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Gesunde Bluechips

Die Weltbevölkerung wird nicht jünger. Welche gesunden Börsenflaggschiffe davon profitieren und wie Sie als Anleger mitnaschen können, zeigt ÄRZTE EXKLUSIV.

Im Jahr 2060 wird knapp ein Drittel der österreichischen Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein. Heute sind es laut Statistik Austria noch weniger als 19 Prozent. Laut Berechnungen des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung wird sich der Anteil der über 59-Jähri- gen an der Weltbevölkerung gegenüber 2010 bis 2050 verdoppeln!

Trends schaffen Märkte. Wer sich daher als Anleger auf diesen Wachstumsmärkten tummelt und die führenden Unternehmen mit solidem Ertragswachstum herausfiltert, hat bestens vor- gesorgt. Neben Pharma-Werten, börsennotierten Anbietern von Seniorenresidenzen und Pri- vatkliniken und Fitness-Aktien profitieren Hersteller von Medizintechnik vom gesellschaftli- chen Wandel.


Pillendreher mit Potenzial

Immer eine gute Wahl ist der Schweizer Pharmakonzern Novartis, aber auch Generika-Her- steller wie der israelische Konzern Teva Pharmaceutical Industries oder das indische Unter- nehmen Dr. Reddy’s Laboratories sind zu empfehlen, zumal die „kranken Kassen“ zuneh- mend die günstigeren „Kopien“ bezahlen. Gut im Geschäft sind auch die innovativen Krebs- forscher Merck und Bristol-Myers Squibb. Sie alle gewinnen bei steigender Lebenserwar- tung. Nicht nur das: Viele Pharmafirmen sind verlässliche Dividendenzahler.

Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius wächst kontinuierlich. Er ist Spezialist für Dialy- seprodukte und -dienstleistungen, für Infusionstechnologien und medizinische Einrichtungen. Die Fresenius-Tochter Helios kann durch die jüngste Übernahme von Quirónsalud, des größ-

ten privaten Klinikbetreibers in Spanien, um 5,76 Milliarden Euro ihre Position als größter eu- ropäischer Klinikbetreiber ausbauen. Schon 2017 soll Quirónsalud einen positiven Beitrag in der Fresenius-Bilanz bringen.

Mit dem Alter steigt die Gefahr von Knochenbrüchen, Abnützungserscheinungen nehmen zu. Daher sind auf orthopädische Implantate spezialisierte Medizintechnikunternehmen wie Stryker, Medtronic und Zimmer Biomet Holdings viel versprechende Aktien. Roboter im OP- Saal

Die Automatisierung macht auch im OP-Saal nicht halt. Große Zukunft hat hier der Operati- onsroboter „Da Vinci“ von Intuitive Surgical. Der US-amerikanische Chirurgie-Roboterherstel- ler verbucht satte Gewinne, die eine bereits teure Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhält- nis von knapp über 28 rechtfertigen.

Einen Blick wert ist auch der amerikanische Laborausstatter und Medizintechnikspezialist Becton Dickinson.

Für Monika Rosen, Chefanalystin bei Bank Austria Private Banking, gehört der Gesundheits- sektor sicher zu den klassisch defensiven Branchen, mit stabilem Gewinntrend und meist at- traktiven Dividenden. Dies wird von den Anlegern umso mehr geschätzt, wenn das Börsen- umfeld rauer wird, was nach den starken Anstiegen der letzten Jahre durchaus einmal vor- kommen kann. Speziell wenn es beim Wirtschaftswachstum Enttäuschungen gibt, sind de- fensive Werte wie Health Care gefragt, weil sie weniger stark vom Konjunktur-Zyklus abhän- gig sind.

Bei allem Lob für die Branche warnt die Bank Austria-Expertin aber auch, dass in den USA heuer die Präsidentschaftswahl den Sektor belaste: „Hillary Clinton, die derzeit in den Umfra- gen in Führung liegt und generell von den Märkten auch bevorzugt wird, ist dafür bekannt, im Gesundheitsbereich Reformen durchführen zu wollen, die letztlich die Gewinne des Sek- tors in den USA beschneiden könnten. Dies gilt vor allem für Pharma-Werte, da Hillary Clin- ton ja die Medikamentenpreise deckeln will.“


Die Lieblingsaktien der Experten

Fritz Mostböck, Chef-Analyst der Erste Group, hat als Top-Picks „ zwei westeuropäische, ei- nen US- und einen CEE-Titel gewählt. Tatsächlich empfehlen wir vor allem den eher defensi- ven Gesundheitsbereich schon seit längerer Zeit!“ Seine vier Favoriten sind:

Die dänische Coloplast entwickelt und vertreibt Gesundheitsprodukte, zum Beispiel Wund- heilung, Hautpflege, Inkontinenz und Dienstleistungen. Laut Erwartungen sollten Umsatz und Gewinne signifikant steigen. Die Aktie bietet eine hohe Eigenkapitalrentabilität und attraktive Margen.

