INVESTMENTS | Vermögensbildung

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Arbeit & Freizeit:

Reine

Zeitverschwendung!

Wer seine Talente effektiv einsetzt, kann in weniger Zeit mehr Geld verdienen. Wer dieses Geld dann einsetzt, braucht nicht mehr seine Zeit zu verkaufen, um an weiteres Geld zu kommen.

AUTOR:

Dr. Robert Velten

Fondsinitiator, Ge- schäftsführer der Vel- ten Asset Manage- ment GmbH, Hoch- schullehrer, Berater und Unternehmer

Wir haben alle Zeit der Welt. Genug, um sie an allen Ecken und Enden zu ver- schwenden. Genug, um Sie mit gedankenlosen Gewohnheiten zu füllen. Genug sogar, um sie an einen ungeliebten Job zu verkaufen. Es ist ja unsere Zeit und sie währt fast ewig. Das glauben wir so lange, wie es uns gutgeht. Bis sie vor eines Ta- ges uns steht: die Diagnose einer unheilbaren Krankheit. Die Nachricht, vorgetra- gen in einer sanften Stimme, dass jemand, den wir lieben, sterben wird. Die Reali- tät, die uns in aller Strenge klarmacht: Es ist anders, als wir dachten. Die Zeit, die uns angeblich gehört, existiert gar nicht. Der Augenblick allein ist kostbar.


Freizeit kostet Geld

Doch was machen wir mit der uns geschenkten Zeit? Wir teilen sie in zwei Hälften: Die eine verkaufen wir und die andere behalten wir für uns. Was wir verkaufen ist das, was wir eigentlich nicht ohne Gegenleistung tun wollen. Wir machen es nur, um etwas anderes dafür zu erhalten. Wir arbeiten zum Beispiel für Geld. Geld brauchen wir ja auch. Wozu? Natürlich um zu leben, um die andere Hälfte unserer Zeit nutzen zu können.

Diese andere Hälfte, die sogenannte Freizeit – also die Zeit, von der wir glauben, dass sie uns wirklich gehört –, ist beson- ders teuer. Wir füllen sie häufig mit Einkäufen, Hobbys, Urlauben und anderen kostenintensiven Dingen. In dieser Zeit ge- ben wir das Geld aus, dass wir in der anderen Hälfte verdienen. Wir zahlen Hotels, Möbel und alle möglichen Angebote. Wir lassen uns ganz gemächlich in Restaurants bedienen. Wir nehmen einen Drink an der Bar und essen Popcorn im Kino. Kurz: Das Leben ist schön, kostet aber Geld.

Manchmal finden wir etwas, das für uns mehr als nur Spaß ist. Eine Sache, die uns begeistert, für die wir all unsere Zeit hingeben würden. Wir empfinden Sinn. Zum Beispiel, wenn wir an einer Sache forschen, wenn wir verliebt sind, uns um unsere Familie kümmern oder um Menschen in Not. Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi nennt das besonders intensi- ve Erleben, das wir dabei empfinden können, „Flow“. Aber auch diese Zeit müssen wir leider finanzieren. Und womit? Mit Geld natürlich. Mit Geld, das wir uns mit der anderen Hälfte unserer Zeit erkaufen. Also eigentlich mit Zeit. Das heißt: Wir verbrauchen die eine Hälfte unserer Zeit, um die andere Hälfte zu gewinnen. Aus 100 % geschenkter Zeit werden so eine gekaufte und eine verkaufte Hälfte.


Überlegt investieren

Goethe könnte jetzt sagen: „Was Du ererbt von Deinen Vorfahren, erwirb es, um es zu besitzen.“ Ist das nicht eigentlich absurd? Was aber, wenn wir das notwendige Geld auch anders verdienen könnten? Gibt es etwas anderes, was wir einset- zen könnten als unsere Zeit? Ja, das gibt es. Geld selbst zum Beispiel. Geld allein kann mehr Geld schaffen, wenn es gut investiert wird. Das nützt sogar der Wirtschaft und es gibt viele Techniken, die mehr bringen als der übliche minimale Zins. Aber dazu muss man erst mal Geld haben und wenn man keines hat, Wege finden, es zu beschaffen. Wer seine Talente effektiv einsetzt, kann in weniger Zeit mehr Geld verdienen als zuvor. Wer dieses Geld dann einsetzt, ohne die zahlreichen Fehler zu machen, die dabei möglich sind, braucht fortan nicht mehr seine Zeit zu verkaufen, um an Geld zu kommen.

