Geldanlage |  Health-Startups

Der lange Weg zum Geld

Ein Start-up-Leben ist wie die Fahrt auf einer Achterbahn, es gibt ständig Höhen und Tiefen, die im Wesentlichen von der Finanzlage bestimmt werden. Erst ein

ausreichendes finanzielles Polster lässt soweit Ruhe einkehren, dass der Fokus auf dem Unternehmensaufbau, der Produktentwicklung, dem Ausbau des Mitarbeiterstammes oder der Vermarktung liegen kann. Doch welcher Weg führt dorthin?

Die Puls4-Show „2 Minuten – 2 Millionen“ hat „Pitchen“ – also das Werben – um Investorengelder auch hierzulande salonfä- hig gemacht und Jungunternehmer vor den Vorhang geholt, die vor allem eines mitbringen: Mut. Den Mut, groß zu denken, sich Investoren zu öffnen und dabei auch einem potenziellen Markt zu zeigen, was in ihnen steckt. Was nun vielleicht für Konsumgüter relativ einfach klingt, hat im Healthcare-Sektor noch einen langen Weg vor sich. Dabei wollen und brauchen doch in Wahrheit alle dasselbe – nämlich Geld für den Start und für die ersten ein bis drei Jahre im Business. Ob es nun die Entwicklung eines Medizinproduktes ist, der Spin-off von medizinischen Forschungsergebnissen, die an einer Universi- tät entwickelt wurden, oder die Gründung einer Praxisgemeinschaft – der Weg ist letztendlich derselbe: Es geht darum, die Projektidee zu entwickeln, sie so weit zu formulieren und zu bewerben, dass sie für potenzielle Investoren und Finanzgeber attraktiv wird, und schlussendlich über die ersten Monate am Leben zu erhalten, bis der Markt – hoffentlich positiv – re- agiert.

Fehlt der Silicon Valley Mindset?

Die erforderliche Aufbruchsstimmung dazu könnte hierzulande aber besser sein. Noch durchzieht die heimische Start-up-Kultur die typisch österreichische Seele: Es wird einmal kräftig gejammert. Wir hätten zu wenig Geld, zu wenige innovative Ideen, zu wenig Potenzial und zu wenig Unterstützung vonseiten der öffentlichen Hand. Der Still- stand im Gesundheitswesen zeigt sich vielerorts auch in einem Stillstand innovativer Gründungen. Einfacher wird es dann auch nicht, wenn das Silicon Valley gerne als Messlatte hergenommen wird, wohin es gehen müsste. Hier sollen Milch und Honig fließen und wer es bis hierhin geschafft hat, dem stehen alle Türen offen. Der dort herr- schende Mindset soll Vorbild in Sachen Unternehmenskultur und Innovationsgeist sein. Und um den zu erreichen, gibt es definitiv Nachholbedarf, wie Antoinette Rhomberg, Co-Gründerin und Geschäftsführerin des Werksalons Co-Making Space, überzeugt ist. Ihre Erfahrungen im Silicon Valley waren gleichsam eine unternehmerische

Frischzellen-Kur. „Es macht motivierter, inspirierter und mutiger“, so Rhomberg, denn alles zieht in Richtung Busi- ness. Und es läuft anders, als wir es kennen: „In Österreich gehen wir lange schwanger mit Ideen, besprechen die dann mit Gleichgesinnten und kochen ständig im eigenen Saft. Wir sprechen uns selbst Mut zu und lassen uns auch genauso schnell wieder entmutigen. Was wir aber tun müssen, ist hinausgehen mit der Idee und uns der Welt stellen“, so Rhomberg. Denn hier wird rasch klar, ob das Geschäft etwas taugt. „Pitch, listen and learn“ – ähnlich dem Puls4-Motto lautet der Silicon Valley Spirit, von dem wir uns eine oder gleich mehrere Scheiben abschneiden sollten. „Egal ob bei der privaten Grillparty, in der Arbeit oder im Gründungszentrum. Fragen Sie kurz und prägnant nach der Einschätzung des Gesprächspartners, dann hören Sie zu und lernen Sie.“ Das setzt aber auch voraus – und hier gilt es, hierzulande auch noch viel zu lernen –, dass konstruktives Feedback kommt. „Wenig hilfreich ist das weit verbreitete ‚Bist du dir sicher?‘ oder ‚Hast du dir das auch gut überlegt?‘ – das bringt einen Gründer nicht weiter und hilft auch nicht, die Idee auf Marktreife oder Schwachstellen zu prüfen“, so Rhomberg.


