Medizin: Gyn & Geburtshilfe | Wochenbett

Hebammen-Betreuung:

Chancen nützen!

Fotos: Clement van Dam, Fotolia/ Kzenon

Hebammen sind in der idealen Position, um einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und Lebensweise von Frauen und ihren Familien nehmen zu können. Hebammen sind die einzige Berufsgruppe, die so nah, niederschwellig und ganzheitlich Mutter und Kind gleichzeitig betreuen kann.


Autorin:

Johanna Sengschmid

Hebamme im extramuralen Wochenbett in Wien, Stellvertreten- de Leiterin der Landesgeschäftsstelle Wien des Österreichi- schen Hebammengremiums


Für das Wochenbett ist im Gesamtvertrag mit der Krankenkasse geregelt, dass diese Betreuung bis zu acht Wochen nach der Geburt möglich ist. Dass jede Frau mit ihrem Neugeborenen in dieser ersten Phase nach der Geburt auch zu Hause betreut wird, ist eine große Chance, die derzeit nicht ausgeschöpft wird.

Die derzeitige Situation zeigt, dass wir Hebammen uns darauf einstellen können, dass die Frauen nach der Geburt im Krankenhaus immer früher entlassen werden. War es am Beginn meiner Berufskarriere in den frühen 1980ern noch etwa der fünfte, sechste Tag nach der Geburt, so ist es heute im Schnitt der vierte Tag, wobei die sehr viel höhere Kaiserschnitt- rate natürlich den Schnitt hebt. Wie wir wissen, werden die Frauen nach einer Spontangeburt meist am dritten, immer öfter auch am zweiten Tag entlassen. Das ist natürlich grundsätzlich sehr begrüßenswert, aber nur, wenn eine Hebammenbe- treuung gewährleistet ist.


Zeitfenster nutzen

Die ersten Wochen nach der Geburt sind eine besonders prägende Zeit. Die Hebamme ist als Expertin des Übergangs und als Begleiterin der ihr anvertrauten Frauen und Familien gefordert, damit im Sinne von Prävention und Gesundheitsför- derung die Stärkung der Frau in ihrer Mutterrolle gelingen und elterliche Kompetenz wachsen kann. Die Zeit nach der Ge- burt ist ein Zeitfenster im Lebenslauf, in dem besondere Empfindlichkeiten zum Erwerb bestimmter Fähigkeiten aktiviert sind. Dieses Zeitfenster ist von vorübergehender Dauer. Das gilt es zu nutzen.

Ein ganzes System von natürlichen Ressourcen für eine gesunde Eltern-Kind-Bindung steht bereit. Es kann jedoch nur dann optimal genutzt werden, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. Dafür sollten die physiologischen und psychosozia- len Prozesse im Wochenbett zwar professionell begleitet werden, aber möglichst ungestört ablaufen können. Das gelingt am besten zu Hause. Vor allem die ersten zehn Tage nach der Geburt sind geprägt von großen Schwankungen bei Mutter und Kind. Es finden wichtige Prozesse der körperlichen und emotionalen Umstellung statt. Die Weichen für einen erfolgrei- chen Stillverlauf werden gestellt, Wundheilung, Gebärmutterrückbildung und hormonelle Umstellung sind voll im Gang.

Die Krankenkassen finanzie- ren seit 1. Jänner 2017 Haus- besuche einer Hebamme nach der Geburt, unabhän- gig davon, am wievielten Tag die Frau und das Neugebore- ne das Krankenhaus verlas- sen. Wie beurteilen Sie grundsätzlich diese Entwick- lung?

Sehr positiv. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung!


Wo sehen Sie die Vorteile für die Patientinnen in der Zu- sammenarbeit mit Hebam- men?

Sie haben eine persönliche Ansprechpartnerin mit ausrei- chend Zeit in einer besonders sensiblen, weichenstellenden Phase der Lebensumstellung. Das gilt in besonderem Maß für eine Erstgeburt..

Bringt diese Regelung eine Entlastung für die Gynäkolo- gen?