Außerdem gibt es noch andere Möglichkeiten: Wir könnten doch versuchen, unsere Zeit gleichzeitig für verschiedene Din- ge einzusetzen. Auch unsere Freizeit ist ja eine Verschwendung, wenn wir sie nur dafür hingeben, uns durch möglichst viel Spaß von der Arbeit zu erholen. Denn oft ist die Freizeit einfach zu kurz, um etwas zu finden, das uns wirklich ausfüllt. „Flow“ ist eher die Ausnahme. Stattdessen hat uns die Arbeit bereits ermüdet und unsere Freizeit plätschert an uns vorbei. Wir verbringen sie mit wenig fordernden Dingen oder vor dem Fernseher.

Überlegen wir mal, wie wir unsere Zeit noch strukturieren könnten. Wir können uns zum Beispiel weiterbilden, um einen besseren Job zu bekommen oder um ein erfolgreicheres Geschäft zu führen. Das hieße unsere Kapazität ausbauen. Aber das muss nicht in Form eines Zertifikates oder eines Hochschulstudiums sein. Wir können auch ein Buch lesen, das uns weiterbringt, oder lehrreiche Erfahrungen machen, die für uns auch ansonsten sinnvoll sind. Damit hätten wir die Zeit schon doppelt genutzt. Für unser künftiges Erwerbsvermögen und für uns selbst. Wir sind frei. „Aber ich muss meine Ba- chelor-Arbeit schreiben.“ Das denken derzeit Millionen von Studenten. Steve Jobs hat das nicht gedacht. Er gründete stattdessen Apple.


Schnelles Geld

Betrachten wir die Zeit mehrdimensionaler. Statt einer einzigen Frage (Pflicht oder Freizeit?) stellen wir uns zwei Fragen: 1) Geht es uns bei dem, was wir gerade machen, um den unmittelbaren Ertrag oder um weitreichendere Ziele? 2) Haben wir dabei eher eine monetäre oder eine ideelle Motivationen?  Daraus ergeben sich dann vier Quadranten: Im ersten geht es um schnelles Geld, zum Beispiel durch Arbeit. Im zweiten Quadranten befindet sich die auf unmittelbaren Genuss gerich- tete Zeitverwendungsart. Geht es darum, mit der Zeit Kapazitäten für mehr Geld aufzubauen, wäre das in Quadrant 3 der Fall. Alle anderen Tätigkeiten im Quadrant 4 „Sinn“ haben eine andere Bedeutung für den, der sie ausführt – jenseits von Geld und Genuss. Dieses Vier-Quadranten-Modell eignet sich besser als die herkömmliche Spaltung von Arbeit und Frei- zeit, um darüber nachzudenken, wie wir unsere Zeit nutzen.


