MEDIZINISCHE FORTBILDUNG & KARRIERE | Ärztemangel

Bundesländer kämpfen um Jungärzte

Aktuell können österreichweit rund 130 Kassenstellen nicht besetzt werden, mehr als 80 davon sind Stellen von niedergelassenen Allgemeinmedizinern. Dringend notwendig sind daher Anreize, um den Beruf wieder attraktiv zu machen.

Vorarlberg startete bereits vor drei Jahren ein Pilotprojekt zum Ausbau von Lehrpraxen für Jungärzte. Um auch Nachwuchs für Spitäler ins Land zu holen, gehen Ärztevertreter aktiv an den Universitäten werben und locken mit familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen, guter Bezahlung, Bürokratieabbau und einem Mentoringsystem in der Ausbildung. Das Land Burgen- land steuert zur Herstellung einer neuen Praxis für Allgemeinmediziner im Burgenland 50.000 Euro bei. Außerdem stellt das Land Stipendien für Landärzte in Höhe von 500 Euro monatlich zur Verfügung, wenn sie sich verpflichten, zumindest fünf Jahre im Burgenland als Allgemeinmediziner tätig zu sein.

Junge Ärzte für Niederösterreich zu gewinnen, um langfristig die Versorgung im Bundesland zu gewährleisten, wird auch vonseiten der Landeskliniken-Holding unterstützt, etwa mit Vorbereitungskursen auf die Zulassungsprüfung zum Studium. Immerhin sind 1.600 Studienplätze an den österreichischen Unis verfügbar, 16.000 Bewerbungen zeigen auch reges Inter- esse. Um die Jungärzte zu halten und Absolventen ins Land zu locken, bietet die Landeskliniken-Holding eine Million Euro für Aus- und Weiterbildung mit eigenen Programmen für die Turnusärzte auf. Schon während des Studiums besteht die Möglichkeit, Praxis zu erwerben. rh


Nachgefragt bei...


... Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, VP Dr. Michael Schriefl, Arzt für Allgemeinmedizin in Mörbisch am See

Wie kann der Standort Burgenland attraktiv für junge Ärzte werden, die in die Niederlassung gehen wollen?

Es gibt nicht die eine Lösung dafür, es muss bei mehreren Punkten angesetzt werden. Zunächst ist die Thematik Lehr- praxis, konkret das Finanzierungsloch dabei, schleunigst zu lösen: Hier liegen unsere Vorschläge beim Land und war- ten auf die überfällige Umsetzung. Die Unsicherheit der Jungärzte, ihre Ausbildung auch abschließen zu können, ist für die Ergreifung des Berufes Landarzt nicht gerade förderlich. Die Unsicherheit im Sinne einer Planungssicherheit für die Ärzteschaft ist – österreichweit gesehen – überhaupt ein Hemmschuh für an der Niederlassung interessierte Ärzte. In den letzten Jahren hat die Gesundheitspolitik mit Themen wie erleichterte Kündigungsmöglichkeiten von Kassenverträ- gen, Mystery Shopping in den Ordinationen, Bevorzugung von Primärversorgungszentren vor Einzelordinationen bei niederlassungswilligen Ärzten nicht gerade ein „Sicherheitsgefühl“ ausgelöst. Es wird sich in einem solchen Klima jeder überlegen, ob er zigtausende Euro in eine Niederlassung investiert.


Was muss sich konkret an den Arbeitsbedingungen ändern?

Speziell im allgemeinmedizinischen Bereich muss sich etwas an den überlangen Bereitschafts- und damit Arbeitszeiten der Hausärzte im Burgenland ändern. Mit dem Pilotprojekt Akutordination Oberwart ist dies dort eindrucksvoll gelun- gen; dieses muss schleunigst auf das gesamte Bundesland ausgerollt werden.


Wo sind die größten Schwachstellen?

Die Zugangsbeschränkung zum Studium ist eines der größten Probleme. Verstärkt wird dies durch den Umstand, dass mehr als ein Drittel der Studiumabsolventen in Österreich nie den ärztlichen Beruf ausübt!


Wie muss aus Ihrer Sicht eine sinnvolle „Förderung“ aussehen?

Die Idee vom Land Burgenland, Stipendien an Medizinstudenten zu vergeben, die sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach ihrer Ausbildung einige Zeit im Burgenland tätig zu sein, ist grundsätzlich zu begrüßen. Das ist aber ein Zehnjah- resprojekt, denn die ersten fertigen Ärzte nach diesem Modell, die ihre Arbeitskraft dem Burgenland zur Verfügung stel- len können, gibt es erst in zehn Jahren. Dann sind aber viele der derzeit tätigen Ärzte schon in Pension. Es braucht ra- scher greifende Maßnahmen. Der Vorschlag, dass das Land hier über die Gemeinden Einmalförderungen für Ärzte, die sich demnächst und damit konkret niederlassen wollen, auszahlen möchte, wird von uns ebenfalls unterstützt.


Welche konkreten Vorschläge sind es, die jetzt schon auf Umsetzung warten?

Einerseits handelt es sich um den Vorschlag der Systemumstellung des Bereitschaftsdienstes für die niedergelassenen Allgemeinmediziner in Richtung Roll-out des Erfolgsmodelles Akutordination Oberwart auf das gesamte Burgenland. Der zweite konkrete Vorschlag betrifft die Lehrpraxis-Finanzierung: Hier sollen die Turnusärzte in den Spitälern für die Zeit der Lehrpraxis angestellt bleiben und den einzelnen Lehrpraxen dienstzugeteilt werden. Dies wäre eine Win-win- Situation für alle Beteiligten: Auf den Lehrpraxisinhaber kommen keine Kosten und keine erhöhte Bürokratie für SV-An- meldung etc. zu, der Turnusarzt hat keine Einkommenseinbußen zu erleiden, da er im Spital weiterhin Nachtdienste leis- ten kann, und den Rechtsträgern der Spitäler wird so die Aufrechterhaltung der Diensträder ermöglicht.