INVESTMENTS |  Private Banking

Fotos: erste bank/hinterramskogler, ZGV

Erträge trotz niedriger Zinsen

Wie man trotz Niedrigzinsphase mehr aus seinem Geld macht, erklären prominente Private Banker.

„Das anhaltende Niedrigzins-umfeld ist eine Herausfor- derung für jeden Anleger.“


Mag. Peter Böhler, Vorstand Schel- hammer & Schattera

„Das anhaltende Niedrigzinsumfeld ist eine Herausforderung für jeden Anleger“, meint Schelhammer-&- Schattera-Vorstand Mag. Peter Böhler – und zeigt sich opti- mistisch: „Aber auch in diesem Umfeld ist es möglich, systematisch attraktive Anla- gerenditen zu erwirtschaften“. Worauf es ankommt, so Böhler, ist die richtige Beimi- schung von Aktien und eine klare Anlagestrategie.


Disziplin ist die halbe Miete

Wichtig ist also, so der Vorstand der 1832 gegründeten Bank, die Einhaltung klarer Guidelines: „Für die erfolgreiche Geldanlage braucht es eine klar formulierte Stra- tegie und die Disziplin, diese durchzuhalten. Wir warnen jeden Anleger davor, dem heißen Aktientipp nachzujagen oder jenen Glauben zu schenken, die meinen Kapi- talmärkte prognostizieren zu können. Das ist langfristig noch niemandem mit Erfolg gelungen“. Es geht vielmehr darum, robuste Anlageportfolios aus allen zur Verfü- gung stehenden Anlageklassen zu konstruieren um die Bedürfnisse des Anlegers in puncto Ertrag, Risiko und Liquidität langfristig zu erfüllen. „Das mag für den Lai- en langweilig klingen, ist aber das Mittel zum Erfolg. Und nur so lassen sich auch schwierige Börsenzeiten erfolgreich durchstehen“, ist Peter Böhler überzeugt.  An- leger müssen darauf achten, die kapitalen Fehler der Geldanlage zu vermeiden, so

der Vorstand von Wiens ältester Privatbank: „Einer davon ist der Versuch, im Tief zu kaufen und im Hoch zu verkaufen. Denn es bleibt meist beim Versuch. Mit dem Ergebnis, das genau das Gegenteil passiert. Sie verkaufen aus Angst, wenn die Börsen fallen und kaufen, wenn sie steigen“, beschreibt Böhler den häufigsten Fehler, den Anleger machen. Und fügt hinzu: „Laufendes ,Rebalancing‘ lässt uns im Kurs gefallene, also günstige Anlageklassen sukzessive zukaufen und Ge- winne in steigenden Märkten. Mit Anlageklassen meinen wir Aktien, Anleihen und Alternative Investments und deren Sub- segmente“, so der Privatkundenvorstand und Private Banking Chef der Erste Bank Mag. Thomas Schaufler. Solche Sub- segmente sind beispielsweise bei Aktien der Regionen, Sektoren, Stile (Value, Growth), Faktoren (Qualität, Momentum, etc.), bei Anleihen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Emerging-Markets-Anleihen. Bei Alternatives kommen Immobili- en, Absolute Return Strategien und Rohstoffe aus dem Bereich Energie, Industriemetalle und Edelmetalle zum Einsatz. Auf der Suche nach Rendite ist über die vergangenen 10 Jahre das Investoreninteresse von Staatsanleihen, zu Unternehmens- anleihen und weiter zu High-Yield- und Emerging-Markets-Anleihen zu Aktien gewandert, was die entsprechenden Preis- anstiege bewirkt hat. „In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, sich geschickt entlang dieser Kette in den je- weils attraktiven Segmenten zu positionieren“, so der Privatkundenvorstand. Das wesentliche sei auf eine gut diversifizierte Strategie zu setzen, die breit über viele Anlageklassen in optimaler Zusammensetzung aufgebaut ist und diszipliniert um- gesetzt werde. Die diversifizierte Strategie bringe ein wesentlich besseres Ertrags-Risiko-Ergebnis als die Fokussierung auf einzelne Investments. So setzt die Erste Bank auf sogenannte Megatrends. Schaufler „Hier investieren wir in Aktien von Unternehmen, die von langfristigen Entwicklungen profitieren, die über den Konjunkturzyklus hinaus Bestand haben.“ Das sind die Bereiche demografische Entwicklung (Gesundheit, Biotec), Industrie 4.0 (Robotic, Künstliche Intelligenz, Cyber Security, etc.) und neue Energiegewinnung.