Kaum. Diese Frauen sind ja entlassen und anstelle derer lie- gen andere in demselben Bett. Aber Hebammen stellen nach meiner Erfahrung in dieser Zeit Wissen und Erfahrung zur Ver- fügung, das bei Gynäkologen nicht in dem Maß vorhanden ist.


Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach der Ge- burt wird immer kürzer, ist das aus medizinischer Sicht sinnvoll?

Ja, aber nur dann, wenn Be- treuung zu Hause zur Verfü- gung steht. Einerseits geht es dabei um Alltagsdinge wie älte- re Geschwister versorgen, Haushalt führen oder einkau-

fen. Dafür sollte Hilfe im Sinne ei- ner Heimhilfe zur Verfügung ste- hen. Die frühzeitige Entlassung soll der Wöchnerin die Möglichkeit bieten, einerseits das Neugebore- ne in der gewohnten Umgebung kennenzulernen und andererseits zu einem erfolgreichen Stillen zu führen. Das erfordert die dichte Begleitung durch eine Hebamme.


Welche Randbedingungen sind für eine gute Betreuung zu Hau- se erforderlich?

Meiner Meinung nach sollte eine individualisierte Betreuung durch Hebammen jeder Frau durch Schwangerschaft, Geburt und Wo- chenbett zur Verfügung stehen. Das würde zu höherer Zufrieden- heit der betroffenen Frauen und Hebammen sowie niedrigeren In- terventionsraten führen und letzt- lich zu geringeren Kosten.

Acht Wochen – längst nicht mehr im Bett!

Der medizinischen Definition zufolge dauert das Wochenbett acht Wochen und ist nach der gesetzlichen Definiti- on auch ein Teil des Mutterschutzes, der sich in einem achtwöchigen Arbeitsverbot nach der Geburt ausdrückt. Besonders das frühe Wochenbett in den ersten ein bis zwei Wochen ist eine Zeit enormer körperlicher, seelischer und sozialer Veränderungen. Der Begriff Wochenbett geht auf seine ursprüngliche Bedeutung zurück. Früher ver- brachte die junge Mutter die erste Woche tatsächlich im Bett – oft der einzige „Urlaub“ im Leben einer Frau. Dar- über hat die Hebamme auch streng gewacht. Die Frau wurde idealerweise von einer Großfamilie oder Dorfge- meinschaft versorgt.

Diese Wochenbettkultur ist in unserer schnelllebigen Zeit verloren gegangen. Eine Zeit enormer körperlicher, see- lischer und sozialer Veränderungen ist das Wochenbett jedoch heute genauso wie früher. Wochenbett heißt: ge- nügend Zeit, das Bonding fördern, Ruhe, notwendige Pflege und Fürsorge gewährleisten, äußere Reize minimie- ren.

Und wieder: Wo könnte das besser gelingen als zu Hause, mit einer Hebamme an der Seite, die regelmäßig kommt, dadurch Sicherheit gibt und diese Sicherheit an das Neugeborene weitergeben kann? Davon profitiert auch der Rest der Familie. Junge Mütter können ihre Babys nur bemuttern, wenn sie rundherum möglichst viel Fürsorge bekommen und sich immer wieder zwischen all den vielen Fragen entspannen können.

Frauen sind ja in dieser Zeit nicht nur körperlich, sondern auch seelisch sehr offen, sensibel und schutzbedürftig. Das wird durch den hinzukommenden Schlafmangel noch verstärkt. Gerade diese Offenheit ist aber wichtig, da- mit die Frau sich ganz ungestört auf den neuen Menschen einstellen, ihn kennenlernen und seine „Sprache“ ver- stehen lernen kann. Oft erlebe ich allerdings sehr beschäftigte Eltern, die denken, Arztbesuche und Amtswege erledigen zu müssen, auswärtige Gewichtskontrolle und Nahtentfernung nach Kaiserschnitt stehen am Pro- gramm. Oft sind die Eltern viel unterwegs und dadurch gestresst. Dabei kann all das auch die Hebamme über- nehmen bei ihren Hausbesuchen.

