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Umbruch

Die kommenden Wochen am Kreditmarkt werden spannend. Die OGH-

Entscheidungen zur Weitergabe von Negativzinsen im Indikator werden

die Zinslandschaft verändern.


„Bei Blanko-Finanzierungen wird auch schon einmal mehr als der ermittelte Wert der betrof- fenen Liegenschaft gewährt.“

Infina-Geschäftsführer Christoph Kirchmair


Die Zeiten der niedrigen Aufschläge bei variabel verzinsten Krediten dürften vorbei sein. Der Trend geht immer mehr zu Fixzinsbindungen und Krediten mit Unter- und Obergrenze. Klassische, variabel verzinste Kredite entwickeln sich so ten- denziell zu einem „Nebenprodukt“ mit höheren Margen bei Neuabschluss. Die höheren Aufschläge dienen dabei der Kom- pensation von Negativzinsen im Indikator. Dabei gibt es einen positiven Ausblick für Neukreditnehmer: Vor allem langfris- tige Fixzinskredite mit Bindungen über 15 bis 30 Jahre werden zunehmend attraktiver. 2,375 % p.a. fix auf 20 oder 2,99 % fix auf 30 Jahre sind bei Verbrauchern weiterhin verfügbar.


Banken lassen Testballons steigen

Bei den variabel verzinsten Krediten gibt es indessen zwei Extreme: Manche Banken haben diese faktisch aus dem Sorti- ment verbannt und verlangen beispielsweise bis zu drei Prozentpunkte Aufschlag bei längeren Laufzeiten. Von einer Re- gionalbank hingegen ist bekannt geworden, dass sie beispielsweise mit einem Prozentpunkt Aufschlag auf den 3-Monats- EURIBOR nun erst recht mit aggressiven Konditionen in den Markt geht. Wie lange diese gültig sein werden, bleibt abzu- warten. Es ist davon auszugehen, dass Banken einige „Testballons“ im Markt haben. Wohin die Konditionentrends dann endgültig gehen, wird sich bis Oktober herauskristallisieren.

„Es gibt in Österreich einige Kreditinstitute, die sogenannte Blanko-Finanzierungen genehmigen“, berichtet Infina-Ge- schäftsführer Christoph Kirchmair. Bei derartigen Krediten wird auch schon einmal mehr als der ermittelte Wert der be- troffenen Liegenschaft gewährt. „Voraussetzung ist freilich, dass dies die Haushaltsrechnung des Kreditnehmers zulässt und aufgrund des laufenden Einkommens auch ein ausreichender Sicherheitspolster vorhanden ist“, so Kirchmair.

Mehr in Richtung „Financial Engineering“ geht eine weitere Variante mit der Vorfinanzierung von Eigenmitteln. So sind am heimischen Kreditmarkt Kreditinstitute aktiv, die noch immer hervorragende Konditionen sowohl bei variablen Kredi- ten als auch bei fix verzinsten Krediten anbieten. Eines dieser Kreditinstitute verwendet dabei bei variablen Zinsen den EZB-Leitzins als Indikator. Da die EZB noch für einige Zeit ihren wichtigsten Leitzins bei null Prozent belassen dürfte, sind vorerst nur moderate Zinserhöhungen zu erwarten. Das gibt zusätzliche Konstanz. In den Genuss dieser niedrigen Kredit- zinsen kommt allerdings nur, wer entsprechende Eigenmittel einsetzen kann.


„Heute werden bei uns aufgrund der extrem günstigen Konditionen gemessen am Volumen rund drei Viertel aller Hypothekarkredite als Fixzinskredite vergeben.“

Mag. Christian Noisternig, Bereichsvorstand Privatkunden,

Geschäftskunden und Freie Berufe in der UniCredit Bank Austria


Tendenz zu Fixzinskrediten

Doch wie kommentieren die Banken, das derzeitige Umfeld? „Wir sind dabei, die Details der aktuellen OGH-Entscheidung zu prüfen. Wie wir weiter vorgehen, wird jedoch vom Ausgang der noch offenen Verfahren abhängen. Hier erwarten wir die maßgeblichen Entscheidungen in den nächsten Wochen. Wir machen jedoch generell keine Ankündigungen zur zu- künftigen Konditionenpolitik“, heißt es dazu auf Anfrage aus der Raiffeisenlandesbank Wien Niederösterreich. „Unsere Ex- perten im Erste Group Research gehen davon aus, dass die ersten Leitzinserhöhungen frühestens Ende 2018 anstehen wer- den. Als Konsequenz der OGH-Urteile wird die Tendenz jetzt sicher noch stärker Richtung Fixzinskredite gehen. Bei uns ist aber schon seit geraumer Zeit der Anteil im Neugeschäft ziemlich hoch. Mehr als acht von zehn neuen Wohnbaukrediten werden mit fixen Zinsen abgeschlossen“, heißt es dazu aus der ERSTE BANK. Ganz ähnlich die Stellungnahme der BAWAG P.S.K. „Aufgrund des OGH-Urteils sehen wir keine Veränderungen in der BAWAG P.S.K., wir hatten bereits in der Vergan- genheit negative EURIBOR-Zinssätze an unsere Kunden weitergegeben. Daher werden wir auch in der Zukunft bei unserer Preispolitik nichts ändern. Derzeit bieten wir unseren Kunden eine Zinsgleitklausel mit Cap und Floor an: Kunden sind so- mit auch bei steigenden Zinsen, ähnlich dem Bauspardarlehen, abgesichert. Zur Zinsentwicklung geben wir keine Progno- sen ab.“ Eine Möglichkeit, sich vor eventuell steigenden Zinsen abzusichern, sei die Vereinbarung eines Fixzinssatzes.

Dass man bei den variabel verzinsten Neukrediten bei den Kreditkonditionen wahrscheinlich anpassen wird müssen, steht für Wolfgang Kirschner von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich außer Frage. Der Grund dafür sind die Urteile des Obersten Gerichtshofs, dass die Banken bei der Berechnung der Kreditkondition einen negativen Indikatorwert berück- sichtigen müssen. Diese für den Kunden auf den ersten Blick gute Nachricht, wird sich somit relativieren.

Derzeit warte man noch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes gegen eine Bank ab, bevor Maßnahmen umgesetzt werden.

„Die Finanzierung von Bau- und Wohnvorhaben ist im gegenwärtigen Niedrigzins-umfeld noch immer ausgesprochen günstig – sowohl mit variablen Konditionen als auch durch den Abschluss von Fixzinsvereinbarungen, um sich das aktuell sehr niedrige Zinsniveau auch für die Zukunft abzusichern. Heute werden bei uns aufgrund der extrem günstigen Kondi- tionen gemessen am Volumen rund drei Viertel aller Hypothekarkredite als Fixzinskredite und nur rund ein Viertel varia- bel verzinst vergeben“, so Mag. Christian Noisternig, Bereichsvorstand Privatkunden, Geschäftskunden und Freie Berufe in der UniCredit Bank Austria. Welche Finanzierungsform man wähle, sei persönliche Entscheidung, aber angesichts des Niedrigzinsumfelds sei man mit einer Fixzinsvereinbarung gut beraten. „Wir bieten Fixzinsangebote auf fünf, zehn oder 15 Jahre an und in der Finanzierung Nominalzinssätze variabel ab 1 %, fix auf zehn Jahre ab 1,75 % und fix ab 15 Jahren ab 2,125 %.“ Angesichts der Konditionen also kein Wunder, dass „… die Nachfrage nach Krediten für Bau- und Wohnvorha- ben im ersten Halbjahr 2017 um gut ein Viertel stark angestiegen ist“.