Kur & Gesundheitsvorsorge | Module GVA

Foto: istockphoto/ borchee

Gesundheitsvor- sorge Aktiv: das neue Modell der PVA

Die Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA) unterscheidet sich von der herkömmlichen „Kur“ durch den modularen Aufbau, ein höheres Leistungsangebot und die bessere Abstimmung auf individuelle Patientenanforderungen.

Die klassische Kur hat eine schon jahrhundertelange Tradition. Im 19. Jahrhundert wurde mit dem Ausbau der Eisenbahnli- nien eine Vielzahl an Kurorten touristisch erschlossen. Damals war eine Kur großteils einer begüterten Oberschicht vorbe- halten. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden nach und nach Kureinrichtungen gebaut, neue Thermen und Gesundheitszen- tren erschlossen und die Kur der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Bei der klassischen Kur handelt es sich um medizinische Maßnahmen zu Erhalt und Festigung der Gesundheit bzw. zur Linderung von chronischen Leidenszuständen. Ebenso wie die „wiederherstellenden“ Rehabilitationsmaßnahmen dient ein Kuraufenthalt auch dem vorbeugenden Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Im Rahmen der klassischen Kur kommen bevorzugt passive Maßnahmen und natürliche Heilmittel zum Einsatz. In Österreich stehen 152 natürliche Heilvorkommen je nach Standort der Einrichtung während des Kurheilverfahrens zur Verfügung. Diese sind Heilwässer wie Schwefel-, Sulfat- und eisenhaltige Wässer, Solen, Mineralthermen, Peloide (z. B. Moor, Schlamm), Kohlensäuregas, Heilstollen sowie Luft und Heilklima.


Neues medizinisches Leistungsprofil

Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen, des steigenden Gesundheitsbewusstseins der Versicherten und zur Erhö

hung der Wirkung von Gesundheitsvorsorgemaßnahmen im Sin- ne des ASVG wurde mit Zustimmung der Selbstverwaltung

der PVA das Pilotprojekt „Gesundheitsvorsorge aktiv“ aufgesetzt. Es wurde 2013 mit acht ausgewählten Einrichtungen gestartet und richtete sich an erwerbsfähige Versicherte und Bezieher ei- ner befristeten Berufsunfähigkeits- bzw. Invaliditätspension in der Altersgruppe von 30 bis 55 Lebensjahren, die erstmals eine Gesundheitsvorsorgemaßnahme beantragten.

Die Grundlage der GVA stellt ein neues medizinisches Leis- tungsprofil mit den Schwerpunkten „Bewegung“ und „Mentale

Gesundheit“ dar. Der in der Pilotierung zusätzlich angebotene Schwerpunkt „Ernährung“ wurde von den Patienten zu wenig nachgefragt und daher im aktualisierten Leistungsprofil nicht mehr als eigenes Modul berücksichtigt. Die GVA wird im Rahmen eines 22-tägigen stationären Aufenthaltes angeboten. Sie unterscheidet sich von der herkömmlichen „Kur“ durch den modularen Aufbau und ein höheres Leistungsangebot, mit dem auf die individuellen Problemstellun- gen der Patienten gezielter eingegangen werden kann. Diese werden in der GVA vermehrt in der Wahrnehmung ihrer Eigenverantwortlichkeit unterstützt und zu regelmäßiger aktiver Bewegung motiviert. In Schulungen werden Umset- zungshilfen angeboten, die Patienten aktiv zum Erhalt ihrer psychischen Gesundheit, zur Stress- und Frustrationsbe- wältigung und im

Umgang mit den immer höher werdenden Anforderungen des (Arbeits-)Alltages anwenden können.

Nach Adaptierung des Leistungsangebotes wird die GVA ab Jänner 2018 sukzessive österreichweit ausgerollt und wird seitens der PVA im Bereich Stütz- und Bewegungsapparat die traditionelle „Kur“ ablösen. Sie wird nunmehr für alle Versicherten der PVA angeboten und ist das Zukunftsmodell einer modernen Gesundheitsvorsorge.


Was ist neu bei der GVA?

Der Fokus der GVA liegt vor allem auf Bewegung, mentaler Gesundheit und gesunder Ernährung. Aktivtherapien und angepasster Sport bilden die medizinische Basis, um vor allem die Eigenverantwortung zu stärken, die erlernten Übungen und die ausgeübte sportliche Tätigkeit in den Alltag zu integrieren und dauerhaft umzusetzen. Zusätzlich zu dem deutlichen Mehr an Bewegung werden aber auch Ernährung und mentale Gesundheit als wesentliche Eckpfeiler in die Therapie miteinbezogen. Sozialmedizinische Ziele sind der Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Versicherten im er- werbsfähigen Alter und künftig unter anderem auch die Vermeidung des Pflegebedarfs bei Pensionisten. Mit den Maßnahmen soll Krankenständen und damit einhergehenden Arbeitsausfällen vorgebeugt werden, was letztendlich zu einer Verlängerung der gesunden Lebensjahre führen kann. Die neue GVA ist modular aufgebaut (siehe Abbil- dung): Das Basismodul mit genau im Leistungsprofil definierten Einheiten von Bewegungstherapien, Kraft-Ausdauer- training, Entspannungstraining und bei Bedarf Raucherberatung kommt bei allen Patienten zur Anwendung. Zusätz- lich kann aus drei Aufbaumodule ausgewählt werden:

