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Nachgefragt bei …


... Dr. Lukas Stärker, Kammeramtsdirektor der Österreichischen Ärztekammer und Mitautor des KODEX Ärzterecht 2017/18

Foto: Felicitas Matern/www.feelimage.at,

Je mehr Vorschriften es gibt, desto weniger sind sie dem Anwender bekannt. Gilt das auch für Ärzte?

Das ist nicht nur im Gesundheitswesen so. Wenn die Quantität an gesetzlichen Regelungen zunimmt, also der Rechtsbe- stand umfangreicher wird, führt das zwangsläufig dazu, dass man nicht mehr alle Regeln im Detail kennen kann.


Unkenntnis schützt aber nicht vor Anwendung der Gesetze. Welchen Rat haben Sie für den Arzt, damit umzuge- hen?

Es gibt Regelungen, die sind für alle Ärzte relevant, und manche nur für bestimmte Berufsgruppen. Der Arzt im Spital soll zum Beispiel das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz kennen oder das Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz. Für den niedergelassenen Arzt sind die für Ordinationen relevanten Regelungen von Bedeutung, wie etwa die Qualitätssicherungs- verordnung. Sportärzte interessiert die Antidoping-Materie, für Schönheitschirurgen sind das ÄsthOP-Gesetz und dessen Verordnung von Interesse und Arbeitsmediziner müssen sich in das ASchG einlesen. Junge Ärzte in Ausbildung werden mit der Ärzteausbildungsordnung konfrontiert sein.


Was sind die Top-fünf-Themen, über die ein Arzt informiert sein soll?

Als Basis sind es jedenfalls die berufsrechtlichen Vorgaben des Ärztegesetzes und einschlägige Verordnungen dazu, wie etwa zur Ausbildung, Werbung oder zur Schilderordnung für die Beschilderung der Ordination. Also die Kernbereiche der unmittelbaren ärztlichen Tätigkeit. Daher habe ich auch versucht, im KODEX Ärzterecht 2017/18 die relevanten Vorschrif- ten zusammenzustellen und übersichtlich in einem Band zusammenzufassen. Der Kodex ist kein Lesebuch, da geht es nicht darum, das Gesetz auswendig zu zitieren, sondern dass man nachschauen kann, wenn bestimmte Fragen auftreten. Um die Anwenderfreundlichkeit zu erhöhen, gibt es auch Sub-Stichwortverzeichnisse bei umfangreichen Gesetzen.


Rechtswissenschaft ist nicht die Domäne des Arztes. Wie soll sich ein Arzt am besten organisieren, damit er den- noch auch in Rechtsfragen den Anschluss nicht verliert?

Das beginnt schon im Studium, in dem ein Rechtsteil für die relevanten Regelungen und die Strukturen der Rechtsordnung sensibilisieren soll. Dann wächst man Schritt für Schritt hinein, etwa als Turnusarzt in die ausbildungsrechtlichen Vorschrif- ten. Weiters besteht die Möglichkeit, das Wissen über die für den eigenen Karriereweg relevanten Vorschriften auch immer wieder in einschlägigen Weiterbildungen zu vertiefen. Zusätzlich stehen die Juristinnen und Juristen in den Ärztekammern

zur Verfügung, wenn es um Detailfragen geht.

BUCHTIPP

KODEX Ärzterecht 2017/18

Von Werner Doralt (Herausgeber), Lukas Stärker (Bearbeitung)

Der Kodex Ärzterecht, 14. Auflage einschließlich dem Zahnärzterecht in der 14. Auflage mit dem Stand 1. 8. 2017, berücksichtigt insbesondere das Ge- sundheitsreformumsetzungsgesetz 2017 – GRUG 2017, das Primärversor- gungsgesetz und das Gesundheitsberuferegister-Gesetz sowie aktuelle Än- derungen zum Ärztegesetz.

1.024 Seiten, LexisNexis ARD

ORAC 2017