Medizin: Gyn & Geburtshilfe | Mutter-Kind-Pass

Wohlfühlen von Anfang an

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Der Mutter-Kind-Pass ermöglicht jeder Schwangeren, in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche eine einstündige Beratung durch eine Hebamme kostenlos in Anspruch zu nehmen.

„Bisher haben viele Frauen ihre Hebamme erstmals im Kreißsaal zu Gesicht bekommen haben, daher erscheint der Ge- danke an eine Hebammen-Beratung in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche vielen Frauen recht früh“, meint Petra Welskop, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums. Sie ist jedoch überzeugt davon, dass der Zeitpunkt gut gewählt ist: „Rund um die 20. Schwangerschaftswoche ist die Pränataldiagnostik zumeist schon überstanden. Das Ge- spräch mit der Hebamme kann der Frau dabei helfen, sich nun zu entspannen und freudig auf die Schwangerschaft einzu- lassen.“


Welskop ist überzeugt davon, dass in Zukunft immer mehr Frauen von dem Gespräch mit der Hebamme profitieren wer- den, denn: „Die Frauen erfahren schon lange vor der Geburt die besondere Qualität von Hebammenarbeit. Die Hebamme nimmt sich viel Zeit für die Fragen und Unsicherheiten der Frau. Es geht um die Veränderungen des Körpers, um einen ge- sunden Lebensstil, um die Entwicklung des Babys und um die Sorgen der Frau. Wird alles gut gehen? Werde ich eine gute Mutter sein? Viele Frauen machen sich Sorgen und wir Hebammen stärken sie in ihrem Vertrauen auf die eigenen Ressour- cen.“


Die richtige Hebamme finden

2.200 Hebammen arbeiten in Österreich, knapp 1.000 von ihnen bieten das Beratungsgespräch im Mutter-Kind-Pass an. Am einfachsten findet man eine Hebamme über die Webseite des Österreichischen Hebammengremiums www.hebam- men.at. Sie enthält in ihrer Hebammen-Suche im Eltern-Bereich zwei Suchoptionen: „Mutter-Kind-Pass Beratung“ und „MKP Beratung Kassenvertrag“. Durch Ankreuzen dieser beiden Felder findet man Hebammen in der Nähe des eigenen Wohnorts, die das Beratungsgespräch anbieten. Bei einer Hebamme mit „MKP Beratung Kassenvertrag“ muss man für die einstündige Beratung nichts bezahlen, die Hebamme rechnet direkt mit der Krankenkasse ab. Bei der Hebamme ohne Kassenvertrag bezahlt man den Tarif von 50 Euro an die Hebamme, reicht die Rechnung bei der Krankenkasse ein und bekommt den vollen Betrag rückerstattet.


Vor allem Erstgebärende kommen mit vielen Fragen in die Hebammen-Beratung: „Wie verändert sich mein Körper in der Schwangerschaft? Was ist normal? Wann muss ich mir Sorgen machen?“ Außerdem ist Ernährung ein wichtiges Thema. „Wo-rauf sollte ich bei meiner Ernährung achten? Was muss ich ändern? Darf ich Kaffee trinken? Darf ich alles essen, wor- auf ich Lust habe?“ Frauen, deren Toxoplasmose-Test negativ war, machen sich Sorgen, dass sie gegen eine mögliche In- fektion nicht immun sind. Unsicherheiten rund um dieses Thema kommen in der Hebammen-Beratung häufig zur Sprache.

Die Art der Geburt wird eher von Frauen angesprochen, die schon geboren haben. Einige haben beim ersten Kind Erfah- rungen gemacht, die sie beim zweiten Mal vermeiden möchten. Sie wollen von der Hebamme wissen, was sie tun können, damit diesmal die Geburt anders läuft. Großes Interesse besteht auch an Geburtsvorbereitungskursen. Welche Kurse gibt es? Welche empfiehlt die Hebamme? Wo finden die Kurse statt? Wer hält sie?