Still- und Fütterungsprobleme

In meiner täglichen Praxis treffe ich oft auf Mütter und Eltern, die viele Unsicherheiten haben. Das große Abenteu- er Geburt verstellt in der Schwangerschaft häufig den Blick auf die Zeit danach. Umso überraschender tauchen dann die Fragen auf. Nach dem Glückstaumel, dem Hormoncocktail der ersten Tage landen die Frauen in der Realität, in ihrem häuslichen Umfeld und sind oft voller Unsicherheiten und Fragen: Warum tut das Stillen so weh? – Und eine kleine Korrektur bei der Anlegetechnik bringt schon Entspannung. Warum schreit mein Baby auch noch, wenn ich es schon gestillt habe? Hat es Blähungen? Bekommt es genug Milch? Was bedeutet der rote Fleck auf meiner Brust?  Wenn ich regelmäßig Mutter und Kind besuche, vor allem während der ersten Tage, bis das Stillen gut etabliert ist und die Gewichtszunahme des Kindes gut verläuft, dann ist die Wahrscheinlichkeit von Still- und Fütterungsproblemen um vieles geringer.

Hausbesuche durch die Hebamme ermöglichen der Frau, das frühe Wochenbett möglichst liegend zu verbringen. Die Hebamme achtet darauf, dass sich die Frau von der Geburt gut erholt und die körperlichen Rückbildungspro- zesse gut verlaufen. Die Hebamme hört zu. In den ersten Tagen nach dem großen Abenteuer ist das Erzählen von der Geburt ein wichtiger Faktor, damit die Frau das Geschehen immer besser in ihre Lebensgeschichte einordnen kann. Die Hebamme kontrolliert die regelgerechte Gebärmutterrückbildung, berät bei Geburtsverletzungen und nach Kaiserschnitt und zeigt Rückbildungsübungen für den Beckenboden. Sie schaut darauf, dass sich das Neu- geborene gut entwickelt und gibt den Eltern Sicherheit bei seiner Pflege, im Speziellen auch bei der Nabelpflege. Sie beobachtet den Gewichtsverlauf des Neugeborenen, nimmt Blut für das Neugeborenenscreening (PKU) ab und kontrolliert den Verlauf der Neugeborenengelbsucht (Bilirubin).

Großen Raum bei den Wochenbettbesuchen nimmt die Ernährung des Babys ein. Die Hebamme berät und unter- stützt dabei, besonders beim Stillen, beim korrekten Anlegen, um das Wundwerden der Brustwarzen zu verhin- dern. Sie zeigt verschiedene Stillpositionen, gibt Informationen, um Brustentzündungen vorzubeugen, und vieles mehr.

Die Krankenkassen finanzieren seit 1. Jänner 2017 Hausbesuche einer Hebamme nach der Geburt, unabhängig davon, am wievielten Tag die Frau und das Neugeborene das

Krankenhaus verlassen. Wie beurteilen Sie grundsätzlich diese Entwicklung?

Hebammen sind das Herz jeder guten Geburtshilfe. Nicht nur, dass die junge Mutter Sicherheit im Umgang mit dem Neugeborenen, dem Stillen und der Babypflege bekommt, kann eine erfahrene Hebamme alle medizi- nisch relevanten Erkrankungen des Wochenbettes frühzeitig erkennen und entweder selbst lösen oder einen raschen Facharztbesuch erwirken. Die Hebammenvisiten sind in den meisten europäischen Ländern selbstver- ständlicher Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung. Ich bin sehr dankbar, dass dies nun auch in Österreich jeder jungen Mutter zugutekommt.


Wo sehen Sie die Vorteile für die Patientinnen in der Zusammenarbeit mit Hebammen?

Da die Großfamilie in Österreich eine Seltenheit geworden ist, lernen junge Mädchen und Frauen den Umgang mit Neugeborenen nicht mehr. Früher konnte man sich alles in den Großfamilien „abschauen“. Viele Erstgebä- rende haben noch nie ein Baby im Arm gehabt, geschweige denn gebadet und versorgt. Jungen Müttern fehlt die Erfahrung darin, wie viel das Kind zunehmen muss, wie lange man zwischen dem Stillen pausieren kann, wie eine laktierende Brust zu behandeln ist und vieles mehr. Eine Hebamme nimmt sich Zeit, erklärt, hilft und fängt viele psychische Alterationen im Wochenbett ab.


