REHABILITATION | Innovationen

Bedarfsgerechte

Rehabilitation

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Die Pensionsversicherung bietet in ihren eigenen Gesundheitseinrichtungen jene Gesundheitsleistungen an, die gesundheitlich beeinträchtigte Menschen benötigen, um arbeitsfähig zu bleiben oder wieder arbeitsfähig zu werden. Einen Einblick in innovative Entwicklungen gibt Manfred Anderle, Obmann der Pensionsversicherungsanstalt (PVA).

Wir achten besonders auf die beruflichen

und privaten Umstände, indem zum

Beispiel stationäre Rehabilitation teilweise durch ambulante ersetzt wird.


Manfred Anderle, Obmann der Pensionsversicherungsan- stalt (PVA)





Welchen Stellenwert hat die Rehabilitation im österreichischen Gesundheitswesen?

Die Rehabilitation hat bereits heute einen zentralen Stellenwert, dieser wird aber in den kommenden Jahren bestimmt noch steigen. Das erkennt man unter anderem in den immer höher werdenden Aufwendungen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass man für jeden in medizinische Rehabilitation investierten Euro fünf Euro an Produktivität und Wachstum zurückerhält. Es zahlt sich also im wahrsten Sinne des Wortes aus. Wir wissen aber auch, dass die Menschen länger leben, aber immer früher krank werden.


Welche Innovationen kennzeichnen die aktuelle Entwicklung der Rehabilitation in Österreich?

Grundgedanke der Rehabilitation ist es, dass Menschen nach einer Krankheit wieder am beruflichen und gesellschaftli- chen Leben teilnehmen. Arbeitswelt und Freizeitgewohnheiten ändern sich rasant. Auch die Rehabilitation muss sich dem stellen. Gleichzeitig wird sich die Rehabilitation der Zukunft weiter spezialisieren müssen, um eine bestmögliche Versor- gung sicherzustellen.


Welche Innovationen gibt es in der PVA in diesem Bereich?

Mit ihren 17 eigenen Einrichtungen und mit rund 90 Vertragspartnern kann die PVA die Rehabilitation bedarfsgerecht in ganz Österreich abdecken und verfügt darüber hinaus über großes Wissen, Erfahrung und Know-how. Mit dem Masterplan Rehabilitation, der seit 2016 in einer Pilotphase getestet wird und nun nach und nach auf ganz Österreich ausgerollt wer- den soll, hat die Pensionsversicherungsanstalt einen neuen Meilenstein gesetzt.


Was sind die wichtigsten Punkte aus dem Masterplan Rehabilitation und wie ist der Stand der Umsetzung?

Der innovative Masterplan Rehabilitation stellt Flexibilisierung und Spezialisierung in den Mittelpunkt. Mit dem Masterplan kommt es zur Verbesserung der Vereinbarkeit zwischen Rehabilitation auf der einen und Beruf und Familie auf der anderen Seite und zu einem verstärkten Fokus auf spezielle berufliche Herausforderungen. Die einzelnen Teile des Masterplans, die von der Aufnahme bis zur Entlassung reichen, sind derzeit in der Pilotphase. Wenn er erfolgreich ist, hoffen wir, die einzel- nen Teile so schnell wie möglich fix in unseren Einrichtungen integrieren zu können.


Welche Zielgruppen werden vorrangig angesprochen?

Die Zielgruppen ergeben sich aus dem Auftrag, der lautet, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, Pflegebedürftigkeit zu vermei- den bzw. den Status der Pflegebedürftigkeit zu verbessern. Damit sind natürlich Erwerbstätige gemeint, aber selbstver- ständlich auch Pensionisten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen Rehabilitation und Vor- sorge. Während Ersteres nach einer schweren Krankheit angewandt wird, ist die Gesundheitsvorsorge eine freiwillige Leis- tung, die der Vorbeugung dient.


Menschen möglichst lange und gesund im Betrieb zu halten, ist ein wichtiger Faktor für Arbeitnehmer und Arbeit- geber. Wie kann eine verstärkte Rücksichtnahme auf die berufliche und private Situation der Betroffenen gelingen? Gibt es hier konkrete Ansätze und Pläne?

Die Arbeitswelt ändert sich und damit auch die Anforderungen an die Rehabilitation und Vorsorge. Die PVA ist bemüht, diesem Gedanken verstärkt Rechnung zu tragen. So wird besonders auf die beruflichen und privaten Umstände Rücksicht genommen. Zum Beispiel kann, wenn es medizinisch möglich ist, die stationäre Rehabilitation teilweise durch eine ambu- lante ersetzt werden. Das ist für Patienten interessant, die nicht mehrere Wochen von Familie oder Arbeitsplatz entfernt sein wollen.  Auch bei dem neuen Programm RehaJet, Rehabilitation für Job, Erwerbsfähigkeit und Teilhabe, wird der per- sönliche Arbeitsplatz in das Trainingsprogramm integriert, indem anhand spezieller Trainingsgeräte berufliche Handlungs- abläufe simuliert werden.


RehaJet soll in diesem Jahr weiter ausgerollt werden. Was waren die wichtigsten Erfahrungen und Ergebnisse?

Wir haben in den drei Einrichtungen, in denen Teile des Projektes erprobt wurden, sehr positive Rückmeldungen erhalten. Sowohl von medizinischer Seite als auch von Seiten der Patienten. Daher besteht nun der Plan, dies im Laufe des Jahres in all unseren Einrichtungen anzubieten.