Diabetes als psychosomatische Krankheit

Psychische Extrembelastungen in der Kindheit erhöhen das Risiko für späteren Diabetes

In den letzten Jahren mehren sich Studien, die zeigen, dass traumatische Kindheitserlebnisse auch das Risiko für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes, der meist erst im Erwachsenenalter auftritt, erhöhen. Das gilt vor allem für Men- schen, bei denen vier und mehr belastende Faktoren – von Missbrauch bis Vernachlässigung – zusammenkommen. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) im Rahmen ihrer Jahrestagung hin.

Dabei greifen mehrere psychische und biologische Prozesse ineinander. „Das Trauma beeinträchtigt das Selbstwertge- fühl und die Affektregulation – also den Umgang mit den eigenen Gefühlen“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Johannes Kruse, Vorsitzender der DGPM und Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Gießen. Das wiederum habe Auswirkungen auf den Lebensstil der Betroffenen. Nicht selten versuchen sie, ihre negati- ven Gefühle zu bewältigen, indem sie rauchen, vermehrt essen oder Alkohol trinken. Gleichzeitig schränken sie ihren sozialen Umgang ein und kapseln sich ab. Eine erhöhte Kalorienzufuhr, kombiniert mit Bewegungsmangel, stellt einen der Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes dar.

Durch extreme Belastungen werden aber auch neurobiologische, immunologische und das Darmmikrobiom betreffende Veränderungen in Gang gesetzt, die das Diabetesrisiko beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Stresshor- mon Cortisol, das unter starker Belastung verstärkt ausgeschüttet wird. Es versetzt den Körper kurzfristig in einen ange- regten, leistungsfähigen Zustand.


Quellen: Kruse, J. & Ladwig, K. Diabetologe (2017) 13: 548. https://doi.org/10.1007/s11428-017-0284-9