Medizin:  | Pneumologie

Die Zukunft der Pneumologie

Lungenkrankheiten werden in Zukunft innerhalb der Inneren Medizin eine zunehmend bedeutende Rolle spielen. So wird etwa COPD schon bald an die dritte Stelle der Todesursachen vorrücken und ist damit eine hochgradig unterschätzte Erkrankung; der Lungenkrebs ist die am häufigsten zum Tode führende maligne Erkrankung und Asthma die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Zahlreiche Innovationen der letzten Jahre erleichtern heute die Therapie von Lungenerkrankungen – besonders jener in frühen Stadien.


"Ohne kausalen Mechanismus können wir nicht heilen, sondern nur die Mortalität hinauszögern."

Prim. Univ.-Prof Dr. Otto Burghuber, I. Interne

Lungenabteilung SMZ Baumgartner Höhe Wien



Aufgrund der demografischen Entwicklung und einer immer größeren Anzahl älterer Menschen nimmt auch die Bedeu- tung von Lungenerkrankungen zu, denn es handelt sich dabei in vielen Fällen um chronische Erkrankungen, die im Alter an Bedeutung und Schwere zunehmen. So wurde die Pneumologie im Laufe der Zeit zu einem zentralen Fach der Inneren Medizin, das mit vielen anderen Fächern in engem Zusammenhang steht. 2015 wurde das klinische Fach der Pneumolo- gie in die Interne Medizin eingegliedert und heißt nun Innere Medizin und Pneumologie.

Der Internist und Lungenfacharzt Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber leitet die I. Interne Lungenabteilung im SMZ Baumgartner Höhe Wien. Die überwiegende Zahl der Patienten seiner Abteilung leidet an COPD, Asthma bronchiale oder einem Lungenkarzinom. Bei der Therapie der Lungenerkrankungen kommt eine ganze Reihe von Medizinprodukten zur Anwendung – ohne sie wäre die Pneumologie heute nicht denkbar.


Kompetenzzentrum für COPD

COPD (chronic obstructive pulmonary disease) macht sich schleichend breit, sie bleibt lange subklinisch und stumm. Frühe Diagnosen und die Therapie sind daher besonders schwierig. Sie stellt für Burghuber daher ein großes Anliegen dar. „Die Dimension der COPD ist leider nach wie vor nicht adäquat erkannt“, sagt Burghuber. „Schon bald wird jeder dritte Todesfall auf diese Krankheit zurückgehen, wobei die Dunkelziffer – vor allem bei leichteren Frühformen – bei etwa 80 % liegt. Die Awareness ist leider sehr schlecht.“ Bis heute existieren keine nachgewiesenen Biomarker für COPD, ob- wohl die Forschung auf Hochdruck arbeitet – die Erkrankung gilt weltweit als eine der häufigsten Todesursachen und wird dennoch unterschätzt. Sie ist nicht heilbar, die Mortalität kann jedoch mittlerweile lange hinausgezögert werden, wenn sie in einem Frühstadium therapiert wird. Als großer Wunsch für die Zukunft bleibt dem Pneumologen der kausale Therapieansatz, denn „ohne kausalen Mechanismus können wir nicht heilen, sondern nur die Mortalität hinauszögern“, so Burghuber. Nachdem COPD weltweit eine bedrohliche Dimension eingenommen hat, würde eine derartige Entwick- lung sehr positiv aufgenommen werden. Für die Diagnose der COPD wird die Spirometrie, ein Verfahren zur Messung der Strömungsgeschwindigkeiten, eingesetzt und ist damit das am häufigsten eingesetzte Verfahren in der Pneumologie.

Für die Therapie der COPD, aber auch des Asthma bronchiale kommen in der I. Internen Lungenabteilung im SMZ Baum- gartner Höhe verschiedene Formen von Inhalatoren zum Einsatz. „Die Inhalations-Devices bei obstruktiven Lungener- krankungen sind technisch bestens ausgefeilt und effizient. Medikamente können so direkt zum Erkrankungsort gebracht werden und ihre Wirkung entfalten“, schätzt der Lungenexperte die Unterstützung durch die Medizinprodukte.