Celgene ist ein US-amerikanisches Biotechnologie-Unternehmen mit Schwerpunkten in der Entwicklung von Krebsmedikamenten und der Behandlung von Krankheiten des Immunsys- tems. Bei dem amerikanischen Unternehmen ist ein stark wachsender Umsatz bei gleichzei- tig hohen Margen und hoher Eigenkapitalrentabilität vorprogrammiert.

Richter ist ein aufstrebender ungarischer Pharmakonzern. Er hat sich erfolgreich von einem reinen Generika-Player zum Spezialitäten-Pharmaanbieter entwickelt. Der Konzern verfügt über eine stabile Forschungs- und Entwicklungs-Pipeline. Mit der Übernahme eines Schwei- zer Biotech-Unternehmens hat er seine Position in europäischen Hauptmärkten weiter ge- stärkt. Wichtigste Märkte sind die EU 15 (20 Prozent), CEE (32 Prozent), Russland (21 Pro- zent) sowie China (sechs Prozent) und USA (vier Prozent).

Die deutsche Fresenius ist im Wesentlichen in den Bereichen Dialyse, Generika, klinische Er- nährung, Krankenhausbetrieb und in anderen Projekten für das Gesundheitswesen tätig. Der Konzern ist global diversifiziert in den Märkten USA (46 %), Europa (28 %) und Asien/Pazifik (10 %). Umsatz- und Gewinn wachsen solide.

Fresenius ist auch eine der bevorzugten Aktien von Connie Gaisbauer, Aktien-Research-Che- fin der Raiffeisen Bank International. Sehr gut laufe das Geschäft nicht nur bei den Töchtern Helios und Medical Care, sondern auch bei Fresenius Kabi. Deren Pharmapräparate werden vor allem bei chronisch kranken Patienten eingesetzt.

Novartis steht auch auf Gaisbauers Hitliste: „Der Schweizer Pharmakonzern sollte sich nach einer Verschnaufpause langsam wieder auf Wachstumskurs befinden. Spannendes Thema sind hier Biosimilars. Die Generikatochter Sandoz ist in diesem Gebiet weltweit führend.“ Von der Entwicklung der Demografie profitierten ebenso die Onkologie von Novartis und Alcon, Spezialist für Augenheilkunde. Orpea sei ein weniger vertrauter Gesundheitstitel, „aber hoch interessant! In meinen Augen profitiert kein anderes Unternehmen so stark von der alternden Gesellschaft. Das Unternehmen mit knapp fünf Milliarden Marktkapitalisierung hat den Sitz in Paris und ist in vielen Ländern Europas als führender Anbieter von Pflegeheimen bekannt.“ In Österreich ist Orpea indirekt durch die Akquisition von SeneCura, dem österreichischen Marktführer in diesem Segment, bekannt. „Das Unternehmen glänzt mit einem sehr guten Management und einem sehr guten Track-Rekord bei Übernahmen“, so Gaisbauer. Auch wurde das erste Pflegeheim vor Kurzem in China eröffnet.

Eine der Top-Empfehlungen von Wolfgang Traindl, Head of Erste Private Banking, ist wieder- um Fresenius: „2016 rechnet man mit einem Umsatzanstieg um knapp sechs Prozent, 2017 sollte er noch etwas stärker ausfallen. Die Prognose für das Gewinnwachstum 2016 weist ei- nen Anstieg um rund 17 Prozent aus.“ Nächstes Jahr dürfte die Gewinnwachstumsrate rund zehn Prozent betragen.

GlaxoSmithKline ist ein weiterer Tipp von Traindl. Der britische Pharmakonzern entwickelt und produziert Impfstoffe, Medikamente gegen Infektionen, Depressionen, Hauterkrankun- gen, Asthma, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs. 80 Prozent des Umsatzes wer- den mit dem Verkauf von Medikamenten generiert, 20 Prozent mit Gesundheitsprodukten. Rund 24 Prozent des Umsatzes werden in den USA abgesetzt.

