im Gespräch | Psychiatrie

Der Mensch im Mittelpunkt

Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, Institutsvorstand und Ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts, Vorstand des Instituts für Sozialästhetik und psychische Gesundheit an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, im Wordrap.

Foto: ZVG

Für das Medizinstudium habe ich mich entschieden, weil … ich immer schon Psychiater werden wollte.


Suchterkrankungen sind … hoch komplexe chronische Erkrankungen, die bei regelmäßiger Behandlung eine sehr gute Prognose aufweisen.


Unterschätzte Süchte sind … in Österreich leider noch immer die Nikotinsucht und die Alko- holsucht, aber auch Verhaltenssüchte wie Kauf- und Onlinesucht.


Die Österreicher sind beim … problematischen bzw. pathologischen Alkoholkonsum im Spit- zenfeld, weil hoch dosierte und regelmäßige Einnahme von alkoholischen Getränken noch im- mer bagatellisiert wird.


Das Orpheus-Programm ist … ein ressourcenorientiertes Behandlungsprogramm, das auf das Therapieziel autonomes und freudvolles Leben ausgerichtet ist.


Für eine unterschätzte Thematik im Bereich der Psychiatrie halte ich … vor allem die Dia- gnostik und langfristige Behandlung von Suchterkrankungen.


Psychotherapie, Psychiatrie und Pharmazie können … den an psychischen Krankheiten Lei- denden nachhaltig dabei helfen, wieder ein autonomes und freudvolles Leben selbst gestalten zu können.


Burn-out ist … ein heute nicht mehr wegzudiskutierendes Problem unserer Gesellschaft, ein Leiden, das zu schweren Erkrankungszuständen führen kann.


Was ich gerne in der medizinischen Ausbildung ändern würde, ist … eine Intensivierung und Erweiterung der Vermittlung von psychiatrischem Fachwissen.


Besonders wichtige Entwicklungen verspreche ich mir in den nächsten zehn Jahren von human-basierten medizinischen Ansätzen, die nicht Krankheitskonstrukte, sondern den lei- denden Menschen in den Mittelpunkt des Interesses stellen.


Österreichs Gesundheitspolitik bräuchte … neue Schwerpunktsetzungen vor allem in Rich- tung psychischer Gesundheit.


Für die Zukunft des Anton Proksch Instituts wünsche ich mir, … dass es weiterhin ein Ort der Innovation in Behandlung und Therapie sowie der Humanität bleibt. bw

Der in 1955 in Wien geborene Michael Musalek ist seit 1986 Facharzt für

Psychiatrie und Neurologie, seit 1993 Psychotherapeut, seit 1993 gerichtlich

beeideter Sachverständiger für Psychiatrie. 1990 erhielt er die Venia docendi für

das gesamte Gebiet der Psychiatrie. Seit 1997 ist Musalek außerordentlicher

Universitätsprofessor für Psychiatrie an der Medizinischen Universität Wien, seit 2001 Primarius im Anton Proksch Institut, seit 2004 Ärztlicher Direktor desselben. 2015 wurde er Vorstand des Instituts für Sozialästhetik und Psychische Gesund- heit der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Musalek war Gastprofessor an der University Belgrade, Clinic for Psychiatry CCS & School of Medicine. Er ist Mitglied des Executive Committee of the European Psychiatric Association (Se- cretary for Sections), Präsident der European Society for Aesthetics and Medici- ne, Mitglied des Committee for Education (EPA) und des Operational Committee on Education der World Psychiatric Association (WPA). Er war Mitglied des Obersten Sanitätsrates von 2008 bis 2015 sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie von 2007 bis 2011.

www.api.or.at