IMMOBILIEN | Betongold

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Gold oder Betongold

„Gold muss man haben.“ – „Nur Aktien rechnen sich langfristig als Geldanlage“. „Nur Betongold ist sicher.“ Welche Aussage aber stimmt. Gold oder doch Betongold?

Wer hat nicht schon diesen Satz gehört: „Wenn man im Jahr X in das Unternehmen XX investiert hätte, dann hätte man heute …“. Im Einzelfall mag das auch stimmen. So mancher Apple-Liebhaber kann ein Lied davon singen. Wer Apple-Akti- en am 23. September 1988 in sein Depot legte, musste für eine Aktie 1,56 Dollar zahlen und darf sich über eine Wertstei- gerung von 19.033,74 Prozent auf 220,03 Dollar freuen. Aus einem Investment von 10.000 Dollar wären 1.903.373,79 Dol- lar geworden (zuzüglich Dividenden – aber das ist eine andere Geschichte). Bei dieser Erfolgsstory schauen selbst erfolg- reichste Immobilieninvestments mehr als schlecht aus. Keine Frage: Apple ist ein Ausreißer. Aber aus einem im Dezember des Vorjahres veröffentlichten Working Paper „The Rate of Return on Everything, 1870–2015“ der „Federal Reserve Bank of San Francisco“ geht hervor, dass die Langfristperformance von Aktien durchaus nicht unschlagbar ist. Das Paper basiert auf einer Studie von Oscar Jorda, Katharina Knoll, Dmitry Kuvshinov, Moritz Schularick und Alan M. Taylor. Die Ökonomen haben untersucht, welche Anlageklassen sich aus Risiko- und Renditegesichtspunkten für Anleger am meisten lohnen. Das Ergebnis ist überraschend. Auf lange Sicht liegt der Ertrag von risikoreichen Vermögensklassen (Assets) zwischen 6 und 8 % im Jahr. Immobilien erbringen ungefähr den gleichen Ertrag wie Aktien. Dabei waren nach dem zweiten Weltkrieg die Schwankungen an den Aktienmärkten weitaus ausgeprägter und weltweit synchroner als in den Immobilienmärkten. Letztere schwankten deutlich weniger und waren zudem global voneinander unabhängig.


Rendite gleich, Risiko geringer

Anleger möchten ihr Geld mit möglichst hoher Rendite, aber geringem Risiko anlegen. Lässt man das Risiko einmal beisei- te, sind Aktien und Immobilien, langfristig gesehen, die vielversprechendsten Möglichkeiten, das eigene Vermögen zu ver- mehren. Die Realrendite eines Aktienportfolios beläuft sich im Schnitt auf mehr als 8 %, Immobilienanleger kommen auf nur marginal weniger Rendite. Der große Unterschied ist die Volatilität. Aktienbesitzer durchleben verschiedene Phasen, in de- nen ihre Papiere teils sehr stark schwanken können. Selbst ein gut diversifiziertes Depot kann eine starke Volatilität aufwei- sen – abhängig auch von wirtschaftlichen und geopolitischen Gegebenheiten. Wohnimmobilien hingegen schwanken in ihrem Wert deutlich weniger stark als Aktien, wie die Ökonomen in ihrer Studie feststellen konnten. Immobilieninvestments sind also in der Lage, das Dilemma vieler Anleger, die sich zwischen Rendite und Risiko entscheiden müssen, zu lösen. Einer der Autoren der Studie, Moritz Schularick, der als Ökonomieprofessor an der Universität Bonn tätig ist, zeigt sich überzeugt: Wohnimmobilien sind eine sehr lukrative Geldanlage und relativ sicher. Tatsächlich hält Schularick Wohnimmo- bilien für „die beste Investition, die man in den vergangenen 140 Jahren unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten machen konnte“. Einer der von ihm genannten Gründe: Auch während einer Rezession bleiben Mieteinnahmen weitgehend stabil, während Unternehmen bei Dividendenzahlungen durchaus Spielraum haben und diesen in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten auch nutzen und die Ausschüttung im schlimmsten Fall sogar ausfallen kann. Neben der verhältnismäßig hohen Kri- senresistenz haben Immobilien laut Schularick aber noch einen weiteren Vorteil: „Es gibt eine Reihe an staatlichen Anrei- zen, Immobilien zu erwerben“, erklärt der Experte. Neben staatlichen Förderungen für die eigene Wohnimmobilie gebe es eine Reihe weitere staatliche Zulagen oder steuerlicher Vorteile für Immobilienbesitzer.


Ist Gold wirklich so zuverlässig?

Langfriststudien machen wenig Mut: Seit 1900 hat der Goldpreis real lediglich um 0,7 % pro Jahr zugelegt, wie das „Credit Suisse Yearbook of Investment Returns“ aufzeigt. Nicht nur das. Über Jahrzehnte hinweg, zum Beispiel zwischen 1900 und 1930 und zwischen den 40er- und 70er-Jahren, warf Gold überhaupt keine Rendite ab. Auch um die Jahrtausendwen- de gab es Einbußen. Und wer 2011 oder 2012 kaufte, auf dem Höhepunkt der Eurokrise – der hat zwischenzeitlich Verluste von bis zu 30 % gemacht.