Bewegungsmuffel im Fokus

Bewegung in der Schwangerschaft wird von den Frauen eher selten angesprochen, das bringt die Hebamme ein. Frauen, die schon vor der Schwangerschaft Sport betrieben haben, sich regelmäßig und viel bewegt haben, tun das auch weiter- hin. Die Hebamme kann jetzt aber auch jene Frauen erreichen, die bisher eher Bewegungsmuffel waren. Es ist einleuch- tend, dass eine gute Kondition für den Verlauf der Geburt hilfreich ist. Lange Spaziergänge mit schnelleren Phasen zwi- schendurch können sich schon positiv auf die Kondition auswirken – dazu kann die Hebamme oftmals motivieren.

Auch ums Stillen geht es in der Hebammen-Beratung. Die Hebamme informiert die Frau über die Vorteile des Stillens und darüber, dass Stillschwierigkeiten zumeist recht einfach behoben werden können. Mutter und Kind gehen nach einer Ge- burt im Krankenhaus immer früher nach Hause und sind dann beim Milcheinschuss oft überfordert. Hebammen-Hausbesu- che im Wochenbett zahlt die Krankenkasse und sie helfen dabei, Probleme beim Stillen schon früh zu erkennen und sie zu lösen, bevor sie zu echten Komplikationen führen.

Die Hebamme weist darauf hin, wie wichtig es ist, in der Schwangerschaft auf das Rauchen und auf Alkohol komplett zu verzichten. Auch das sprichwörtliche Gläschen Sekt zum Anstoßen sollte auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden.


Hebammenbegleitung entspannt

Hebammen haben den gesunden Verlauf der Schwangerschaft im Blick. Dazu haben sie ein fundiertes Wissen und viel Er- fahrung und genau das empfinden viele Schwangere bei der Beratung im Mutter-Kind-Pass als sehr wohltuend. „Leider hat sich die ständige Suche nach möglichen Problemen in der Geburtshilfe stark in den Vordergrund geschoben. Viele Frauen sind wegen pränataldiagnostischer Untersuchungen verunsichert und beim angstvollen Warten auf den jeweils nächsten Befund wird ganz vergessen, dass die Schwangerschaft eine einzigartige Zeit großer Veränderung ist, die be- wusst wahrgenommen und möglichst auch genossen werden will“, sagt Petra Welskop. „Der Körper einer gesunden Frau ist in den allermeisten Fällen für die Schwangerschaft und die Geburt gut gerüstet. Wir Hebammen kontrollieren, ob alles normal verläuft, und intervenieren so wenig wie möglich. Je sicherer sich die Frau fühlt, je vertrauensvoller sie auf die Ge- burt zugeht, desto besser wird die Geburt verlaufen und desto harmonischer wird der Start in das neue, gemeinsame Le- ben von Mutter und Kind sein.“


Kontakt nicht nur im Kreißsaal

Bis vor einigen Jahren hat man Hebammen hauptsächlich in Krankenhäusern mit geburtshilflicher Abteilung angetroffen, und zwar im Kreißsaal. Daran hat sich viel geändert. Es ist zwar nach wie vor die Hebamme, die der Gebärenden im Kreiß- zimmer bei der Geburt beisteht, aber darüber hinaus arbeiten auch viele Hebammen in der freien Praxis, haben Hebam- menordinationen eröffnet oder leiten Geburtshäuser.

Hebammen-Arbeit beginnt heutzutage schon sehr früh in der Schwangerschaft. Die Hebamme kontrolliert den normalen Verlauf der Schwangerschaft. In der Geburtsvorbereitung geht es der Hebamme darum, die Frau in ihrem vertrauensvollen Verhältnis zur Geburt zu stärken und ihr ein aktives, selbstbestimmtes Geburtserlebnis zu ermöglichen. Während der Ge- burt selbst steht die Hebamme der Gebärenden bei. Auch die Überwachung des Ungeborenen in der Gebärmutter gehört zu den Aufgaben der Hebammen sowie das Erkennen etwaiger Anzeichen von Regelwidrigkeiten bei Mutter und Kind. Un- mittelbar nach der Geburt beurteilt die Hebamme die Vitalzeichen und Vitalfunktionen beim Neugeborenen und übernimmt dann in den folgenden Wochen und Monaten die Betreuung der Frau und des Säuglings. ■