Opioide richtig anwenden

Ein neues Positionspapier der Europäischen Schmerz-Föderation EFIC soll klare Antworten auf offene Fragen geben und Abhilfe bei bestehenden Mängeln fördern.

„Die Verantwortung für das Management chro- nischer Schmerzen und für die

Einleitung einer Therapie auch mit

Opioiden liegt oft bei Ärzten, die darauf nicht spezialisiert sind.“


Univ.-Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Leiter der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie am AKH Wien

Noch immer bekommen in Europa viele Patienten mit chronischen Schmerzen keine ausreichende Therapie. „Vorurteile, Fehlinformationen und mangelndes Wissen behindern häufig die Anwendung der potentesten Analgetika, der Opioide in verschiedenen Darreichungsformen und Dosierungen“, sagt Univ.-Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Leiter der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie am AKH Wien, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft und Past President der EFIC und einer der Autoren des neuen Positionspapiers.


Behandlungsdefizite evident

Bei einem Gutteil der Patienten sind ihre quälenden Symptome nicht oder nicht ausreichend abgeklärt und auch nicht aus- reichend behandelt, wie die Fachleute feststellen. Mehrere Faktoren sind daran schuld: Einerseits glauben noch immer vie- le Menschen, dass auch chronische Schmerzen einfach „zu ertragen“ wären. Andererseits mangelt es aufseiten der Ärzte oft noch an entsprechender Ausbildung und Information. Dies gilt vor allem für die medizinische Versorgung außerhalb der Spitäler. „Nur eine Minderheit der Patienten in Europa hat Zugang zu spezialisierten Schmerzeinrichtungen. Viel öfter liegt die Verantwortung für das Management chronischer Schmerzen und für die Einleitung einer Therapie auch mit Opioiden bei Allgemeinmedizinern oder anderen Ärzten, die darauf nicht spezialisiert sind“, sagte Kress zum neuen EFIC-Doku- ment. Für eine Schmerztherapie mit Opioiden liegen in den europäischen Staaten auch oft schlechte Rahmenbedingungen vor. Die EFIC-Experten listen unter anderem auf:

• übertrieben restriktive und strikte Regulative für die Verschreibung und Verwendung von Opioiden in der

Schmerzmedizin

• negative Einstellungen (Vorurteile) gegenüber dem Gebrauch von Opioiden

• fehlende finanzielle Ressourcen und Strukturen (Betten, Personal) für die Schmerzmedizin

• große Unterschiede im Gebrauch von Opioiden in den einzelnen Ländern und mangelnde Richtlinien auf diesem Gebiet


Dabei könnten die Defizite mit politisch unterstützter struktureller Verbesserung der Lage der Schmerzmedizin insgesamt, bei entsprechender Öffentlichkeitsarbeit in der Bevölkerung und entsprechender geregelter Ausbildung der Ärzteschaft in- klusive der Etablierung mehrstufiger Versorgungssysteme zur Betreuung von Patienten mit chronischen Schmerzen durch- aus behoben werden. Das neue EFIC-Positionspapier formuliert dazu einige Grundsätze: „Eine Therapie mit Opioiden soll- te im Rahmen eines multimodalen Therapieplans und von dafür ausgebildeten und kompetenten Ärzten eingeleitet wer- den, wenn einfachere Mittel versagt haben. Alle Patienten unter Opioid-Therapie benötigen eine engmaschige, schmerz- medizinische Kontrolle.“ Bei Versagen oder beim Auftreten von Nebenwirkungen muss adäquat gehandelt werden. Neben- wirkungen gehören therapiert, bei einem nicht ausreichenden Effekt müssen die Behandlungskonzepte leitliniengerecht angepasst bzw. verändert werden. rh


Quelle: European Pain Federation position paper on appropriate opioid use in chronic pain management. In: Eur J Pain. 2017 Jan; 21(1):3 - 19: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ejp.970/full