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„Gute Medikamente freuen den Forscher“

Wien etabliert sich zunehmend als Zentrum der medizinischen Biotechnologie, deren Pipeline mit rund 100 Projekten in der klinischen und präklinischen Forschung gut gefüllt ist.

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„Wollen exzellente Wissenschaftler ihre Spitzenleistungen aus der Forschung in ein Geschäftsmodell übertragen, kommt es neben der Fachexpertise auf ein erfahrenes Management-Team und natürlich auf ausreichende Finanzierung an.  Selten hat man als Gründer alle diese Faktoren auf einmal beisammen. Biotech-Start-ups erfordern deshalb vor allem Durchhaltevermögen. Durchhalten fällt leichter, wenn die Motivati- on stimmt, wenn es beispielsweise nicht nur um Geld, sondern in erster Linie um die Lösung eines wichtigen Menschheitsproblems geht“, sagt Dipl.-Ing. Dr. Gottfried Himmler, angothera und The Antibody Lab.

Himmler zeigte gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Christoph Aufricht, Zytoprotec GmbH und MedUni Wien, und Dipl.-Ing. Peter Halwachs von LISAvienna auf, wie unter- schiedlich die Wege vom exzellenten Wissenschaftler zum Unternehmer sein können. Nicht immer muss dabei im Zuge der Gründung eine Forscherkarriere an den Nagel gehängt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Akademia und Privatwirtschaft in Form von Spin-offs aus Forschungseinrichtungen biete vor allem den Vorteil einzigar- tiger Kooperationen. So entwickelt derzeit Christoph Aufricht PD-protec®, eine inno- vative Dialyse-Flüssigkeit, um die Behandlung von Patienten mit schwerem Nierenver- sagen grundlegend zu verbessern. „Gute Medikamente freuen den Forscher, das Un- ternehmen und den Patienten. Erfolge gelingen dann, wenn in Kooperation exzellente Wissenschaftler forschen und hervorragende Unternehmer die Geschäfte führen“, fasst Aufricht seinen Weg zusammen, der ihn vom Wissenschaftler zum Unternehmen und wieder zurück führte.

Wien etabliert sich zunehmend als Zentrum der medizinischen Biotechnologie, deren Pipeline mit rund 100 Projekten

(+23 % seit 2010) in der klinischen und präklinischen Forschung gut gefüllt ist – drei Viertel der klinischen Studien werden von Wiener Unternehmen durchgeführt. „Von der Grundlagen- bis zur angewandten Forschung haben wir viele Förderinstrumente in Österreich. Neu sind Unterstützungen der Stadt Wien, die den Personalaufwand zur Erfüllung regulatorischer Kriterien fördern“, nennt Halwachs einige wichtige Ent- wicklungen in der Förderlandschaft.

„Wirtschaft und Wissenschaft sind bedeutende Säulen der heimischen Volkswirt- schaft. Wir haben in Österreich eine gute Förderlandschaft. Was fehlt, ist eine Atmo- sphäre, in der Forschung, Entwicklung und Innovationen in politischen Entscheider- kreisen als Errungenschaft wahrgenommen werden“, ortet Pharmig.Generalsekretär Dr. Jan Oliver Huber Potenziale zur Verbesserung des Standortes. Ein prägendes Merkmal einer funktionierenden Life-Sciences-Branche ist ein hoher Grad an Vernet- zung zwischen Produzenten, Zulieferern und Dienstleistern.

„Die kleinteilige Biotech-Szene mit ihren recht jungen Unternehmen wächst seit 2010 stark. Vernetzung und synergetische Kooperationen spielen in diesem dynamischen Umfeld eine besonders wichtige Rolle, um exzellente Forscher, zukunftsweisende Projekte und langfristig stabile Unternehmen zu ermöglichen“, erklärt Karl Altenhuber, Mitinitiator der Pharmig Biotech-Plattform. Die Initiative soll dazu beitragen, For- schungsergebnisse in konkrete Geschäftsideen zu gießen und diese bis zur Grün- dung eines Unternehmens voranzutreiben.rh