MEDIZIN |  PRP-Therapie

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Eigenplasma wirkt!

Die PRP-Therapie (Platelet Rich Plasma) nutzt autologes, aus dem Eigenblut des Patienten hergestelltes, Plasma, das ein Konzentrat von Blutplättchen enthält. Eingesetzt wird die Behandlungsmethode unter anderem bei schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates, der Heilung von chronischen und akuten Wunden, der Hautverjüngung oder der Förderung des Haarwachstums.

In der Behandlung von Krankheiten sind seit vielen Jahren körpereigene Substan- zen zum Einsatz gekommen und haben sich bewährt. Durch die industrielle Her- stellung von Medikamenten ist das körpereigene Potenzial in den Hintergrund ge- drängt worden, erlebt aber seit 15 Jahren wieder einen neuen Aufschwung. Neue Therapieansätze benutzen zum Beispiel Stammzellen, die derzeit in Studien aus körpereigenem Fettgewebe im Labor gezüchtet und angewandt werden. Diese Me- thode wird in Zukunft weiter zu beachten sein, ist aber derzeit zu aufwendig und zu kostenintensiv. Eine andere, einfachere und schnellere Methode, die mit zuneh-

mendem Erfolg ambulant eingesetzt wird, ist die Herstellung von körpereigenen Wundheilungsfaktoren aus Blutplättchen, die sogenannte Platelet Rich Plasma- oder kurz PRP-Therapie.


Heilung beschleunigt

Das PRP wird in einer sterilen Umgebung hergestellt und sofort ambulant verwendet. Um PRP anzufertigen, wird zuerst eine venöse Blutprobe entnommen. Innerhalb von 9 Minuten erfolgt die Trennung der Plättchen von den anderen Blutkomponen- ten. Durch Zentrifugation wird das Vollblut in Erythrozyten, die Thrombozyten und die weißen Blutkörperchen getrennt. Die PRP-Menge kann dabei auf das 3- bis 8-fache der Thrombozytenmenge im Blut konzentiert werden, sodass aus etwa 20 ml Vollblut rund 5 ml PRP gewonnen werden können, das verschiedene körpereigene wachstumsfördernde und ar- throsehemmende Eiweiße in konzentrierter Form enthält. Die so erhaltene Lösung wird dann in das betroffene Gelenk oder an die betroffene Struktur eingespritzt. Diese Therapie wird zum Beispiel bei Arthrose und Überlastungsschäden im All- gemeinen ein- bis dreimal im wöchentlichen Abstand durchgeführt, um eine Wirkung zu erzielen. Weil PRP das eigene Plas- ma benutzt und körpereigene Zellen/Stammzellen stimuliert, können mögliche Probleme wie Allergien oder Unverträglichkei- ten ausgeschlossen werden. Für die PRP-Therapie spricht auch noch eine Reihe weiterer überzeugender Faktoren wie weni- ge Kontraindikationen, kurze Erholungszeit und langanhaltende Ergebnisse sowie die Beschleunigung und Verbesserung der natürlichen Heilungsprozesse.


Arthrose im Griff

Das eigene Wundheilungskapital wird bei der PRP-Therapie optimal ausgenutzt. So ist sie unter anderem bei Gelenkarthrose und Überlastungsschäden (Sehnenansätze wie Achillessehne, Tennisellenbogen), einer der führenden Volkskrankheiten, indi- ziert. Die Therapie führt zu einer schnelleren Heilung, einer Reduzierung der Entzündung, einer schnelleren Wundheilung so- wie einer besseren Durchblutung des Gewebes. Dabei kommt es zu erhöhtem lokalem Auftreten von Wachstums- und Wund- heilungsfaktoren: der Proliferation und Differenzierung verschiedener Zelltypen, einer erhöhten Kollagen- und Proteoglykan- produktion sowie der Tissue Inhibitor of Metallo-Proteinases, einer erhöhten Angiogenese und der Reduzierung der Entzün- dung durch Veränderung der Cytokin-Balance hin zu antiinflammatorischen Cytokinen.


Überlastungen entgegenwirken

Bei früh- und mittelgradigen Arthrosen kommt es durch die lokale Therapie zu einer Reduzierung der Entzündung und somit zu einer besseren Durchblutung und Beweglichkeit des Gelenkes. Weiterhin hat die Therapie eine positive Wirkung auf die Knorpelzellen und den darunterliegenden Knochen. Auch positive Wirkungen auf Kreuzbänder, Menisken, Gelenkskapsel, Gelenkschleimhaut und Nerven werden diskutiert. Bei Überlastungsschäden liegt das primäre Augenmerk auf der Behand- lung der Entzündungsvorgänge im Bereich des Bewegungsapparates, die schon auf die Anwendungsgebiete hinweisen: Aku- te oder chronische Sportverletzungen und Überlastungen, wie zum Beispiel Tennisellenbogen, Patellasehnen- und Achilles- sehnenentzündung oder Überlastungsschäden des Schultergelenkes. In Studien hat sich gezeigt, dass die PRP-Therapie der Kortisoneinspritzung etwa beim Tennisellenbogen deutlich überlegen ist. Die Therapie führt in vielen Fällen zu einer Vermei- dung von einer Operation.


Besserer Heilungsverlauf bei Operationen

Eine weitere sehr erfolgsversprechende Indikation ist die Anwendung von PRP bei großen Operationen, wie zum Beispiel ei- ner Gelenkprothese. Hier konnte ein insgesamt komplikationsloserer und schnellerer Heilungsverlauf beobachtet werden. Im Einzelnen kommt es bei der Therapie zu einer verminderten Blutung und somit zu einer Reduktion von Bluttransfusionen, ei- ner Reduzierung der postoperativen Schwellung, einer Schmerzsenkung nach der Operation und einem niedrigeren Infekti- onsrisiko. Weiterhin wird diese Therapie auch bei kleineren Eingriffen wie Gelenkspiegelungen eingesetzt, was zu einer schnelleren Heilung und einer Reduzierung der Blutungsneigung führt. Dieser positive Einfluss bei Gelenkspiegelungen ist durch viele Studien bewiesen. Gerade die Anwendung von PRP während einer Operation hat hier eindeutige Vorteile für den Patienten, aber auch eine Kostenersparnis für das Gesundheitssystem durch eine Verkürzung der Liegedauer im Kranken- haus sowie ein schnelleres Wiedereintreten in die Erwerbs- oder Sportfähigkeit.