Sinnvoll kombinieren

Denn das Schöne ist: Wir können jetzt einen Großteil unserer Zeit so gestalten, dass eine Tätigkeit die Eigenschaften meh- rerer Quadranten zugleich erfüllt. Zum Beispiel indem wir einen Job machen, der uns weiterbringt und Spaß macht. Oder indem wir umgekehrt das, was uns begeistert und an dem wir Spaß haben, ohne Rücksicht auf Geld so gut machen, dass wir damit letztlich doch Geld verdienen. Mir fallen aus dem Stehgreif Dutzende Menschen ein, die das gemacht haben. Menschen, die sie alle kennen. Aber würde es Sie motivieren zu hören, dass Leute wie Reinhold Messner und Paul Mc- Cartney dazugehören? Sie denken dann vielleicht: Das können die – aber ich doch nicht. Wirklich nicht? Ich sage: Auch Sie haben Talente, die Sie entfalten können. Sie finden sie in den oberen beiden Quadranten. Wenn es auch nicht große Berge sind oder wunderbare Songs – es gibt viele Dinge, die Sie tun können. Viele Menschen machen aus ihrer speziellen Leidenschaft einen Verdienst. Der Surfer, der aus Leidenschaft für seinen Sport eine Kamera entwickelt, die ihn auf dem Wasser filmt oder die Großmutter, die auf einmal nicht nur ihren Enkeln Märchen vorliest, sondern gleich ein Hörbuch auf- nimmt und es auf Amazon verkauft. Das Paar mit der Leidenschaft fürs Schöne, das ein Café aufmacht. Der Koch, der ein Buch schreibt. Die Studentin, die Yogakurse anbietet. Bei mir war es meine Vorliebe für Zahlen, die mich ein Aktienaus- wahlsystem hat entwickeln lassen. Selbst wenn Sie schon einen Job haben, der Sie rund um die Uhr fordert, gibt es un- zählige Möglichkeiten mehrere sinnvolle Dinge miteinander zu kombinieren. Fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit und nehmen Sie es als Sport. Anstatt offizielle „Elternzeit“ vereinbaren Sie individuell, einen Teil Ihrer Arbeit mit nach Hause zu nehmen, oder telefonieren Sie bei einem Spaziergang in der Sonne. Wenn Sie können, lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten oder verdienen ab sofort nur noch Geld mit Tätigkeiten, bei denen Sie zugleich etwas lernen. In jedem Fall: Brechen Sie aus dem Arbeit-Freizeitschema aus. Seien Sie mutig. Denn noch ist es Ihre Zeit. Und Ihr Leben.

Nachgefragt bei...

... Dr. Robert Velten, Fondsinitiator, Geschäftsführer der Velten Asset Management GmbH, Hochschullehrer, Bera- ter und Unternehmer im Gespräch über Vermögen und Reichtum.

Was ist der Unterschied zwischen Reichtum und Vermögen?

Reich ist, wer über Äußerlichkeiten verfügt, die andere für Wert halten. Vermögen ist die Fähigkeit etwas zu tun. Ohne Vermögen ist der Reichtum nichts wert, weil er allein mir nichts nützt. Wir suchen Sinn und Genuss. Der Reichtum kann dafür ein Mittel zum Zweck sein – aber es kommt auf Genussfähigkeit und Persönlich- keitsbildung an. Ohne die ist auch ein Millionär un- glücklich, unfähig und unvermögend.


Am Weg zum Reichtum sind Aktien und Immobilien wichtig, aber zuerst geht es um Zeit und Persönlich- keit – warum?

Weil Reichtum ein Produkt aus dem klugen Einsatz von Vermögen ist. Vermögen besteht zu einem großen Teil aus Zeit und Fähigkeiten.



Warum braucht es eine positive Einstellung zum Reichtum oder warum hilft positiv Denken wirklich?

Wenn ich Reichtum für etwas halte, dass immer nur die anderen besitzen und das ich nie selber erreichen kann, ver- passe ich wahrscheinlich viele Chancen Reichtum zu erreichen und zu nutzen. Der Reichtum wird in unserer Kultur von vielen dämonisiert. John Lennon und Christoph Columbus wollten reich werden – und haben sich auch deshalb beson- ders angestrengt ihre umwälzenden Taten zu vollbringen. Reiche Privatleute finanzieren außerdem derzeit unzählige Projekte zum Beispiel im medizinischen Bereich oder die Säuberung von Ozeanen von Plastikmüll. Wir brauchen aber auch keine rosarote Brille aufsetzen – es kommt auf die Fähigkeit an, nicht auf den Reichtum.


Kleinliches Sparen ist nicht so gut wie mutiges Investieren – aber nicht jeder ist gleich risikofreudig. Wie kann das trotzdem gehen?

Es gibt Anlagegewohnheiten, die ein schlechtes Chance-Risiko-Profil aufweisen. Wenn ich bei einem sehr geringen Ri- siko gar keine Rendite erhalte, ist das ein schlechtes Geschäft. Es ist unnötig, weil sich dafür eine bessere Alternative finden lässt. In der Wirtschaftswissenschaft nennt man so etwas ineffizient. Irrational würde ich das nennen. Man könnte auch sagen: Dumm. Das gilt umso mehr für ein übermütiges Zocken. Es sind am Markt Leute unterwegs, die werden ihr Geld nicht lange behalten.