Unabhängig zum Erfolg

In der ersten Orientierungsphase (Pre-Seed-Phase) wird zunächst das Potenzial der Idee analysiert. Stärken und Schwächen werden einander gegenübergestellt und ein Grobkonzept oder ein schon etwas detaillierterer Busi- nessplan ausgearbeitet. Je nach Umfang des Vorhabens, etwa bei der Entwicklung eines Medizinprodukts und beim Bau von Prototypen, kann hier schon einiges an Geld erforderlich werden. Eine Pre-Seed-Quelle ist zum Bei- spiel Bootstrapping, eine Finanzierungsform, bei der auf Fremdkapital völlig verzichtet wird. Das garantiert jeden- falls finanzielle Unabhängigkeit und absolute Kosteneffizienz, hält aber auch die Ressourcen knapp und den Leis- tungsdruck hoch. Jede Fehlentscheidung kann fatal enden, wenn das finanzielle Polster nicht groß genug ist. Ein wenig höhere Summen lassen sich über FFF (Family, Friends and Fools) lukrieren, die zu günstigen Konditionen Geld in ein Start-up investieren, wenn sie von der Idee überzeugt sind. Klingt einfach, ist es aber in der Praxis nicht immer, denn die Eigentumsverhältnisse können komplex werden und die oft fehlende Investoren-Erfahrung kann zu erheblichen Schwierigkeiten – im Fall des Scheiterns und des Erfolgs – führen.

Sowohl für Bootstrapping als auch FFF-Finanzierung gilt: schnell auf den Markt gehen, schnell Gewinne erzielen und die Kosten so niedrig wie möglich halten. Alle nicht zu den Kernkompetenzen zählenden Arbeitsschritte wer- den gestrichen oder ausgelagert.


Förderstellen und Pre-Seed-Fonds

Förderstellen und Pre-Seed-Fonds können in der ersten Phase ebenfalls gute Unterstützung bieten, doch das An- gebot ist komplex und unübersichtlich. Oft ist ein hoher Vorbereitungsaufwand mit viel Vorwissen erforderlich, um im Förder-dschungel den richtigen Weg zu finden. Förderdatenbanken wie www.foerderportal.at oder www.foerder- kompass.at können erste Anknüpfungspunkte liefern. Für Projekte mit Forschungsinhalten bzw. auch für reine For- schungsprojekte ist die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft www.ffg.at eine zentrale Anlaufstelle für Beratung. Eine eigene Förderschiene stellen Stipendien dar, personenbezogene Förderungen, oft verknüpft mit ein- zureichenden Kleinprojekten bzw. mit Auslandsaufenthalten (www.grants.at). Wollen Studierende oder Universitäts- bzw. Fachhochschulabsolventen ein Unternehmen gründen, findet sich auf www.inits.at die passende Information. Für Förderungen zur Gründung von Unternehmen stehen zentrale Förderungsservicestellen der Wirtschaftskammer zur Verfügung. Auch beim WIFI in den jeweiligen Bundesländern gibt es entsprechende Beratungen (www.wko.at, www.wifi.at). Für Wiener Unternehmen im Bereich Technologie, Innovation, Forschung gibt es Fördermöglichkeiten über das Zentrum für Innovation und Technologie www.zit.co.at, und die Wirtschaftsagentur Wien gibt laufend Aus- schreibungen zu neuen Förderschienen heraus (www.wirtschaftsagentur.at).

Für Regionalförderprojekte gibt es die EU-Regionalmanagement-Stellen (www.regionalmanagement.at). LISAvienna ist die gemeinsame Life Science Plattform von austria wirtschaftsservice und Wirtschaftsagentur Wien. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und der Stadt Wien trägt sie zur Weiterent- wicklung der Life Sciences in Wien bei und unterstützt innovative Biotechnologie-, Pharma- und Medizintechnik-Un- ternehmen, die neue Produkte, Dienstleistungen und Verfahren entwickeln und auf den Markt bringen. Die Plattform vernetzt diese Unternehmen mit Entwicklungspartnern und Leitkunden. Hier erhalten Interessenten Tipps und Kon- takte rund um Förderungen, private Finanzierungsmöglichkeiten, Infrastruktur in Wien, Entwicklungspartner, Leit- kunden und Internationalisierung. Zudem wird ein hohes Augenmerk auf Vernetzung & Matching gelegt, denn Kon- takte zu Entwicklungspartnern, Leitkunden und Investoren sind für einen besseren Erfahrungsaustausch und Wis- senstransfer wichtig.

Welche Geschäftsidee steckt hinter Medmastery?

