FORSCHUNG I Im Gespräch

An der Grenze zwischen

Mensch und Maschine

Univ.-Prof. Dr. Oskar C. Aszmann, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie, leitet die Ambulanz für Chirurgie der peripheren Nerven in der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie am AKH Wien und das Christian-Doppler- Labor für die Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen. Sein Forschungsthema sind moderne, prothetische Systeme als wertvolle Ergänzung biologisch- rekonstruktiver Maßnahmen zur Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen.

Foto: MedUni Wien / Felicitas Matern

Für ein Medizinstudium und letztlich für die plastische und rekonstruktive Chirurgie habe ich mich entschieden, weil … ich Menschen und ihre Leiblichkeit spannend finde und ich Freude am Gestalten habe.


Die Christian-Doppler-Labore sind … ein wertvolles Tool zur Stärkung des Wirtschafts- und Wissenschafts- standortes Österreich.


Mein derzeit wichtigstes Forschungsthema ist … das Ausloten der Grenze zwischen Mensch und Maschi- ne.


Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre in der rekonstruktiven Chirurgie war: … Bewegungskontrol- le ist ein afferentes Phänomen oder Zuhören ist wichtiger als Reden.


Bionische Rekonstruktion ist … die Möglichkeit, verlorene Körperfunktionen mit technischen Hilfsmitteln wiederherzustellen.


Industrie und Medizin können … unglaubliche spannende Synergien erzeugen- .


Für die Forschungslandschaft in Österreich wäre es gut, wenn … historisch gewachsene Kompetenzbe- reiche mit hochinnovativen Forschungsansätzen verwoben werden- .


Für die Zukunft der Prothetik erwarte ich … viele neue Anwendungsgebiete- .


Ein wichtiges Anliegen ist mir … Nachwuchsförderung- .


Internationale und interdisziplinäre Erfahrungen sind für Mediziner … das Tor zu einer neuen Selbst- wahrnehmung und ein geistiges Sprungbrett für neue Ideen- .


Für die rekonstruktive Chirurgie wünsche ich mir … mehr Interdisziplinarität.


Ausgleich zu meinem Beruf finde ich in … meiner kinderreichen Familie.



bw

BUCHTIPP

Univ.-Prof. Dr. Oskar C. Aszmann

Nach einem zweijährigen Ausflug in das Studium der Philosophie und Biologie folgte für den gebür- tigen Wiener Oskar C. Aszmann das Medizinstudi- um an der Universität Wien (1988-1994). Der Ein- stieg in die Plastische & Rekonstruktive Chirurgie erfolgte über das Thema der Nervenrekonstruktion durch Prof. Hanno Millesi. Im Zuge eines dreijähri- gen Aufenthalts an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland, mithilfe von zwei Erwin- Schrödinger-Auslandsstipendien engagierte er sich zu den Themen Nervenchirurgie (Prof. A. Lee Dellon) und Neurobiologie der Nervenregeneration (Prof. Thomas M. Brushart) und verfasste als Lek- tor an der University of Maryland at Baltimore zahlreiche Studien an der Abteilung für Anatomie und Neurobiologie (Prof. Charles Barrett). Nach der Ausbildung zum Facharzt für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie 1998-2004 bei Prof. Manfred Frey an der MedUni Wien erhielt er 2004 seine Venia Docendi. Seit 2006 besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Fa. Otto Bock, die 2012 zur Gründung eines Zentrums für Extremitätenre- konstruktion und Rehabilitation führte.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten und seinen Einsatz für Patienten mit komplexen Extremitäten- defekten wurde er zweimal von der Royal Society of Medicine, London, geehrt. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise, unter ande- rem den Theodor-Billroth-Preis und den Hans An- derl Award sowie 2016 den begehrten Houska- preis für seine Arbeit „Bionic Reconstruction“. Im September 2018 wurde seiner Arbeitsgruppe vom European Research Council zur Erarbeitung inno- vativer bionischer Lösungen eine Forschungsför- derung von 10 Millionen Euro zugesprochen- .

www.bionic-reconstruction.com

Oskar Aszmann, Laura A. Hruby. Bio- nische Rekonstruktion.

Wiederherstellung an der Grenze

zwischen Mensch und Maschine. Manz, Wien. 9783214014865