Kur & Gesundheitsvorsorge | Im Gespräch

Gralshüter der balneolo- gischen Schätze

Dr. Wolfgang Foisner, Ärztlicher Leiter des Kurzentrums Bad Hofgastein und der Alpentherme Gastein sowie Präsident des Verbandes der Österreichischen Kurärztinnen und Kurärzte, im Wordrap

Meine Entscheidung für ein Medizinstudium und die Spezialisierung auf Kurmedizin fiel … anfangs aufgrund des Kinderarztes, der mir nachts half, und eines Autounfalls, den ich als Kind beobachtete, wo meines Erachtens niemand kam, um zu helfen. Irgendwann wurde es mir immer klarer, dass ich Arzt werden wollte. Gott sei Dank haben mir meine Eltern das Studium er- möglicht und so ging das seinen Weg. In die Kurmedizin bin ich hineinge- rutscht, hat sich so ergeben und hat mich nie mehr ausgelassen – und ich bereue es nicht.


Das Besondere an der Gasteiner Kur ist … Gastein. Das ist eine Mischung aus Bergen, Schnee, rauem Klima, Radon, Föhn, einem kräftigen Kurmittel – anstrengend, aber sehr wirksam.


Den Stellenwert der Kur in Österreich schätze ich als … zunehmend ein. Die Kur wird immer wichtiger, da die Menschen diese Zeit – nur für sich da zu sein – brauchen. Man kann in diesen drei Wochen so viel erreichen. Es wäre schade, das als altmodisch zu bezeichnen.


Der Verband der Österreichischen Kurärzte ist … ein Gralshüter, der den Schatz der Balneologie bewahrt.


Für die nächsten 50 Jahre des Verbandes der Österreichischen Kurärzte erwarte ich ... viel Arbeit, damit die natürlichen Heilmittel nicht untergehen.


Verbessern könnte man in der kurärztlichen Ausbildung … immer etwas, wir adaptieren ohnehin jährlich.


Das Kurarztwesen sollte gestärkt werden, indem … Kurärztinnen und Kur- ärzte umfassende Medizin, Hausmittel, Eigenhilfe, Wissen, Prophylaxe etc. vermitteln können und dürfen, das ist eigentlich eine Zeitfrage. Kaum je kann sich jemand so intensiv um Patienten kümmern wie auf einer Kur.


Eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten zehn Jahre im Kurwesen war ... die Qualitätsverbesserung im Bereich der Sozialversicherungskur.


Für die Zukunft der Kurmedizin erwarte ich … mehr Wertschätzung der klassischen Kurmittel, also der natürlichen ortsgebundenen Heilvorkommen. Diese in die neuen Kurkonzepte der Sozialversicherungskur einzubinden, wäre schon eine Besonderheit der österreichischen Kur. Die natürlichen Heil- vorkommen veredeln die anderen Kurmaßnahmen. Die Kurmedizin sollte auch mehr forschen. Die Wirkmechanismen der natürlichen Heilvorkommen sind komplex und faszinierend, sich dem zu widmen, macht sehr viel Sinn.


Was ich schon immer über die Kurmedizin sagen wollte, ist … dass sie ein spannender Bereich der Medizin ist, ein Fachgebiet eigentlich, sehr um- fassend von Physikalischer Medizin über Kommunikation und Wissensver- mittlung bis hin zur Psychologie.


Ausgleich zu meinem Beruf finde ich … in meiner Familie und in der Natur, auch bei der Gartenarbeit. Gott sei Dank habe ich eine verständnisvolle Frau, sonst könnte ich all das nicht machen, was mein Beruf so mit sich bringt. bw  ■

Wolfgang Foisner wurde 1957 in Salzburg geboren. Nach dem Besuch des Akademi- schen Gymnasiums übersiedelte er nach Innsbruck und studierte Medizin. 1981 pro- movierte Foisner. Er erwarb außerdem Di- plome in Kurmedizin, Sportmedizin, Aku- punktur, Neuraltherapie, Notfallmedizin und ambulanter kardialer Rehabilitation. Seit 1988 ist Foisner als Kurarzt in Gastein tätig, mittlerweile als Ärztlicher Leiter des Kurzen- trums Bad Hofgastein und der Alpentherme Gastein. Außerdem fungiert er als Präsident des Verbandes der Österreichischen Kur- ärztinnen und Kurärzte und als Präsidiums- mitglied des Österreichischen Heilbäder- und Kurorteverbandes. Foisner ist verheira- tet und hat vier Kinder.


www.alpentherme.com

Verband der Österreichischen Kurärztinnen

und Kurärzte


Der Verband der Österreichischen Kurärztinnen und Kurärzte sieht sich als Interessengemeinschaft aller Kurärztinnen und Kurärzte Österreichs und aller jener Kolleginnen und Kollegen, die mit kurspezifischen Methoden arbeiten. Der Verband widmet sich der Stärkung des Kurarztwesens, der Verbesserung der Kommunikation in der Kurärzteschaft und der Vernetzung der kurörtlichen Forschung. 2017 feiert der Verband sein 50-jähriges Bestehen.


www.kuraerzteverband.at