Wir bieten Ärzten auf Basis einer Mitgliedschaft Online-Trainingskurse an, in denen sie die wichtigsten klinischen Fertigkeiten erlernen können, die sie im klinischen Alltag benötigen. So zum Beispiel Echo- kardiographie, EKG oder Lungenröntgen. Um 37 Euro pro Monat erhalten Mitglieder Zugang zu allen Kursen, die auch für den Erhalt von DFP-Punkten akkreditiert sind.


Wann wurde Medmastery gegründet und wie erfolgte die Start-up-Finanzierung?

Wir haben 2014 gegründet und die Gründung wurde komplett selbst finanziert. Es sind keine anderen Investoren an Bord.


Wie groß ist das Team?

Unser Team besteht laufend aus fünf bis zehn Mitarbeitern. Wir kaufen oft Leistungen nach Bedarf ex- tern dazu, daher ist die Zahl nicht so fix.


Sind Gründungen rund um medizinische Themen schwieriger als andere?

Das kann ich nicht beurteilen, da meine bisherigen Unternehmensgründungen immer in der Medizin- branche erfolgten.


Welche drei Tipps haben Sie für Gründer?

1. Schau dir genau an, mit wem du gründest. Lies vor der Gründung das Buch „Founders Dilemma“ von Noam Wasserman.

2. Eines meiner Lieblingszitate ist „You can get anything in life you want if you just help enough other people get what they want.“ Das trifft auch und vor allem auf Startup-Ideen zu. Sei nützlich.

3. Durchhaltevermögen und Persistenz sind wahrscheinlich die wichtigsten Charaktereigenschaften, die man als Unternehmer braucht und ein Händchen für die richtigen Mitarbeiter.

Welche Geschäftsidee steckt hinter „hello mint“?

Hello mint ist eine Digitalagentur, die sich auf den Gesundheitsbereich, vor allem auf die Pharmaindustrie, spe- zialisiert hat. Wir konzeptionieren, entwickeln und vermarkten Online-Kampagnen bzw. stehen unseren Kunden auch beratend zur Seite, um sie fit für das digitale Zeitalter zu machen.


Wann wurde hello mint gegründet und was war der Anstoß?

Unsere Agentur wurde im Jahr 2012, damals noch als aeskulapp, gegründet. Wir konzentrierten uns damals auf den Bereich mobile Apps, da diese in aller Munde waren. Der Markt im Pharmabereich war aber nicht so groß wie erwartet. Außerdem bemerkten wir, dass unsere Kunden an ganzheitlichen Multi-Channel-Lösungen interessiert waren, deswegen haben wir sukzessive unser Dienstleistungsportfolio erweitert und können uns als Full-Service-Online-Agentur erfolgreich positionieren.


Wie groß ist das Team?

Unser Team besteht derzeit aus sieben Mitarbeitern, wobei wir bei Bedarf auch unsere Kapazitäten durch Ko- operationen mit anderen Agenturen erweitern können.


Sind Gründungen rund um medizinische Themen schwieriger als andere?

Ich denke, dass Gründungen in diesem Bereich schwieriger sind, da die Eintrittsbarrieren höher sind. Das Ge- sundheitswesen ist komplex, die Rechtslage

vielen unbekannt und man benötigt viel Durchhaltevermögen, um sich zu etablieren.


Braucht es Mediziner an Bord?

Natürlich hilft es sehr Arzt zu sein. Man ist ja quasi die Zielgruppe und kann sich gut in die Lage hineinverset- zen. Wäre ich nicht Mediziner bzw. Arzt, dann wäre ich in meiner Argumentation sicherlich auch weniger glaub- würdig.


War es schwierig, in Österreich an Kapital zu kommen?

Mein Unternehmen ist ohne Investorenkapital ausgekommen und konnte organisch aus dem Cashflow wach- sen.


Welche drei Tipps haben Sie für Gründer?

1. Suche dir einen guten Anwalt bei der Gründung und regle alle Eventualitäten.

2. Fokus, Fokus, Fokus: Konzentriere dich voll und ganz auf diese eine Idee oder dein Unternehmen.

3. „Hire smart“: Arbeite mit Leuten, die dir komplementär sind oder mindestens

Ideal wären eine möglichst rund um die Uhr erreichbare Hebamme, eine elektrische Milchpumpe und ein liebe

voller, unterstützender Partner.

Die Macht der Masse

Während für Bankkredite oder -darlehen Sicherheiten nötig sind, die gerade Jungunternehmer oder Gründer nicht immer mitbringen können, ganz zu schweigen von positiven Bilanzen oder Erfolgszahlen, braucht man gegenüber der Crowd vor allem eines: Sympathie. Ein Wert, der, in Zeiten, in denen staatliche Fördergelder und die Kapazitä- ten für Mikrokredite knapp werden sowie die Konkurrenz an Jungunternehmern mit kreativen Ideen wächst, Crowd-Finanzierungen zu einer attraktiven Alternative werden lässt.

