im Gespräch | Forschung

Neurowissenschaft mit Risikobereitschaft

Professor Peter Jonas, Leiter des Jonas Lab am Institute of Science and Technology (IST) Austria und Träger des Wittgenstein-Preises, des mit 1,5 Millionen Euro höchstdotierten und wichtigsten Wissenschaftspreises Österreichs, im Wordrap

Für ein Medizinstudium habe ich mich entschieden, weil ... mich die Funktion des menschlichen Körpers stets extrem interessiert hat.


Was mich an den Neurowissenschaften fasziniert, ist ... dass sie nahezu unlösbare Probleme bearbeiten und dabei manchmal sogar erfolgreich sind.


Das IST Austria ist ... für die medizinische Forschung in Österreich eine ein- zigartige Chance.


Der Wittgenstein-Preis bedeutet für mich ... eine tolle Anerkennung der extrem harten Arbeit, die meine Mitarbeiter und ich für die österreichische Forschung leisten und geleistet haben.


Meine Forschung fokussiert sich ... auf quantitative Aspekte – im Idealfall stünden hinter jeder wissenschaftlichen Aussage mehrere Zahlen.


Was ich in der Wissenschaftsförderung in Österreich vermisse, ist ... Ri- sikobereitschaft.


Forschung in Österreich ist ... auf einem sehr guten Weg, braucht aber noch mehr Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.


Hirnforschung kann ... den Schlüssel zur Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen liefern – aber die erfolgreiche Umsetzung braucht Zeit.


Für eine der größten Errungenschaften der Neurowissenschaften halte ich ... die erfolgreiche Kombination von experimentellen und theoretischen Ansätzen – dies ist bisher nur in sehr wenigen Wissenschaftsgebieten gelun- gen.


Für die Neurowissenschaften wünsche ich mir ... eine stärkere Schwer- punktsetzung Österreichs in diesem wichtigen Forschungsfeld.


Einen Ausgleich zu meiner wissenschaftlichen Arbeit finde ich ... beim Alpinklettern in den Bergen, falls es mein enger Zeitplan und das Wetter er- lauben. bw  ■


Peter Jonas studierte Medizin an der Uni- versität Gießen. Ein Jahr lang war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Physiolo- gischen Institut ebendort tätig, bevor er 1990 an das Max-Planck-Institut für medizi- nische Forschung in Heidelberg wechselte, wo er 1992 an der Universität habilitierte. 1994 wurde er Professor für Physiologie an der Technischen Universität München, von 1995 bis 2010 war er Direktor des

Physiologischen Instituts an der Albert-Lud- wigs-Universität Freiburg. Seit 2010 ist Jo- nas Professor am Institute of Science and Technology (IST Austria) in Klosterneuburg. Er ist Träger zahlreicher Preise und Aus- zeichnungen, unter anderem des Gottfried- Wilhelm-Leibniz-Preises und des Adolf- Fick-Preises, kann auf Publikationen in den wichtigsten Wissenschaftsmagazinen ver- weisen und erhielt zwei renommierte ERC Advanced Grants. Nun wurde er mit dem Wittgenstein-Preis 2016 ausgezeichnet. Jo- nas erforscht mit seiner Gruppe die synapti- sche Übertragung in Mikrosystemen des Hippocampus.

Wittgenstein-Preis


Der Wittgenstein-Preis ist der mit einem Preisgeld von bis zu 1,5 Millionen Euro höchstdotierte Preis der Republik Österreich im Bereich der Wissenschaften, benannt nach dem österreichi- schen Philosophen Ludwig Wittgenstein. Der Preis wurde 1996 vom damaligen Wissenschaftsminister Rudolf Scholten und dem Physiker Arnold Schmidt ins Leben gerufen und wird üblicher- weise einmal jährlich vom Fonds zur Förderung der wissen- schaftlichen Forschung ausgeschrieben und vom Bundesminis- terium für Wissenschaft und Forschung vergeben. Zielgruppe sind Forscher aller Fachdisziplinen, die Mittel sind streng gewid- met und müssen – aufgeteilt auf die folgenden fünf Jahre – in die Forschung fließen.

www.fwf.ac.at