Die führende Stellung im Bereich der Antiinfektiva wird ausgebaut. Das noch in einer späten Testphase befindliche Antibiotikum Gepotidacin ist sehr aussichtsreich gegen zahlreiche re- sistente Keime. „2017 rechnet man mit Gewinnwachstum. Wir erwarten, dass die Aktie mittel- fristig ihre Sektorenbenchmarks outperformen wird.“



„In Österreich ist Orpea indirekt durch

die Akquisition von SeneCura, dem

österreichischen Marktführer in diesem

Segment, bekannt.“


Connie Gaisbauer, Aktien-Research-Chefin der

Raiffeisen Bank International

foto: istockphoto

„Healthcare gehört zu den klassisch defensiven Branchen, mit stabilem Gewinntrend und meist attraktiven Dividenden.“


Monika Rosen, Chefanalystin,

Bank Austria Private Banking


FotoS: SCOPPETTA

Amgen ist ein bedeutendes US-Biotech-Unternehmen. Die Firma erforscht, entwickelt, produ- ziert und vermarktet Medikamente für zahlreiche Krankheiten. Die Arzneien werden gegen Krebs, Entzündungen und bei Nierenerkrankungen eingesetzt. Für Traindl eine Aktie mit viel Potenzial: „Das Unternehmen verfügt über mehrere Wirkstoffkandidaten im mittleren bis spä- ten Stadium der Entwicklung in einer Reihe von Therapiegebieten wie Onkologie, Hämatolo- gie, Entzündungen, Nephrologie, Kardiovaskular, allgemeiner Medizin sowie Neurowissen- schaften. In den vergangenen Jahren wurde eine umfangreiche Akquisitionsstrategie verfolgt und 80 % der Erträge werden in den USA erzielt. Amgen ist zudem ein sehr profitables Unter- nehmen mit einer überdurchschnittlich hohen operativen Marge.“ Auch sei die Aktie sehr güns- tig bewertet.

„Amgen ist zudem ein

sehr profitables Unter-

nehmen mit einer überdurchschnittlich hohen

operativen Marge.“


Wolfgang Traindl,

Head of Erste Private Banking


Wer sich wegen der Kursrisiken nicht in Einzelaktien wagt, dem bieten Kapitalanlagegesell- schaften wie Erste Group, JP Morgan oder Fidelity & Co Investmentfonds mit breiter Streuung in diversen Gesundheitsaktien an. Oder man setzt etwa mit Indexzertifikaten oder entspre- chenden Indexfonds auf eine breite Streuung. Doch alles hat seinen Preis: Branchen-Aktien- fonds haben oftmals einen Ausgabeaufschlag (Gebühr beim Kauf) von fünf Prozent, der erst verdient werden muss. Spesen spart man sich hier mit ETF (Exchange Traded Funds), die nicht von einem Fondsmanager gemanagt werden, sondern „stur“ einem Branchenindex fol- gen. mn

Was Ertrag beschert


Zinsen: Der risikolose Zins von österreichischen und deutschen Bundesanlei- hen bewegt sich in etwa zwischen null und dem negativen Bereich. Derzeit müssen spürbar positive Zinsen über Währungs- und Emittentenrisiken erkauft werden, da sind solide Aktien oft das geringere Risiko.

Dividenden garantieren eine regelmäßige Ausschüttung bei Aktien, von der Ertragslage des Unternehmens abhängig. Alteingesessene Pharmawerte wie Novartis können hier mehr bieten als junge Medizintechnik-Aktien, die dafür oft mehr Kursfantasie

bieten.

Wertsteigerungen: Aktienkursgewinne sind bei guter Gewinnentwicklung und positiver Marktstimmung möglich.

Währungsgewinne bieten – ebenso wie Verluste – Aktien außerhalb der Euro-Zone. Gesundheitsaktien notieren häufig in Dollar, einige von ihnen aber auch gleich auf mehreren Weltbörsen in verschiedenen Währungen, etwa der indische Generika-Konzern Dr. Reddy’s Laboratories in indischer Rupie und US-Dollar.

Nicht alle Eier in einen Korb legen!


Vorsicht! Die oberste Börsenregel, frei nach US-Ökonom Harry Markowitz, sollte man auch bei den gesunden Bluechips befolgen: Niemals alle Eier in einen Korb, zum Beispiel Pharmafonds, legen oder gar nur auf ein Pferd setzen – mag es den anderen technologisch noch so davongaloppieren. Wer in ver- schiedene Wertpapiere investiert, streut nicht nur das Risiko, auch die Rendite- Erwartungen sind höher. Das Mindestinvestment je Einzelposition sollte aus Spesengründen nicht unter 2.000 Euro betragen. Auch sollte man von seinem veranlagten Vermögen – je nach Risikoneigung – maximal 10 % bis zu einem Drittel in Einzelaktien stecken, den restlichen Aktienanteil in entsprechende Fonds, und diese auch wieder in verschiedene Märkte mit unterschiedlichen Währungsrisiken investieren.


Wien, das die ins frühe 20. Jahrhundert zurückreichende Tradition eines „Wie- ner Ärzteorchesters“ mit neuem Leben erfüllt und jährlich zwei bis drei Konzerte spielt. Donner ist seit Beginn Mitglied in der Österreichischen Ärztekunstvereini- gung und betreut die Musiksektion.

www.cameratamedica-wien.at