne auch die Gleichstellung von psychischen und physischen Erkrankungen the- matisiert. Obwohl laut Weltgesundheitsorganisation statistisch gesehen jeder Dritte davon ausgehen muss, im Lauf seines Lebens einmal psychisch zu erkranken, sind Stereotype über psychische Erkran- kungen in der Gesellschaft nach wie vor weit verbreitet. Zu psychisch erkrankten Menschen wird mit- unter Distanz hergestellt, über eigene seelische Erkrankungen nicht gesprochen.

Neben Kinospots und Kurzfassung für soziale Medien wurde eine Plakataktion gestartet und Inserate platziert. „Wir wollen niederschwellig an die Zielgruppe herankommen und die klare Botschaft sehr au- thentisch vermitteln. Die persönliche Betroffenheit von Künstlern oder Sportlern soll Mut machen, das Thema anzusprechen.“ Die Kampagne setzt dem Thema noch lange keinen Schlusspunkt, denn nach wie vor nimmt die Zahl der Betroffenen zu und die Dunkelziffer ist hoch. „Es wird zu wenig darüber ge- redet.“ Würden Menschen hingegen rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen, kann viel Leid von Betroffe- nen und deren Angehörigen abgewendet werden.

„Aufklärung muss mit den Mitteln der Zeit geschehen“, ist auch Dr. Georg Psota, Chefarzt des Psycho- sozialen Dienstes Wien und Präsident von pro mente Wien überzeugt. „Die Inhalte der Spots haben schlussendlich einen hohen Informationscharakter und weniger Unterhaltungswert, als man auf den ersten Blick vermuten würde“, ergänzt Psota und verweist auch auf das Alleinstellungsmerkmal der Spots: „Ich kenne nichts Vergleichbares bisher in Österreich, wo prominente Persönlichkeiten mit ih- rem Outing vorangehen. Diese Form der Darstellung spricht in hohem Maße die Emotionen an und er- reicht damit das Ziel.“