Kur & Gesundheitsvorsorge | Kommentar

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Kur kurz, Kur lang oder überhaupt?

Die seit einiger Zeit stattfindenden Diskussionen im Zusammenhang mit der GVA (Gesundheitsvorsorge Aktiv) brachten im kurmedizinischen Bereich Verunsicherung, wie es mit der Kur weitergehen soll.

Der Begriff Kur wird im Sozialversicherungsbereich vermieden, es gibt in der offiziellen Diktion keine Kur mehr. Den Begriff Kur und die Behandlungsmethode Kur gibt es trotzdem noch. Somit ein guter Anlass, darüber ein paar Worte zu schrei- ben. Kur ist eine Behandlungsmethode, die – mit oder ohne natürliche Heilvorkommen – die Spielregeln der Adaptations- physiologie benutzt und wünschenswerterweise auch befolgt. Aus didaktischen Gründen möchte ich trennen, was bei ei- ner Kur untrennbar zusammengehört: die Methodik „Kur“ und den zusätzlichen dieser Methodik folgenden Einsatz der na- türlichen Heilvorkommen.


Kur-Ziel festlegen

Die Methodik Kur bedeutet, wiederholte Reize über einen gewissen Zeitraum zu setzen, der von der Adaptationsfähigkeit der Patienten abhängt. Bewährt hat sich ein Zeitraum von drei Wochen, das entspricht der traditionell verwendeten Kur- dauer. Die Intensität, Frequenz und Qualität der Einzelreize ist individuell und wird empirisch dosiert (Kuranfang). Je nach Reaktion muss der Einzelreiz angepasst werden (Kurkontrolle). Ziel ist es, eine Normalisierung zu erreichen (Kurab- schluss). Deshalb ist es günstig, ein Kur-Ziel zu definieren und den Ablauf der Kur zu überwachen.

Natürliche Heilvorkommen haben im Körper Effekte, die biochemisch oder funktionell zu messen sind. Das gilt für Einzelan- wendungen, aber auch iterative Anwendungen. Der Immediateffekt einer Einzelanwendung steigert sich im Sinn eines

Hafteffektes einer Kur durch serielle Anwendungen. Dass diese Ef- fekte im Körper nicht durch Tun (aktiv), sondern durch Empfangen gewonnen werden, könnte der Grund sein, die natürlichen Heilvor- kommen in der derzeitigen Diktion als passive Therapien zu be- zeichnen. Natürliche Heilvorkommen mit der Methodik Kur zu kom- binieren, führt schlussendlich zum bekannten Kureffekt und Erfolg.


Evaluierung der Wirksamkeit

Die Evaluierung bestehender Kurprogramme lässt zu wünschen übrig, aber die durchgeführten Studien zeigen, dass Kuren, die nach den eben beschriebenen Algorithmen und dreiwöchiger Dauer ablaufen, einen Effekt von rund einem Jahr haben. Die Grundlagenforschung diverser natürlicher Heilvorkommen zeigt Wirksamkeiten in biochemischen und physiologischen Parametern. Diese Wirkungen treten auch schon nach einer Einzelanwendung auf, bleiben dann aber nicht lange.

Literaturrecherchen bezüglich Vergleichsstudien einer Anwendungsdauer von ein, zwei oder drei Wochen verliefen negativ. Aus der kurmedizinischen Erfahrung wissen wir, dass ein dauerhafter Effekt im Körper einige Zeit, am besten drei Wochen, braucht. Wenn nun im aktuellen GVA-Schema von einer Splittung der Kur in zwei und eine Woche gesprochen wird, so ist es einerseits physiologisch bedauerlich, andererseits zur Kenntnis zu nehmen und es ist dann kurärztliche Aufgabe, daraus das Beste zu machen.

Ich würde also sowohl bei einem einwöchigen als auch einem zweiwöchigen Aufenthalt immer natürliche Heilmittel additiv zu den bestehenden physikalischen Anwendungen verordnen. Wem dieser Gedanke nicht gefällt oder fremd ist, den darf ich daran erinnern, dass auch Urlauber in Kurorten immer wieder gerne mit Erfolg natürliche Heilvorkommen in den Urlaub integrieren und davon sehr gut profitieren. Es empfiehlt sich auch bei kürzeren als dreiwöchigen Aufenthalten, natürliche Heilvorkommen einzusetzen.

Dieses Thema war, um die dreiwöchige Kur nicht zu gefährden, lange tabuisiert, was aber unsachlich ist. Studien würden uns Fakten bringen. Und da sind wir wieder beim Thema kurörtliche Forschung, ein Thema, dem sich der Verband österrei- chischer Kurärztinnen und Kurärzte (VöK) im Jahre 2018 besonders widmen wird.