Bringt diese Regelung eine Entlastung für die Gynäkologen?

Unbedingt! Die erste Anlaufstelle der jungen Mutter ist die Hebamme. Die Kontaktaufnahme ist meist nieder- schwellig, direkt, unkompliziert und rasch. Bis man seinen Gynäkologen aufsuchen kann, vergehen meist eini- ge Tage, in denen der Leidensdruck der Frau unnötig anwächst, und die meisten Probleme können von der Hebamme gelöst werden.


Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach der Geburt wird immer kürzer, ist das aus medizinischer Sicht sinn- voll?

Nicht unbedingt, da Patientinnen, die zu früh in eine fachlich unbetreute Umgebung entlassen werden, oft mit schweren Stillproblemen bis hin zu postpartalen Depressionen wieder vorstellig werden. Während des stationä- ren Aufenthaltes lernt die Frau den Umgang mit dem Kind, wird durch den mitunter recht dramatischen Milch- einschuss geführt, gewinnt Sicherheit und Ruhe in der Babybetreuung und findet sich so besser zu Hause zu- recht. Allerdings kann eine verlässliche Hebammenbetreuung zu Hause den verkürzten Krankenhausaufenthalt nach der Geburt sehr gut kompensieren.


Welche Randbedingungen sind für eine gute Betreuung zu Hause

erforderlich?

Ideal wären eine möglichst rund um die Uhr erreichbare Hebamme, eine elektrische Milchpumpe und ein liebe- voller, unterstützender Partner.

 Die Krankenkassen finanzieren seit 1. Jänner 2017 Hausbesuche einer Hebamme nach der Geburt, un- abhängig davon, am wievielten Tag die Frau und das Neugeborene das Krankenhaus verlassen. Wie be- urteilen Sie grundsätzlich diese Entwicklung?

Diese Entwicklung sehe ich sehr positiv, allerdings muss es jetzt zu einer Aufstockung der Kassenverträge für Hebammen in Wien kommen, damit die Betreuung der Frauen zu Hause überhaupt gewährleistet werden kann. Jede Frau hat Anspruch auf eine Kassenhebamme.


Wo sehen Sie die Vorteile für die Patientinnen in der Zusammenarbeit mit Hebammen?

Die Hebamme ist die Spezialistin für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillen. Die Hebamme steht für alle Fragen und Anliegen der Frauen zur Verfügung und erkennt Probleme, bei denen eine Ärztin zugezogen werden muss. Hebammen sind für gerade Mutter gewordene Frauen oft die einzige kompetente Ansprechpart- nerin.


Bringt diese Regelung eine Entlastung für die Gynäkologen?

Sie bringt eine Entlastung dahingehend, dass die Hebammen mögliche Probleme sehr früh erkennen und lösen können, bevor es zu wirklichen Problemen kommt, zum Beispiel Milchstau, Brustentzündung, Stillprobleme, postpartale Depression, aber auch kindliche Probleme wie mangelnde Gewichtszunahme oder Neugeborenen- gelbsucht.


Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach der Geburt wird immer kürzer, ist das aus medizinischer Sicht sinnvoll?

Die Aufenthaltsdauer nach einer Geburt möglichst kurz zu halten, ist eine positive Entwicklung, obwohl sie wohl hauptsächlich aus ökonomischen Gründen forciert wird. Eine gesunde Mutter und ein gesundes Kind sind meist zu Hause am besten aufgehoben, wenn entsprechende Unterstützung gegeben ist. Das ist zum einen der Partner oder die Familie, zum anderen eine Hebamme, die bei Frühentlassung die Fachperson sowohl für medizinische als auch soziale Belange ist.


Welche Randbedingungen sind für eine gute Betreuung zu Hause erforderlich?

Ausreichend Kassenverträge für Hebammen, zeitgemäße finanzielle Abgeltung für die Hebammen, gute Zu- sammenarbeit zwischen Hebammen und Ärztinnen, falls es Probleme gibt, die eine ärztliche Intervention nötig machen.

Die Krankenkassen finanzieren seit 1. Jänner 2017 Hausbesuche einer Hebamme nach der Ge- burt, unabhängig davon, am wievielten Tag die Frau und das Neugeborene das Krankenhaus verlassen. Wie beurteilen Sie grundsätzlich diese Entwicklung?