Crowdfunding war lange Zeit vor allem im Kreativ- und Sozialbereich erfolgreich, mittlerweile gibt es kaum eine Sparte, die davon nicht profitiert. Am Anfang steht ein Pitch-Video, in dem die Idee der Online-Community auf ei- ner Crowdfunding-Plattform präsentiert wird. Zentrales Element ist die klare Abgrenzung für den Investor, also wie viel Geld wofür genau aufgestellt werden soll. Das zu finanzierende Projekt muss dem potenziellen Geldgeber et- was wert sein, daher zählt ein gelungener Mix aus Sympathie und Argumenten – und die intensive Beschäftigung mit klassischer Online-PR.

Auch wenn laufend neue Plattformen eröffnet werden, so sind Gesundheitsprojekte hier noch dünn gesät. Ein Leuchtturm-Projekt am Crowdfunding-Markt ist jedoch „aescuvest“ (www.aescuvest.de), die erste europäische Crowdinvesting-Plattform speziell für Beteiligungen an Unternehmen im Gesundheitsmarkt. Im Mittelpunkt des Business steht die Förderung von Geschäftsideen im medizinischen, technischen und dienstleistungsbezogenen Gesundheitssektor – abseits der klassischen Förder- und Finanzierungsschienen. Vertrauen und Transparenz sind den aecuvest-Gründern besonders wichtig. Anleger erhalten die treuhänderische Absicherung der bereitgestell- ten Mittel und eine attraktive Verzinsung bei erfolgreichen Projektverläufen. Im Gegenzug erhält jedes Start-up nicht nur Zugang zu einer Finanzierungsquelle, sondern auch zu einem Netzwerk in der Gesundheitswirtschaft, das ein wichtiger Starthelfer bei der Realisierung einer Geschäftsidee bzw. beim Marktstart eines neuen Produkts sein kann. „Crowdinvesting ist ein praktikables Instrument, um Investitionen im Healthcare-Sektor zu finanzieren. Wer gute Projekte fördert, wird sich auch über gute Rendite freuen können“, sagt Dr. Patrick Pfeffer, Geschäftsfüh- rer von aescuvest. „Wir wissen, dass der Bedarf an medizinischen Lösungen laufend steigt. Der Markt ist sehr stark reguliert und dass er überhaupt ‚crowdfähig‘ wird, hat auch einen hohen edukativen Anspruch. Menschen haben zunehmend besseres Wissen über ihre Gesundheit und werden ihre eigenen Gesundheitsmanager. Da muss es doch auch möglich sein, sie zu motivieren, in ihre medizinische Versorgung zu investieren“, sieht Pfeffer durchaus Potenziale in der alternativen Finanzierungsform. Alle eingehenden Projektvorschläge werden von einem wissenschaftlichen Beirat geprüft, der passende Ideen auswählt. Das Expertengremium setzt sich aus Fachleuten der Gesundheitsbranche wie zum Beispiel Medizinrecht, Medizintechnik und Digital Health zusammen. Ein Inves- torenbeirat prüft die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen. Nur rund fünf Prozent der Finanzierungsanfragen landen so überhaupt auf der Plattform. Für das Jahr 2017 sollen 15 neue Projekte auf die Plattform kommen.

Welche Geschäftsidee steckt hinter Diagnosia?

Die Idee war eine mobile Arzneimittel-App für medizinische Fachkreise, um evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen, Wechselwirkungen zu vermeiden und spezielle Fragestellungen, wie zum Beispiel die richtige Dosie- rung oder Medikation in der Schwangerschaft, zu beantworten. Diagnosia ist ein E-Health-Unternehmen, das von einer Gruppe Medizinern, Software-Entwicklern und Betriebswirten gegründet wurde und gemanagt wird. Unser Ziel ist es, eine qualitative und zeitgemäße Arzneimittelinformations-Suite zu entwickeln, die sich an mo- derne medizinische Fachkreise richtet. Die Software ist dabei komplett in Spitäler implementierbar oder als Stand-Alone-Applikation für Desktop und Mobil-geräte verfügbar.


Wann wurde Diagnosia gegründet und was war der Anstoß?

2011 wurde gegründet. Alle fünf Jahre verdoppelt sich Wissen in der Medizin, es gibt über 14.000 Medikamen- te in Österreich und weil wir aus unserer eigenen medizinischen und ärztlichen Tätigkeit gerne eine moderne, mobile App hätten, um schnell qualitative Entscheidungen zu treffen.