•Modul Bewegungsoptimierung eignet sich für Patienten, die bereits regelmäßig Bewegung machen. Die Therapeu- ten überprüfen, ob die durchgeführte Bewegung auch richtig gemacht wird und geben Optimierungsempfehlungen, um Spätschäden zu verhindern.

•Modul Bewegungsmotivation eignet sich für Patienten, die sich nicht so gerne bewegen und an sportlichen Aktivitä- ten lieber passiv teilnehmen. Ihnen soll die Freude und die Lust an Bewegung vermittelt und in kleinen Schritten die wohltuende, ganzheitliche körperliche Aktivität nähergebracht werden. Nach dem Motto: Bewegung tut gut – probiere es einfach aus!

•Modul mentale Gesundheit ist für Patienten vorgesehen, die bereits im Alltag eine psychische Belastung verspüren und unter dem Druck des Berufs-  und Privatlebens leiden. Hier liegt der Schwerpunkt in der Stressprävention, im Er- lernen von Entspannungs-, und Abgrenzungsmechanismen und im Stärken der Selbstschutzmechanismen.


In allen Bereichen sind mindestens zwei Einzeltherapien mit Physiotherapeu- ten und im mentalen Modul mit Psychologen vorgesehen, um nach einer defi- nierten Testung gezielter und individueller auf die jeweilige Problematik einge- hen

zu können.

Um Patienten einem dieser Module zuteilen zu können, müssen sie im Vorfeld folgende Fragen beantworten: Welche der folgenden Beschreibungen trifft am ehesten auf Sie zu? Was erwarten Sie von der GVA?

•Ich bewege mich gerne und betreibe regelmäßig Sport. Von der GVA erwar- te ich mir Anregungen zur Verbesserung. (Modul Bewegungsoptimierung)

•Ich bewege mich nicht so gerne. Sport betreibe ich selten, unregelmäßig oder gar nicht. Von der GVA erwarte ich mir Unterstützung dabei, Freude an Bewegung zu finden. (Modul Bewegungsmotivation)

•Ich fühle mich in Beruf oder Privatleben psychisch belastet. Ich bin müde, abgeschlagen und kann mich zu zusätzlichen Betätigungen außerhalb des Alltags nicht aufraffen. Von der GVA erwarte ich mir Unterstützung dabei, wie ich damit in Zukunft besser umgehen kann. (Modul mentale Gesundheit)


Als weitere Abrundung des Angebotes werden noch Ergän- zungsmodule angeboten mit den Inhalten Ernährung im All- tag für Berufstätige und Pensionisten, Workshops mit den Themen „Beruflicher Alltag und gesundes Leben“ bzw. für Pensionisten „Aktiv und selbstbestimmt im Alltag – ein Leben lang“. Weiters sind in diesem Modul frei zuteilbare Therapien vorgesehen, um noch individueller auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen zu können. Hier ist auch die Verordnung von Maßnahmen mit natürlichen Heilmitteln möglich.

Als Zusatzangebot für berufstätige Patienten, die nicht drei Wochen durchgängig an der GVA teilnehmen können, wurde die Möglichkeit der 2:1-Splittung des Aufenthaltes berück- sichtigt. Nach zweiwöchiger GVA-Teilnahme kann die dritte Woche innerhalb von sechs Monaten in Anspruch genommen werden. Mit dem gesamten Leistungsangebot, der individuel- len Einteilungsmöglichkeit und der Unterstützung zur Stär- kung der Eigenverantwortung wurde auch der Gedanke des bio-psycho-sozialen Models der ICF (International Classificati- on of Functioning, Disability and Health) in der GVA verankert und richtet sich in weiten Teilen nach der Teilhabe der betrof- fenen Patienten. Ein vorrangiges Ziel ist die Förderung und Entwicklung von Gesundheitskompetenz und das Vermitteln des Bewusstseins, aktiv zur eigenen Gesundheit beitragen zu können.

Mit der neuen Gesundheitsvorsorge Aktiv hat die PVA eine hochwertige Gesundheitsmaßnahme geschaffen, die dazu beitragen soll, die Gesundheit der Patienten zu festigen, zu erhalten und durch Stärkung der Eigenvorsorge nachhaltige Auswirkungen auf den Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu erzielen.