Bahnbrechende Entwicklungen

Für die bahnbrechende Entwicklung der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion – die im Falle einer krankhaften Überblähung der Lunge bzw. einem reduzierten funktionsfähigen Lungenanteil eingesetzt wird – kommen mehrere Me- thoden zum Einsatz, für die die Lungenabteilung des SMZ Baumgartner Höhe eine Vorreiterrolle einnimmt. Irreversiblen Methoden zur bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion wie etwa endoskopischen Verödungen mit Hitze oder Schaum bzw. sogenannten Coils stehen reversible Methoden gegenüber. „Ventile bringen das Lungenvolumen zum Schrumpfen – dafür sind wir österreichweit das Kompetenzzentrum“, berichtet Burghuber. Die kleinen Implantate wer- den hochselektiv eingesetzt, wobei etwa 30 bis 60 Fälle pro Jahr in der Abteilung behandelt werden – Tendenz steigend.

Peak-Flow-Meter für die Lungenfunktionsmessung bei Asthmatikern, Vernebler für Medikamente etwa bei Bronchiekta- sen-Patienten, aber auch palliativ eingesetzte Stents und Drainagen bei Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge ergän- zen das Medizinprodukte-Repertoire der Abteilung. In den vergangenen Jahren kamen zudem einige Medikamente gegen interstitielle Lungenfibrose auf den Markt.

„Große Fortschritte werden zudem für die Therapie des schweren Asthma bronchiale erwartet“, betont Burghuber. Neue Erkenntnisse in der Immunologie führten zur Entwicklung neuer Medikamente – Anti IgE, Anti IL5 –, die seit Kurzem auf dem Markt sind und für eine kleine Zahl von Patienten einen großen Vorteil bringen.


Personalisierte Medizin beim Lungenkarzinom

Neben COPD, Asthma bronchiale, Lungenfibrose und Pneumonien sind die Diagnostik und das Management des Lun- genkarzinoms ein Schwerpunkt der Abteilung im Otto Wagner Spital. In mehr als 40 % der Fälle von nicht kleinzelligem Bronchuskarzinom (NSCLC) in fortgeschrittenem Stadium kann heute eine Chemotherapie als freie Alternative angebo- ten werden. Lungenkrebs gilt zwar nach wie vor als eine der tödlichsten Krebsformen mit einer weiterhin hohen Mortali- tätsrate, doch konnte die Erkrankung in den letzten Jahren stärker chronifiziert werden, wie Burghuber betont. „Die im- munonkologische Therapie, die bei vielen Tumorentitäten erfolgreich eingesetzt wird, spielt auch beim NSCLC eine we- sentliche Rolle und ist in der Erstlinientherapie bereits etabliert. Durch diese Fortschritte konnte die durchschnittliche Überlebenszeit von Patienten mit weit fortgeschrittenem Lungenkrebs schon um Jahre verlängert werden.“


Interdisziplinäre Bemühungen

Lange Zeit galt Interdisziplinarität als notwendige Maßnahme, um die isolierte Position der Pneumologie als Fachgebiet zu kompensieren. Das ist nun anders. „Die Pneumologie war viel zu lange Zeit kein Bestandteil der Inneren Medizin“, kri- tisiert Burghuber. Erst seit Juli 2015 wurde sie mit der neuen Ausbildungsordnung in die Innere Medizin integriert. Ursa- che war die historische Entwicklung des Faches aus der Tuberkulose, doch während andere Länder sie schon deutlich frü- her integrierten, hinkte Österreich hinterher. Mit der neuen Regelung als integraler Bestandteil der Inneren Medizin ist eine breitere Ausbildung und bessere Vertiefung möglich, freut sich der versierte Fachmediziner. „Gerade im Fall der COPD mit ihren zahlreichen und häufigen Komorbiditäten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, KHK, Diabetes, Hypertonie oder Osteoporose halte ich es für einen großen Vorteil, die Krankheit aus einer allgemein internistischen Warte zu betrachten“, sagt Burghuber. „Dadurch können Diagnose und therapeutisches Management deutlich verbessert werden.“

Die Pneumologie unterhält enge Kontakte zu Radiologie, Pathologie und Kardiologie, aber natürlich auch zu anderen Fä- chern wie der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung oder zur Neurologie, speziell wenn es um das Schlafapnoesyndrom geht. Ins- gesamt ist die Pneumologie ein Fach, das sowohl auf pharmazeutischem Gebiet als auch im Bereich der Medizinprodukte auf laufende Innovationen und technische Neuerungen angewiesen ist. Für die Lungenfachärzte bedeutet dies eine breite Palette an klinischem, pharmazeutischem und technischem Know-how, das sie laufend auf dem neuesten Stand halten müssen. Einmal mehr spielen Medizinprodukte hier eine entscheidende, zukunftsträchtige Rolle.