Sind Gründungen rund um medizinische Themen schwieriger als andere?

Auf jeden Fall. Medizin ist noch immer ein relativ konservativer und reglementierter Bereich. Weiters kommt die wichtige Frage hinzu: Wer zahlt? In Europa sind Patienten nicht gewohnt, für digitale Services zu bezahlen. Auch Ärzte sind in der Regel nicht gewohnt, für Software zu zahlen. Öffentliche Träger im Gesundheitswesen sind außerdem eher behäbig in ihren Entscheidungen und haben wenig Innovationsdruck und geringe IT-Bud- gets.


War es schwierig, in Österreich an Kapital zu kommen?

Als Gründerteam mit einer guten Idee, einem nachvollziehbaren Plan und vor allem einem 100 Prozent Einsatz ja. Das größte Problem sehe ich in den zahlreichen „Side Project“-Versuchen vieler berufstätiger Mediziner. Gründen heißt, auch ins Risiko zu gehen, den sicheren Job im Spital aufzugeben, einen möglichen Reputati- onsverlust in Kauf zu nehmen, wenn es sich nicht so entwickelt, wie man es anfangs vorhatte, und das ist in si- cher über 70 Prozent der Fälle der Fall. Durch Business Angels wie Hansi Hansmann und Risikokapitalgeber wie Speedinvest und die exzellente Förderlandschaft für Hochtechnologiefirmen wird es zum Glück immer

leichter, an Kapital im Early-Stage-Bereich zu kommen. Für eine Digital-Health-Gründung kommt man mit 200.000 EUR schon recht weit. Für eine Medizintechnik-Gründung benötigt man sicher mehr Kapital. Das grö- ßere Problem sind eher sogenannte Anschlussfinanzierungen. Das heißt, ich habe bewiesen, dass mein Pro

dukt in Österreich funktioniert, aber benötige jetzt fünf Millionen, um zu internationalisieren. Das ist schwer in Österreich.


Welche drei Tipps haben Sie für Gründer?

Wichtige Rahmenbedingungen sind fachliche Expertise in der Nische, in der man agiert, und die notwendige Finanzierung sowie einen langen Atem zu haben. Meine Tipps konkret sind:

1. Vor der Gründung mit Mentoren und Experten die Idee auf etwaige Mängel abklären und diesem Feedback auch vertrauen,

2. sich zu überlegen, ob man den sicheren Hafen der Anstellung bzw. des Jobs aufgeben will, und

3. in sich gehen, sich nicht selbst belügen und wissen, was der wahre Antrieb für eine Gründung ist.

Von der Idee zur Umsetzung

In der sogenannten „Seed-Phase“ wird die Entwicklung der Geschäftsidee schon konkreter. Das umfasst zum Beispiel die Erstellung des Businessplans oder den Bau der ersten Prototypen. Investments in dieser Phase sind meist das erste richtige Funding. Hier kann bei forschungsintensiven Technologien der Finanzbedarf durchaus hoch sein, Summen von 50.000 bis 500.000 Euro sind eher die Regel als die Ausnahme. Quellen sind hier sogenannte Seed-Fonds, Accelerator-Programme oder Business Angels. Accelerator-Programme sind zeitlich begrenzte Starthilfen für Start-ups. Hier erhält der Innovationsbegeisterte durch Venture Capital- Geber oder andere Beteiligungsunternehmen Unterstützung bei Infrastruktur und Know-how. Business Angels (BA) sind Privatinvestoren, die neben Eigenkapital auch aktiv ihr Wissen, praktisches Know-how und ihre Kon- takte einbringen. Sie verschaffen jungen und innovativen Unternehmen, in die sie investieren, oft entscheiden- de Vorteile. Zu finden sind Business Angels zum Beispiel über i2 Business Angels (i2.awsg.at), das Business Angels Institute (www.businessangelinstitute.org), die Austrian Angel Investors Association (www.aaia.at) oder über das Angel Investment Netzwerk (www.investmentnetzwerk.at).

Am Ende des ersten Jahres geht es dann in die Aufbau- und Professionalisierungsphase und hier wird meist auch mehr Spielkapital benötigt. Business Angels, Förderstellen, Banken oder Venture Capital ermöglichen das weitere Wachstum. Neben Business Angels und Venture Capital spielen hier auch Inkubatoren oder „Company Builder“ eine Rolle. Die „Brutkästen“ für Start-up-Ideen sind eine Kombination aus Venture-Capital-Gesellschaft und Business Angel, die Start-ups mit Eigenkapital und operativem Support unterstützen. rh