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Medizin & Recht  - Haftung

Rien ne va plus

Nichts geht mehr im Fall eines totalen Stromausfalls, eines Blackouts.

Glücklich allein der, der sich mithilfe von Versicherungen gewappnet hat.

Der bisher größte Blackout ereignete sich im Juli 2012 in Indien, wo die Stromversorgung für 600 Millionen Men- schen zusammenbrach, im November desselben Jahres waren in München 450.000 Menschen betroffen.


„Dort, wo es baulich möglich ist, sollte

ein Notstromaggregat mit ausreichender Leistung vorgesehen werden.“


Gerhard Ulmer, ÄrzteService Dienstleistung GmbH




Stellen Sie sich vor, der Strom fällt aus – nicht bei Ihnen im Haus, nicht in der Straße, sondern großflächig. Bei einem tota- len Stromausfall, einem Blackout, funktioniert kein Licht, kein Computer, kein Handy, kein Telefon, keine Heizung, keine Toi- lettenspülung, kein Bankomat, keine Tankstelle, keine Ampel, keine Kassa, keine Straßenbahn, kein Aufzug und auch kein Medizinprodukt mit Stromanschluss. Sie stecken mitten in der heißesten Phase Ihrer Ordinationszeiten und Ihre Ordination ist völlig lahmgelegt. Unmöglich? Leider nicht, denn ausfallfreie Stromnetze existieren nicht. Spitäler haben natürlich – für mehrere Stunden – eine Notstromversorgung. Bei einem Blackout in der Nacht strömt alles dorthin, wo Licht ist … Ein Blackout kommt ohne Vorwarnung und entsteht meist durch eine Verkettung von Einzelereignissen, betrifft aber dann so große Teile Europas, dass es zur Wiederherstellung Stunden, wenn nicht sogar Tage dauern kann.


Versicherung tut not

Gerhard Ulmer ist akademisch geprüfter Versicherungsmathematiker und Geschäftsführer der ÄrzteService Dienstleistung GmbH. Warum es für den Fall eines Blackouts eine mehr als gute Idee ist, eine Ordinationsversicherung inklusive Technik- kasko und Allgefahren-Paket abgeschlossen zu haben, beschreibt der Versicherungsexperte anhand von denkbaren Schadensbeispielen: „Schäden an Kühlgut – man denke nur an Impfstoffe – sind mit bis zu 4.000 Euro versichert. Folge- schäden wie austretendes Leitungs- oder Heizungswasser sind bis zur vereinbarten Versicherungssumme gedeckt. Das Gleiche gilt für Schäden durch Brand infolge eines Blackouts. Folgeschäden an elektrischen/elektronischen Geräten infol- ge Spannungsschwankungen im Versorgungsnetz sind auch ohne Sichtbarkeitserfordernis versichert.“ Auch wenn Ordina- tionen einem Sicherheitserfordernis unterliegen, also gegen Einbruch und Diebstahl versichert sein müssen, müsse in der Ordination in diesen Fällen keine gesonderte Sicherung wie Alarmanlage oder Videoüberwachung installiert sein. „Für die

Deckung ist daher ein Ausfall von Sicherungen bei Blackout irrelevant“, schlussfolgert Ulmer. Dort, wo es baulich möglich ist, sollte allerdings durchaus ein Notstromaggregat mit ausreichender Leistung vorgesehen sein.


Sonderfall IT

Die IT bedarf freilich besonderer Schutzmechanismen, die jedenfalls mit der betreuenden IT-Firma koordiniert werden soll- ten. Die meisten heimischen Versicherungsunternehmen bieten längst Pakete für IT-Schadensfälle jeder Art an – vom Mitar- beiter, der Daten missbraucht, über Cyber-Erpressung und Schäden durch Stromausfälle bis zur Schadsoftware, die alles lahmlegt. Zusätzlich hat Ulmer einige wichtige Ratschläge: „Patientendaten wie auch andere sensible Daten sollten min- destens einmal täglich auf ein externes Speichermedium gesichert werden. Die Datensicherung muss räumlich getrennt von der Ordination aufbewahrt werden. Zusätzlich sollte mindestens einmal monatlich eine Komplettsicherung durchge- führt werden, die in mindestens 25 km Entfernung in einem Tresor gelagert wird.“ Was spontan ein wenig nach Paranoia klingt, bewahrt Sie im Fall eines Blackouts, aber auch schon bei wesentlich geringeren Ursachen eines Stromausfalls vor groben Schäden, die kaum mehr wettzumachen sind. bw