Sie formulieren in Ihrem Buch, dass das Leben zu genießen die beste Krisenvorsorge ist – warum?

Krisen lassen sich nicht vermeiden. Wir wissen aber nicht, welche Kriese wann kommen wird. Wüssten wir das, könnten wir sie ja vermeiden. Wir können uns nicht auf jede Krisenvariante optimal vorbereiten, wir können aber zwei Dinge tun. Erstens Anlagen auswählen die langfristig positiv aus Krisen hervorgehen, weil sie aus ihnen lernen – das tun zum Bei- spiel eine große Zahl von Unternehmen. Und zweitens unser eigenes Leben gestalten, wo auch immer wir gerade le- ben. Krisenangst ist oft ein Hirngespinst, das verhindert hier und jetzt das Richtige zu tun.


Was hat Zeit mit Geld zu tun?

Man kann sich Zeit kaufen und man kann seine Zeit verkaufen. Jeder, der eine Putzkraft anstellt oder schon mal gejobbt hat, weiß das. Aber diese Prozesse lassen sich mit ein paar Überlegungen gewinnbringender gestalten, als viele Leute es gewöhnlich tun, weil es ihnen unsere Kultur gedankenlos vorlebt. Man kann versuchen seine Zeit für sich zu behalten und möglichst viel Wertvolles daraus zu gewinnen anstatt sie für ein paar Euro die Stunde zu verkaufen.


„Vermögensaufbau fängt bei der Zeit an.“ – wie kann das ein Mediziner im Spital schaffen, der vor Patientenbe- treuung gar nicht weiß, wo ihm der Kopf steht?

Wenn der hilfreiche Kontakt zu Menschen, der von dem Mediziner ausgeht, von ihm selbst als sinnvoll empfunden wird, stellt sich die Frage nicht. Mediziner, die ihr Wissen klug und einfühlsam einsetzen, schaffen enormen Wert. Sie sollten in Strukturen arbeiten, wo dieser Wert auch vergütet wird. Das kann bedeuten, sich selbstständig zu machen, sein Wis- sen in digitalen Medien zu verbreiten, oder in der Hierarchie eines Spitals seine Arbeit zu tun. Jeder muss das selbst beurteilen.


Wie kann ein Mediziner am einfachsten sein Erwerbsvermögen steigern?

Durch Hinzugewinn von Erfahrung und Wissen – am effektivsten durch Spezialisierung. Spezialisierung kann aber auch bedeuten, generalistische Kompetenz zum Beispiel für Führungssaufgaben zu erwerben. Auch die Kombination mit fachfremd erscheinenden Kompetenzen kann eine einmalige Position auf dem Arbeitsmarkt bedeuten. Ein Arzt mit Prä- sentationskompetenz kann Redner werden, ein Mediziner mit Wirtschaftshintergrund Unternehmer. Vielleicht lassen sich mit psychologischen Kenntnissen Patientenerlebnisse und Placeboeffekte verbessern. Es geht darum Nischen zu be- setzen und somit möglichst viel Wert für andere zu schaffen. Das ist die Voraussetzung für Verdienststeigerungen.


Wie lauten die Top-5-Tipps um Zeit, Geld und Fähigkeiten besser managen zu können – um am besten gleich heute damit anzufangen?

1. Entscheiden, welche Tätigkeiten am meisten der vier Zeitwerte Sinn, Genuss, Kapazitätsaufbau und Geld  bringen und alles andere weglassen.

2. Versuchen, weniger attraktive Tätigkeiten miteinander zu verbinden (Zum Beispiel Sport und Weg zur Arbeit)

3. Pausen machen, Auszeiten nehmen, weniger aber dafür bewusster essen/kaufen/Informationen aufnehmen.

4. Nicht auf die Verkaufsstrategien teurer und inneffizienter Geldanlagen hereinfallen, sondern Geld transparent, liquide und renditestark anlegen.

5. In vielen Fällen kann das eine regelmäßige und langfristige Investition in Aktienportfolios bedeuten, die von seriösen unabhängigen Profis gemanagt werden.