„Ethisch“ bringt Rendite

Wenn’s um Renditen geht, setzt man beim Bankhaus Schelhammer & Schattera, auf eine klare Richtung: Man ist Spezialist für ethisch-nachhaltige Geldanlagen und setzt dies konsequent um. „Der augenscheinliche Vorteil der ethisch-nachhalti- gen Geldanlage ist das positive Gefühl, mit seinem Geld Gutes zu tun. Aber es endet nicht dabei. Es geht gibt keinen ethi- schen Selbstzweck in der Geldanlage. Durch das Aussieben von Unternehmen mit niedrigen Umweltstandards, sozialem Fehlverhalten und vielem mehr lassen sich auch Portfoliorisiken reduzieren. Und mindestens genauso wichtig: Studien zei- gen, dass man mit ethisch-nachhaltiger Geldanlage nicht auf Rendite verzichten muss“, so Böhler.


Nostalgie trägt keine Zinsen

„Das waren noch Zeiten“, sagt Dr. Wolfgang Fusek vom Private Banking des Bankhauses Krentschker. „Ein dickes Spar- buch mit hübschen Zinsen – wer gespart hat, war für die Zukunft abgesichert“. Seit Jahren sind die Zinsen im Sturzflug – heute liegen sie am Boden, so Fusek und rechnet vor: „Bei 0,1 % für täglich verfügbare Einlagen benötigen Sie 694 Jahre, bis sich Ihre Einlage verdoppelt. Oder anders betrachtet:  Das Liegenlassen von Geldern auf Sparbüchern über den be- kannten „Notgroschen“ hinaus kostet Geld und was davon übrigbleibt, wird von der Inflation aufgefressen.“  Auf Basis der durchschnittlichen Inflationsrate in Österreich während der vergangenen zehn Jahre in Höhe von 1,9 % hat sich in dieser Zeit die Kaufkraft des Ersparten bereits um über 17 % vermindert, erläutert der Experte: „Nach 37 Jahren ist Ihr Geld hochgerechnet gar nur mehr die Hälfte wert. Wer dieser Tage nicht vernünftig investiert und eine Rendite erzielt, die über dem Kaufkraftverlust liegt, verliert Geld und Vermögen“.


Aktien als Booster

Somit ist klar, dass hier akuter Handlungsbedarf besteht, sagt Fusek: „Die klassische Anlageform, die diesem Dilemma entgegenwirken kann, sind Aktien“. Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen, die entsprechende Wachstumsziele verfol- gen und damit langfristig höhere Renditen erzielen sollen als Anleihen, erklärt der Krentschker-Experte: „Darüber hinaus schütten viele Aktien – unabhängig ihrer Kursentwicklung – den Jahresgewinn in Form von Dividenden aus, wobei deren aktuelle Höhe durchaus 2 bis 3 % ausmachen kann und damit ebenfalls über dem aktuellen Marktzinsniveau liegt.“  In ei- nem Portfolio, also dem persönlichen Korb aller Investments eines Anlegers, sollte die Aktienquote nicht unter 30 % liegen,

damit langfristig eine Verzinsung über der Inflationsrate möglich wird. Die größten Fallstricke liegen laut Bankhaus Krentschker darin, dass potenzielle Anleger ihr Veranlagungsglück immer wieder unkoordi- niert in Einzelaktien suchen. Renditen am Markt, besonders am Akti- enmarkt, können langfristig systematisch „abgefischt“ werden.


Divide et impera

Daher, so Fusek, hält sich das Vermögensmanagement des Bankhau- ses Krentschker an jenen Faktor in der richtigen Veranlagung, der den weitaus überwiegenden Teil des Anlageerfolges erklärt, nämlich die richtige Vermögensaufteilung in entsprechende Anlageklassen: „Dabei spielt dann das richtige Timing kaum mehr eine Rolle. Das Management der einzelnen Anlageklassen wird wiederum nach ganz speziellen Strategien vorgenommen. Darüber hinaus wird durch ge- zieltes Rebalancing die ursprünglich gemeinsam vereinbarte Gewich-

