Kur & Gesundheitsvorsorge | Kreuzschmerz

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Unspezifischer Kreuzschmerz und Kur

Während der akute unspezifische Kreuzschmerz keine Indikation für eine komplexe balneomedizinische Kur darstellt, sind die chronisch degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates, zu denen auch der chronische unspezifische Kreuzschmerz zählt, die wohl eindeutig häufigste Zuweisungsdiagnose zu einer komplexen balneomedizinischen Kur.

Der Begriff des unspezifischen Kreuzschmerzes ist in der Medizin auch als „low back pain“ bekannt. Es handelt sich dabei nicht um eine definierte klinische Diagnose, sondern eher um einen Sammelbegriff für eine Reihe degenerativer Erkrankun- gen im Bereich des unteren Teils des Rückens sowie der Wirbelsäule, deren Symptome sich in der Region des Kreuzbei- nes vor allem als Schmerzen verschiedener Art und Charakteristik manifestieren. Beispiele für solche degenerativen Er- krankungen der Wirbelsäule sind unter anderem Osteochondrosen, Spondylarthrosen oder der Bandscheibenvorfall.


Häufigste Zuweisungsdiagnose

In medizinischen Fachkreisen herrscht wohl zu Recht die Meinung vor, dass unspezifische Kreuzschmerzen in erster Linie durch ein multimodales Therapiekonzept behandelt werden müssen und medikamentösen Therapien nur eine Rolle bei der kurzfristigen Behandlung akut auftretender Schmerzen zukommt, wobei dadurch die möglichst rasche Mobilisierung der Betroffenen erzielt werden sollte. Während der akute unspezifische Kreuzschmerz keine Indikation für eine komplexe bal- neomedizinische Kur darstellt, sind die chronisch degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates, zu denen auch

der chronische unspezifische Kreuzschmerz zählt, die wohl ein- deutig häufigste Zuweisungsdiagnose zu einer komplexen balneo- medizinischen Kur. In Übereinstimmung damit kann auch festge- halten werden, dass sich diese Gruppe von Krankheiten in prak- tisch allen Indikationslisten der komplexen balneomedizinischen Kur findet.


Effekte natürlicher Heilvorkommen

Da diese Art von therapeutischer Intervention nicht zuletzt auf der iterativen Anwendung von natürlichen ortsgebundenen Heilvorkommen beruht, ergibt sich daraus die Frage nach dem Stellenwert der Anwendung des natürlichen Heilvorkom- mens im Rahmen eines für die komplexe Kur typischen multimodalen Therapiekonzepts. In Übereinstimmung mit der Tatsa- che, dass der chronisch unspezifische Kreuzschmerz einen häufigen Grund für eine Kurzuweisung darstellt, kann auf eine beträchtliche Zahl von wissenschaftlichen Untersuchungen betreffend die Auswirkungen von einzelnen natürlichen Heilvor- kommen sowie der balneomedizinischen Kur als komplexe therapeutische Intervention bei dieser Kurindikation hingewiesen werden. Spezifische Effekte einzelner natürlicher Heilvorkommen sind wissenschaftlich dokumentiert und stellen unter ande- rem die Grundlage für die balneomedizinische Begutachtung dar. In diesem Zusammenhang kann darauf hingewiesen wer- den, dass sowohl auf empirischer als auch auf wissenschaftlicher Basis bestimmten natürlichen Heilvorkommen wie zum Beispiel Peloiden, Schwefelwässern oder radonhaltigen Wässern spezifische Effekte zugesprochen werden können.


Kureffekt = Hafteffekt

Die komplexe balneomedizinische Kur ist aber eine Therapieform, die durch die Anwendung mehrerer therapeutischer An- wendungen über einen bestimmten Zeitraum gekennzeichnet ist. Wie dies grundsätzlich für multimodale Therapieformen zu- trifft, ist eine isolierte Betrachtung des Effekts definierter Einzelanwendungen möglich, erlaubt aber keinen Rückschluss auf die erwünschte Gesamtwirkung des therapeutischen Komplexes. Im Fall der komplexen balneomedizinischen Kur wird schon seit jeher von so genannten unspezifischen und spezifischen therapeutischen Anwendungen gesprochen. Die Sum- me all dieser individuell verordneten gesundheitsförderlichen Maßnahmen führt zum Kureffekt, der sich in einem Hafteffekt der Besserung von Beschwerden über Monate nach dem Kuraufenthalt fortsetzt.

Für das Verständnis der Wirkungsmechanismen von iterativen komplexen therapeutischen Verfahren sind allerdings Kennt- nisse der Adaptationsphysiologie und der Systemtheorie unabdingbar. Dabei liefert die Adaptationsphysiologie die sachli- che Begründung für die Notwendigkeit der iterativen Anwendung der therapeutischen Maßnahmen über einen bestimmten Zeitraum, weil nur auf diese Weise die Nachhaltigkeit der therapeutisch erwünschten Effekte hervorgerufen werden kann. Aus systemtheoretischen Überlegungen kann abgeleitet werden, dass bei multifaktoriellen gesundheitlichen Problemen das Prinzip einfacher Ursache-Wirkungsbeziehungen nicht angewendet werden kann. Auf einer einfacheren intellektuellen Basis kann jedenfalls die Aussage getroffen werden, dass bei multifaktoriellen gesundheitlichen Störungen eine multifaktorielle Therapie sinnvoller erscheint als einzeltherapeutische Maßnahmen. Komplexe therapeutische Verfahren dürfen jedoch nicht mit therapeutischer Polypragmasie gleichgesetzt werden, sondern bedürfen eines klaren therapeutischen Konzepts.