Gesundheitspolitik:  | Vorsorge

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Gesundheitsvorsorge Aktiv: Nachhaltig wirksam

Nach einer erfolgreichen Pilotphase wird die „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA)

nun flächendeckend ausgerollt.

Die Bereiche Rehabilitation, Kur und Gesundheitsvorsorge sind wichtige Eckpfeiler der Pensionsversicherungsanstalt. In Österreich gibt es 75 Kurorte mit rund 400 Kureinrichtungen und 152 anerkannten natürlichen Heilvorkommen. Rund 120.000 Kuren werden im Jahr genehmigt, die Kosten pro Kur belaufen sich bei einem dreiwöchigen Aufenthalt auf etwa 1.900 EUR. Es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf einen Kuraufenthalt, vielmehr handelt es sich dabei um freiwillige Leistungen, die von der Pensions- oder Krankenversicherung gewährt werden können.

Dennoch ist der Kurbetrieb in Österreich in den letzten Jahren vielfach kritisiert worden. Die Pensionsversicherung hat reagiert und ein neues Konzept erarbeitet, das die Kritikpunkte aufgreift und neue Wege zeigt: die „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA), eine stationäre Maßnahme zur Gesundheitsvorsorge, speziell bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungs- apparates, einem der häufigsten Krankheitsbilder. Das neue Kurheilverfahrensmodell wurde 2014 unter dem Motto „Ver- änderungen in der Arbeitswelt erfordern zeitgemäße Lösungen im Bereich der Gesundheitsvorsorge“ gestartet. Die Schwerpunkte des ganzheitlichen Modells liegen auf Bewegung, Ernährung und mentaler Gesundheit und sollen keines- falls einen „Erholungsurlaub“ darstellen.

In einer dreijährigen Pilotphase wurde die medizinische Wirksamkeit des neuen Modells mit wissenschaftlicher Beglei- tung erfolgreich erprobt, nun soll es in ganz Österreich ausschließlich in Vertragspartnerbetrieben der PVA angeboten werden. Entsprechende Kooperationen werden nach Durchführung eines öffentlichen Vergabeverfahrens geschlossen, der Bewerbungsprozess läuft. Ziele bei den aktiv Erwerbstätigen sind der dauerhafte Erhalt der Arbeitsfähigkeit, die Vor- beugung von Krankenständen und das Verhindern krankheitsbedingter Ausfallzeiten. Bei den Pensionisten steht die Ver- meidung eines aufwendigen und kostspieligen Pflegebedarfs im Vordergrund.


Flexible Zeitmodelle

Insgesamt soll die GVA zu einem verbesserten Lebensstil und einer gesteigerten Lebensqualität beitragen und damit nicht nur Kosten sparen, sondern auch mehr gesunde Lebensjahre für die Versicherten bringen. Im Vergleich zum bisherigen Kurmodell stehen mehr Aktivtherapien am medizinischen Programm. Zusätzlich werden je nach medizinischer Notwen- digkeit die Bewegungsoptimierung, die Bewegungsmotivation und die mentale Gesundheit der Patienten besonders ge- fördert. Die Dauer eines stationären GVA-Aufenthaltes beträgt 22 Tage. Künftig soll auch eine wochenweise Inanspruch- nahme möglich sein, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Diese Möglichkeit richtet sich insbesondere an jene Personen, die aus persönlichen Gründen wie Familie oder Beruf nicht oder nur sehr schwer für drei Wochen am Stück für eine stationäre Gesundheitsmaßnahme von zu Hause wegbleiben können.


Lebensstiländerung im Vordergrund

Der Aufbau der GVA ist modulartig: Im Anschluss an ein für alle Patienten gleiches Basismodul schließt eine schwer- punktmäßige Behandlung in Form eines individuellen Moduls an. Patient und zuständiger Kurarzt entscheiden gemein- sam, ob der Fokus stärker auf Ernährung, auf Bewegung oder auf mentaler Gesundheit liegen soll. Die Schulungen und Kureinheiten werden dementsprechend individuell angepasst, wobei wesentlich ist, dass statt vieler passiver Therapien die aktiven Therapien vermehrt gefördert werden. Bei der Übernahme in das reguläre Kurwesen wird es noch Adaptierun- gen geben, wie beispielsweise ein Modul, das mehr auf chronische Schmerzen eingeht.

Bislang haben rund 9.300 Versicherte des ASVG-Systems diese neue Form der Kuraufenthalte in Anspruch genommen. Nach einer Art theoretischem Basismodul schließt eine weitere schwerpunktmäßige Behandlung und Kur in Form eines individuellen Moduls an, bei dem der Fokus beispielsweise auf Ernährung oder psychischer Heilung liegt. Klares Ziel ist immer die langfristige Lebensstiländerung: Der Patient soll nicht nur in der Zeit der Kur auf seine Gesundheit achten, son- dern auch danach das Erlernte in den Alltag integrieren.

Das Pilotprojekt war auf Personen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren, die gesundheitliche Probleme mit dem Bewe- gungs- und Stützapparat haben und die noch nie zuvor auf Kur waren, zugeschnitten.

Wo sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Kur und GVA?

Eine Kur ist eine Vorsorgemaß- nahme und dient zur Festi- gung der Gesundheit. Bei ei- nem herkömmlichen Kurauf- enthalt werden vor allem passi- ve Maßnahmen verordnet. Die „Kur neu“ oder „Gesundheits- vorsorge Aktiv“ ist nach wie vor eine freiwillige Leistung des Sozialversicherungsträ- gers. Sie beinhaltet mehr akti- ve Bewegung als die her- kömmliche Kur. Basis sind nicht mehr Bäder und Co., sondern Aktivierung. Obwohl der Therapieumfang um rund 400 Minuten auf 1.400 Minuten ausgedehnt wurde, wurden passive Elemente wie Massa- gen stark reduziert – dafür gibt es viel mehr Bewegung und der Kurgast ist hier wesentlich

mehr gefordert. Die GVA soll auch eine Anleitung für ein ge- sünderes und damit besseres Leben sein. Die Kurgäste sollen erkennen, dass ein langfristig geänderter Lebensstil mehr Le- bensqualität bringt. Eines der Hauptziele der Kur neu ist Prä- vention – es geht darum, Men- schen zu motivieren, ihr Leben gesünder zu gestalten, bevor sie krank werden.


Bleibt die bisherige Kur wei- terbestehen?

Die neue GVA wird die bisheri- ge Kur mittelfristig ersetzen. Zu- nächst wird die GVA für Erkran- kungen des Stütz- und Bewe- gungsapparates angeboten werden, künftig sollen auch an- dere, weniger verbreitete Indi- kationen dazukommen.

Wir haben in der Evaluierung gesehen, dass nicht jeder Pati- ent auch in der Lage ist, das körperlich anspruchsvollere Programm der GVA zu absol- vieren, darauf muss Rücksicht genommen werden.


Wie ist der weitere Fahrplan?

Ab nächstem Jahr werden wir das Angebot an GVA-Plätzen nach und nach ausbauen. Ge- naueres hängt davon ab, wie viele Vertragspartner wir be- kommen. Die Auswahl läuft derzeit.

Facts & Figures

Im Bereich der Gesundheitsvorsorge wurden im Jahr 2016 rund 82.200 Heilverfahren auf Kosten der PVA absol- viert. Davon erfolgten bereits rund 13.700 im Rahmen des Pilotprojektes GVA. Mehr als 95 % aller Heilverfahren in der Gesundheitsvorsorge wurden wegen einer Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates bewilligt.