tung der Anlageklassen im Portfolio konstant gehalten und der klassische Herdentrieb der Börsen durch antizyklische Umschichtungen vermieden.“ Aktien- und was noch? Offen bleibt nun noch die Frage, welche Anlageklassen neben Anleihen und Aktien sonst noch in Frage kommen. Dies wären laut Krentschker vornehmlich Rohstoffe, Immobilien oder Gold. Alle Anlageklassen können in einem Portfolio mit unterschiedlichen Gewichtungen und Zusammensetzungen realisiert werden: Gerade hier trennt sich der Spreu vom Wei- zen: jahrelange Markterfahrung, das Gespür für die richtigen Fragen in ausführlichen Be- ratungsgesprächen und das Erkennen der entscheidenden Bedürfnisse eines jeden ein- zelnen Kunden sind hier von Bedeutung und charakterisieren erfahrene Kundenbetreuer und ein erfahrenes Portfoliomanagement“, sagt Fusek.  „Die positiven wirtschaftlichen Fundamentaldaten und die im Schnitt weiter steigenden Unternehmensgewinne sprechen noch immer für zyklische Anlageklassen, an welchen für die Erzielung aktuell kein Weg vorbeiführt“, erklärt Dr. Bernhard Ramsauer, Vorsitzender des Vorstandes, Liechtensteini- sche Landesbank (Österreich) AG. „Da aber die ultra-expansive Geldpolitik langsam aus- läuft und wir uns in einer späten Phase des Konjunkturzyklus befinden, ist zukünftig mit deutlich stärkeren Schwankungen an den Märkten zu rechnen. In diesem Umfeld müssen gezielt Risiken eingegangen werden. Aktien, Immobilienaktien sowie offene Immobilien- fonds, inflationsgeschützte Anleihen und Rohstoffe – inklusive Edelmetallen. Alternative Investments seien im derzeitigen Niedrigzinsumfeld mit zunehmenden Marktschwankun- gen ebenfalls eine attraktive Beimischung für jedes Portfolio. „Wir setzen hierbei auf Stra- tegien, die sich speziell bei längeren Korrekturen möglichst unabhängig von den Aktien- märkten entwickeln und auch bei steigenden Anleiherenditen eine positive Performance versprechen. Hierzu zählen Long-/Short-Aktien- und Trendfolgefonds, sowie ausgewählte Absolute-Return-Strategien“, so Ramsauer.

Eine diversifizierte Strategie bringt ein wesentlich besseres Ertrags-Risiko-Ergebnis als die Fokussierung auf einzelne Investments. „Mit Anlageklassen meinen wir Aktien, Anlei- hen und Alternative Investments und deren Subsegmente“, so der Privatkundenvorstand und Private Banking Chef der Erste Bank Mag. Thomas Schaufler. Solche Subsegmente sind beispielsweise bei Aktien der Regionen, Sektoren, Stile (Value, Growth), Faktoren (Qualität, Momentum, etc.), bei Anleihen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Emer- ging-Markets-Anleihen. Bei Alternatives kommen Immobilien, Absolute Return Strategien und Rohstoffe aus dem Bereich Energie, Industriemetalle und Edelmetalle zum Einsatz. Auf der Suche nach Rendite ist über die vergangenen 10 Jahre das Investoreninteresse von Staatsanleihen, zu Unternehmensanleihen und weiter zu High-Yield- und Emerging- Markets-Anleihen zu Aktien gewandert, was die entsprechenden Preisanstiege bewirkt hat. „In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, sich geschickt entlang dieser Kette in den jeweils attraktiven Segmenten zu positionieren“, so der Privatkundenvor- stand. Das wesentliche sei auf eine gut diversifizierte Strategie zu setzen, die breit über viele Anlageklassen in optimaler Zusammensetzung aufgebaut ist und diszipliniert umge- setzt werde. Die diversifizierte Strategie bringe ein wesentlich besseres Ertrags-Risiko-Er- gebnis als die Fokussierung auf einzelne Investments. „Wir investieren in Aktien von Un- ternehmen, die von langfristigen Entwicklungen profitieren, die über den Konjunkturzyklus hinaus Bestand haben.“ Das sind die Bereiche demografische Entwicklung (Gesundheit, Biotec), Industrie 4.0 (Robotic, Künstliche Intelligenz, Cyber Security, etc.) und neue

„Wir setzen auf Ak- tien von Unterneh- men, die von lang- fristigen Entwick- lungen profitieren, die über den Kon- junkturzyklus hin- aus Bestand haben.“


Mag. Thomas Schaufler

Erste Bank Privatkundenvorstand und Private Banking Chef Management

„Die positiven wirtschaftlichen Fundamentaldaten sprechen noch immer für zyklische Anlageklassen.“


Dr. Bernhard Ramsauer, Vorsitzender des Vorstandes, Liech- tensteinische Landesbank (Österreich) AG