Dass Gold dabei eine durchaus riskante Anlage sein kann, zeigt die Schwankungsbreite (oder: Volatilität). Die Kennzahl hält fest, wie stark sich in einem bestimmten Zeitraum der Wert einer Anlage von ihrem Durchschnittswert im selben Zeit- raum entfernt – nach oben wie nach unten. Bei Gold betrug sie zwischen 1900 und 2017 durchschnittlich 16,7 % pro Jahr. Gold schwankt damit ähnlich stark wie ein Index mit Aktien aus der ganzen Welt, hier beträgt die Abweichung 17,4 %. Der Unterschied aber: Der globale Aktienindex erzielte pro Jahr eine Durchschnittsrendite von 5,2 %. Bei ähnlichem Risiko hät- ten Aktien also einen viel höheren Ertrag gebracht. Im Zusammenhang mit Aktien heißt es außerdem, dass der Goldpreis entgegengesetzt zu den Aktienkursen laufe: Brächen die Börsen ein, steige der Goldpreis. Bloß stimmt auch das nicht im- mer. Zwar gab es regelmäßig Phasen, in denen Aktienkurse sanken und Gold an Wert gewann, etwa im Zuge der Finanz- krise 2008. In den 80er-Jahren aber war es anders: Aktien fielen, der Goldpreis auch.


Gold sichert ab

Dem allen zum Trotz liest man auf der Website der Münze Österreich: Derzeit wird allgemein empfohlen, etwa

5 bis 10 % des Vermögens in Gold anzulegen. Je höher das Risiko der sonstigen Veranlagungen ist, umso höher sollte auch der Goldanteil sein. Der Blick in die Vergangenheit ist das eine, der Blick in die Zukunft das andere. Wie sagte schon Mark Twain: „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“. Wie wird sich der Goldpreis entwickeln? Gold gilt weltweit als Krisenwährung. Entsprechend steigt der Goldpreis in Krisenzeiten oft stark an. Üblicherweise sinkt er wieder, wenn eine Krise abflaut. Nach der Finanzmarktkrise und der Staatsschuldenkrise in Europa stehen jetzt andere Themen an. Zum einen ist dies die von den USA ausgehende Zinswende. Auch im Rest der Welt beginnen die Zinsen all- mählich wieder zu steigen. Die Renditen werden zwar nur langsam nach oben gehen, denn das Tempo der Leitzinsanhe- bungen in den USA ist sehr zögerlich. Außerdem sind andere große Notenbanken wie die EZB mit dem Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik extrem vorsichtig. „Doch auch mit leicht steigenden Zinsen werden die Opportunitätskosten der Goldhaltung höher, Gold wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver“, schreibt die Research Abteilung der Deka Bank in einem aktuellen Bericht. Zudem haben die Industrieländer die Deflationssorgen längst hinter sich gelas- sen, und die Märkte und Analysten beschäftigen sich eher wieder mit dem Thema Inflation. Zugleich ist die politische Unsi- cherheit weiterhin recht hoch. Am Ende wird man am Goldmarkt all diese Faktoren gegeneinander abwägen. „Aus unserer Sicht erscheint es am wahrscheinlichsten, dass der Goldpreis (in US-Dollar notiert) moderat fallen wird. Auf lange Sicht trauen wir dem Goldpreis nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich zu“, so die DEKA-Experten. Ein Blick in die USA scheint die Einschätzung zu bestätigen. Die Goldpreisschwäche hält trotz der langen Liste der Risikothemen weiter an. Auch von den zwischenzeitlichen Rückgängen am Aktienmarkt ließen sich die Goldmarktteilnehmer kaum beirren. Einen viel stärkeren Einfluss hatten in jüngster Zeit die wiedergewonnene Stärke des US-Dollar und das steigende Zinsniveau in den USA. Dabei sind insbesondere auch die Realzinsen angestiegen, was die zinslose Goldhaltung unattraktiver erschei- nen lässt. Hinzu kommt die schwache physische Nachfrage nach Gold. Das weltweite Goldangebot aus Minenproduktion und Altgold übersteigt die Nachfrage bereits seit fünf Quartalen in Folge.


Überhitzungsgefahr

Auch bei den Immobilien geht es nicht nur nach oben. Auch wenn ein Blick zurück diesen Anschein durchaus erwecken lässt. Die UBS schätzt in drei Vierteln von 20 untersuchten Großstädten die Immobilien entweder als stark überbewertet ein oder sieht das Risiko einer Immobilienblase. Die Gefahr ei- ner Preiskorrektur am Immobilienmarkt ist in Toronto, Stockholm und Mün- chen gemäß der Berechnung der UBS am größten. Ihr Global Real Estate Bubble Index 2017 registriert außerdem eine besonders große Steigerung der Überhitzungsgefahr für Stockholm, München und Amsterdam. Internatio- nal rechnet die UBS wegen tiefer Hypothekarzinsen, knappem Wohnungsan- gebot und einkommensstärkerer Haushalte mit weiter steigenden Immobili- enpreisen. Zusätzlich angefeuert werde die Nachfrage von chinesischen In- vestoren, die lokale Kaufinteressenten aus dem Markt verdrängten.

Und in Österreich? Der Fundamentalpreisindikator der OeNB für Wohnimmo- bilien für Wien zeigte im vierten Quartal 2017 gegenüber dem Vorquartal eine leichte Verringerung einer möglichen Überbewertung auf 19,7 % (nach 20,7 % im dritten Quartal) an. Österreichweit kam der Indikator bei 8,5 % zu liegen. Damit hat sich der Trend einer steigenden Überbewertung im Verlauf des Jahres 2017 nicht weiter fortgesetzt. Also Entwarnung.


mn