FORTBILDUNG & KARRIERE | Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs

Beziehungsmanager

Die Anforderungen an die Führungskräfte im Krankenhaus steigen an. Das betrifft nicht nur das medizinisch-fachliche Wissen, sondern auch Organisations- und Managementqualitäten darüber hinaus. Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, MSc, Leiter der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie im LKH- Universitätsklinikum Graz und Direktor von Coremed – Zentrum für Regenerative Medizin, erklärt, warum es erforderlich ist, sich darauf vorzubereiten.

  Wie beeinflussen die derzeitigen Rahmenbedingungen Ihre Arbeit im Spital?

Gesund alt werden ist das Hauptanliegen unserer zunehmend älter werdenden Gesellschaft und eine der größten aktuellen Herausforderungen an die Medizin und medizinische Forschung. Bis 2025 wird sich nämlich die Anzahl der Menschen, die älter als 60 sind, verdoppeln. 2030 wird so- gar rund die Hälfte der Menschen älter als 60 Jahre sein. Dies alles wird auch dazu führen, dass die Anzahl der Menschen mit chronischen Erkrankungen signifikant ansteigen wird. Heute konzen- trieren sich bei vielen dieser Erkrankungen die Behandlungskonzepte lediglich darauf, die Krank- heitssymptome zu verringern, da eine Heilung im eigentlichen Sinne oft nicht möglich ist. Das wird dazu beitragen, dass der Kostendruck im Gesundheitssystem ansteigt. Daneben werden neue Therapiemöglichkeiten einen zusätzlichen Kostendruck auf das System erzeugen.  Eine der Hauptaufgaben wird daher in Zukunft auch darin bestehen, dass wir uns neben der Behandlung und Forschung auch noch stärker in die Themen „Prävention“ und „Gesundheitskompetenz“ ein- bringen werden müssen.


Wo liegen die großen Herausforderungen als Führungskraft im Krankenhaus?

Die Herausforderungen als Führungskraft bestehen darin, dass man neben der fachlichen Kompetenz in Bezug auf Patien- tenversorgung, Forschung und Lehre vor allem auch Organisations- und Managementaufgaben zu erfüllen hat. Zusätzlich ist man als Führungskraft auch entscheidend verantwortlich für die Gestaltung der sozialen Beziehungen. Ich glaube sogar, dass die beiden letztgenannten Aufgaben, nämlich Organisation und Management sowie die Gestaltung sozialer Beziehun- gen, immer mehr an Bedeutung gewonnen haben und noch gewinnen werden.


Welche strategischen Qualifikationen benötigen Führungskräfte im Spital unbedingt?

Die Hauptaufgabe einer Führungskraft ist es, unter komplexen Bedingungen und in komplexen Systemen Resultate zu er- zielen. Das heißt, die Führungskraft sollte sich ihrer Bedeutung und Aufgabe ganz klar bewusst sein, denn Leadership be- deutet meiner Meinung nach: Orientierung geben, Vertrauen schaffen, Zusammenarbeit fördern und Verantwortung über- nehmen. Verantwortung für den eigenen Bereich wie der Abteilung oder Klinik und auch ganz besonders für die Mitarbeiter, aber im gewissen Maß auch für die Gesellschaft. Da die Anforderungen an die Führungskräfte gestiegen sind und weiter- hin steigen werden, sollten die zukünftigen Führungskräfte auch verstärkt in Bezug auf diese Aufgaben vorbereitet werden und sich auf diese Aufgabe vorbereiten.


Wo und wie gibt es Karriere- und Aufstiegschancen für junge Kollegen und werden diese auch genützt?

Ich glaube, dass es für junge Kollegen gerade im Bereich der Medizin noch ausgesprochen gute Aufstiegschancen und Karrieremöglichkeiten gibt und auch noch geben wird. Ziel muss es jedoch sein, die Kollegen langfristig nicht nur fachlich auszubilden, sondern auch auf die anderen Aufgaben als Führungsperson wie Organisation, Management oder Führung fundiert vorzubereiten und zu schulen, damit sie für die Zukunft und für die zukünftigen Aufgaben gut gerüstet sind.

Was raten Sie jungen Studierenden, heute auf jeden Fall in ihren Karriereplan einzuarbeiten?

Ich rate jungen Studierenden auf jeden Fall dazu, sich eine gewisse Offenheit zu bewahren, nämlich die Offenheit für etwas Neues. Während der Ausbildung mal ins Ausland zu gehen, über den Tellerrand zu sehen und andere Erfahrungen zu sam- meln, halte ich nämlich für sehr wichtig. Das führt nicht nur dazu, dass man den eigenen Horizont erweitert, sondern auch oft dazu, dass man erkennt, dass es uns hier in Österreich eigentlich sehr gut geht und die Arbeitsbedingungen auch bes- ser sind, als es viele glauben oder behaupten. Zusätzlich würde ich den jungen Kollegen auch empfehlen, sich in anderen Bereichen neben dem eigentlichen Fachbereich weiterzubilden und Wissen anzueignen, das einem dann später das Leben als Führungskraft erleichtert.


Was bedeutet für Sie die Arbeit in einem Netzwerk wie dem VLKÖ?

Die Gestaltung der sozialen Beziehungen ist eine wichtige Aufgabe einer Führungskraft. Daher glaube ich, dass in diesem Punkt das Netzwerk VLKÖ auch eine entscheidende Rolle spielt. Der VLKÖ dient dem Erfahrungsaustausch mit- und un- tereinander und auf allen Gebieten des Krankenhauswesens.


Welche Erwartungen und Wünsche haben Sie an die Arbeit des VLKÖ?

Ich glaube, dass gerade die oben genannte Aufgabe, nämlich die Gestaltung der sozialen Beziehung, sehr wichtig ist und daher der Austausch untereinander noch mehr gefördert werden sollte.