Ich finde diese Entwicklung sehr gut!


Wo sehen Sie die Vorteile für die Patientinnen in der Zusammenarbeit mit Hebammen?

Die Schwangeren und Gebärenden haben meist we- nig Erfahrung, vor allem wenn es um das erste Kind geht. Nachdem wir alle nicht mehr in Großfamilien- Settings leben, haben viele von ihnen auch wenig Unterstützung innerhalb der Familie. Die Betreuung durch Hebammen gibt diese Unterstützung und dazu auch eine große Portion Sicherheit, die in die- ser Phase sehr wichtig ist.


Bringt diese Regelung eine Entlastung für die Gy- näkologen?

Bis zur sechsten Woche nach der Geburt sehe ich in der Regel die Patientinnen gar nicht, daher ist die Hebammenarbeit in dieser Zeit besonders hilfreich für die Patientinnen. Danach ist eine gynäkologische Kontrolle der Mutter wichtig, hier sehe ich aber keine

Konkurrenz, denn meine Arbeit setzt ganz woanders an. Unsere Aufgaben ergänzen sich ideal.


Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach der Geburt wird immer kürzer, ist das aus medizini- scher Sicht sinnvoll?

In England werden die Frauen auch schon nach zwei Tagen entlassen, es hängt einfach davon ab, welche Nachbetreuung es dann gibt. Mit der Lö- sung der Hebamme auf Kassenkosten sehe ich hier aber einen guten Weg. Frauen müssen aufgeklärt werden, denn viele wissen nicht, dass es das Ange- bot gibt. Auch die Hebammenberatung im Mutter- Kind-Pass ist vielen unbekannt. Hier ist mehr öffent- lichkeitswirksame Aufklärung erforderlich, die kann der Gynäkologe nicht allein übernehmen.


Welche Randbedingungen sind für eine gute Be- treuung zu Hause erforderlich?

Sofort nach der Entlassung wäre eine sehr engma- schige Betreuung wichtig. Am Anfang sollte eine Hebamme täglich kommen, danach können sich die Besuchsrhythmen reduzieren, je nach den Bedürf- nissen von Mutter und Kind. Das ist aber natürlich eine Frage der Finanzierung.

Prävention im Fokus

Wir Hebammen haben mit kontinuierlichen Hausbesuchen die Möglichkeit, direkt im sozialen Umfeld der Frau rechtzeitig Regelwidrigkeiten zu erkennen und diesen fachgerecht zu begegnen. Ich kann erkennen, ob eine Frau gefährdet ist, eventuell in eine Depression zu rutschen und entsprechend reagieren.

Jede sechste Frau ist in irgendeiner Weise von einer Form der sogenannten Wochenbettdepression betroffen. Meist zeigt sich diese erst nach vielen Wochen als Erschöpfungsdepression. Jede Frau erhält von mir beim Ab- schlussgespräch entsprechende Informationen und weiß, an wen sie sich wenden kann, idealerweise im ersten Schritt an ihre Hebamme.

Hebammenarbeit ist auch eine große Chance der Gewaltprävention, Möglichkeiten der Kindesvernachlässigung frühzeitig wahrzunehmen, posttraumatische Belastungsstörungen und postpartale Depressionen rechtzeitig zu erkennen, fachgerecht zu reagieren und sorgsam weiterzuleiten. Dabei ist bei Bedarf die Vermittlung an die „Frühen Hilfen“ eine wichtige Möglichkeit der Unterstützung.

Durch kontinuierliche Hausbesuche können Hebammen den Frauen frühzeitig Sicherheit geben, also nicht erst dann, wenn die Not schon besonders groß ist. Teenagermütter, Frauen in schwierigen sozialen Verhältnissen, geflüchtete Frauen, Migrantinnen, Frauen nach Totgeburten, Frauen nach Kaiserschnitt, Frauen mit Mehrlingen benötigen besonders viel Unterstützung. Der umsichtig begleitete Anfang des Lebens ist eine große Chance. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für gute Investitionen in die Zukunft.