Reisen | Österreich

Der Nationalpark Hohe Tauern liegt im Dreilän- dereck Salzburg-Kärnten-Osttirol und ist der größte seiner Art in Österreich.

Unbekannte Ecken in Österreich

Fotos: weinfranz.at, gabriele lukacs, istockphoto/ jpique

Urlaub abseits ausgetretener Touristenpfade, „off the beaten track“, wie der Engländer so schön sagt, kann was. Es gibt sie überall, die schönen Flecken, nur kennen muss man sie!

Manchmal sind es die bekannten Schönheiten, Hotspots und Klassiker, die für die perfekte Urlaubserholung ganz und gar nicht passen, denn manchmal braucht es vor allem eines: Zurückgezogenheit. Jene Fleckchen in Österreich, die nicht je- der kennt, die keine Heerscharen von Touristen samt entsprechender Geräusch- und Infrastrukturkulisse anziehen, sind längst rar geworden, aber es gibt sie noch.


Natur und Kulinarik

Das deutsche Online-Magazin Focus listete das Pielachtal unter den zehn schönsten Landpartien von unbekannten Reise- zielen auf und meinte: „Das ‚Markenzeichen‘ des im niederösterreichischen Voralpenland gelegenen Pielachtals ist die dort angebaute Dirndl oder Kornelkirsche. Eher für den Geist als für den Gaumen: das berühmte Stift Melk, das als Unesco-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.“ Darüber hinaus wird die Pielach den Fischern empfohlen und das gesamte Tal all jenen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen. Als Unterkünfte bieten sich schmucke Bauernhöfe, aber auch Hotels wie das Wildkräuterhotel Steinschalerhof an, wo Natur und Genuss im Mittelpunkt stehen.

Noch ein Beispiel gefällig? Kukmirn klingt zunächst nicht so, als würde es in Österreich liegen, es ist aber ein idyllisches Dorf im südburgenländisch-oststeirischen Apfelland. Hier begegnet man keinen Menschenmassen, die Natur hat Vorrang, Tradition und Kulinarik genießen ebenfalls hohen Stellenwert. Manche Hoteliers haben verstanden, wie sie diesen einzigar- tigen Wert der Zurückgezogenheit am besten nutzen können. Das Domizil am Zellenberg bieten edlen Komfort und gedie- genen Genuss, ohne jemals touristisch-überrannt zu wirken. „Die Philosophie des Domizils am Zellenberg ist es, eine At- mosphäre von Heimat zu schaffen, jene Atmosphäre der Geborgenheit und Sicherheit entstehen zu lassen, in der ein Rückzug in sich selbst möglich ist“, heißt es dazu. Man glaubt es dem traditionsreichen Haus aufs Wort. So sieht Erholung ohne Massentourismus aus.

Sportlich-alpin

Auch für Liebhaber wenig entdeckter Ecken mit Hang zum Bewegungsurlaub gibt es noch besondere Fleckchen Öster- reich. „Hidden Austria“ nennt sich ein findiges Tourguide-Duo, die zu Wander-, Schneeschuh- oder sonstigen sportlichen Erkundungstouren in den versteckten Ecken Oberösterreichs laden. Dazu zählen etwa eine Wanderung im Toten Gebirge oder eine Tour durch das Mühlviertel. Auch das oberösterreichische Almtal – kein Geheimnis für Fliegenfischer und Jäger – wirkt eher verschlafen, fasziniert dann aber mit sagenhaft schönen Wanderwegen, Bergrouten und dem grandiosen Alm- see. Wenig überlaufen und ursprünglich ist es auch im Ostiroler Defereggental und im Virgental. In St. Jakob, St. Veit oder Virgen stehen Bauernhöfe, die Hunderte Jahre überdauert zu haben scheinen. Sie sind allerdings herausgeputzt als wäre jeden Tag ein Festtag und an Komfort fehlt es keinem Fremdenzimmer. 266 Dreitausender wollen in diesem hochalpinen Winkel des Landes nicht nur von unten bestaunt werden. Dazu werden kulinarische und kulturelle Veranstaltungen gebo- ten und Führungen durch den Nationalpark Hohe Tauern bringen die vielfältige Natur in kargen Bergregionen nahe. Auch in Osttirol haben sich Hotellerie und Gastronomie darauf eingestellt, dass hier nicht jeder herfindet, doch spezialisierte Un- terkünfte lassen keinen Gast im Regen stehen.

Eine Region bewirbt sich selbst mit „Bergurlaub abseits der Massen“: Russbach im Lammertal. Die Salzburger Gemeinde kennt man im Winter als Skidestination. Im Sommer stehen hier Regionalität und Saisonalität – mit einem Wort Nachhaltig- keit – hoch im Kurs. Von urigen Pensionen, netten Apartments oder zünftigen Gasthöfen aus stehen Ausflüge ins Salzkam- mergut, Berchtesgadener Land oder nach Salzburg auf dem Programm.


Städtische Geheimnisse

Selbst in Wien gibt es noch Plätze und Geschichten, die sogar Wien-Kennern nicht unbedingt bekannt sind. So führen etwa „Mystery Touren“ zu geheimnisvollen Codes, verschlüsselten Botschaften und Kulträumen. In der geheimen Unterwelt von Wien finden sich Ecken, die die Fantasie mitunter verrücktspielen lassen und ganz sicher nicht jedermanns Sache sind. Ähnlich wenig bekannt sind auch der Friedhof der Namenlosen im elften Gemeindebezirk, der Ausblick von der Jubi- läumswarte in Ottakring, die Wotrubakirche in Wien-Liesing, der Böhmische Prater oder die Strudlhofstiege – alle mehr als einen Abstecher wert und nur selten gut besucht.

Auch andere Städte des Landes gelten als mäßig touristisch: Klagenfurt etwa. Selbst ein ganzes Bundesland wird unter- schätzt: Die Bergwelt Vorarlbergs mag im Winter gut gebucht sein – im Sommer wird das Ländle unter Wert gehandelt. Es gibt sie noch, die weniger überrannten, weniger bekannten Ecken des Landes. Und sie sind ganz sicher mehr als einen Abstecher wert, bevor sie von „allen anderen“ entdeckt werden. Man muss die Schätze des Landes eben kennen, um sie heben zu können. bw