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Wildtiere, Safari, Kilimandscharo –alles Assoziationen mit Afrika, aber der Kontinent kann noch viel mehr.

Afrikanische Impressionen

Foto: fotolia/ byrdyak, fotolia/faup

Von Marokko und Ägypten über Uganda bis Südafrika kann der Kontinent mit einer gewaltigen Vielfalt an Sehenswertem aufwarten. Vielleicht hat es Ihnen ja beim nächsten Mal nicht die Safari-Badeurlaub-Kombi, sondern eine Städtereise oder ein Kulturtrip angetan.

Fragen Sie sich einmal testweise, was Sie mit den Schlag- worten Reise und Afrika verbinden. In den allermeisten Fäl- len lauten die Antworten Safari, Wüste, Kilimandscharo, Py- ramiden. Das ist auch durchaus richtig, aber dieser Konti- nent hat noch viel mehr zu bieten! Wer sich mit den Reise- optionen für Afrika beschäftigt, wird feststellen, dass die se- henswerten Destinationen zu viele für ein Menschenleben sind. Wir möchten Sie daher auf den Geschmack bringen, damit Sie Ihr persönliches, afrikanisches Traumziel finden.


Echt wild

Die Zeiten der Großwildjäger sind längst vorbei. Die „Big Five“ – Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard – werden meist im besten Fall im Zoo bewundert, doch nicht in freier Wildbahn. Nun lässt aber eine neue App für Smartphones die Welt kleiner werden: Der Moment, wenn sich eine Million Gnus von der kenianischen Masai Mara in die Serengeti von Tansania auf die Reise machen, gefolgt von Zebras, Antilopen und – mit gutem Grund – Löwen, kann nun auf der App „HerdTracker“ live miterlebt werden. Imposant ist das Ereignis allemal – auch auf einem Handy-Screen. Für das echte Erlebnis reicht allerdings eine Handvoll Gnus vor der Kulisse der endlosen afrikanischen Weite. Eine Safari in Kenia bzw. Tansania macht es möglich.


Szenenwechsel. Afrikanische Elefanten beeindrucken auch im Zoo. Sie sind nicht nur riesig, sondern wirken intelligent, ein wenig unberechenbar – wie alle Wildtiere – und faszinie- ren durch ihren Umgang miteinander und ihre scheinbare Gleichgültigkeit gegenüber Menschen. Botswana gehört mittlerweile zu den stabilsten Ländern Afrikas und birgt ei- nen sagenhaft schönen Schatz: das Okavango-Delta. Dort versammeln sich Tausende Tiere, um Wasser zu trinken. Ranger sind grundsätzlich bewaffnet, doch auf einen Lö- wen schießen sie im Normalfall nicht, denn die sind feige und der Knall eines Schusses reicht, um sie in die Flucht zu schlagen. Anders sieht es mit Flusspferd oder Büffel aus – mit denen ist nicht gut Kirschen essen, wenn sie zornig sind. Manche Lodges liegen so idyllisch am Rande des Del- tas, dass der Tourist abends nur auf der Terrasse zu stehen braucht, um all das zu sehen, weswegen er gekommen ist. Andere verlegen sich auf den Blick von oben und buchen eine Ballonfahrt – ein einzigartiges Erlebnis. In jedem Fall sind einheimische Begleitung und Schutz mehr als ratsam – diese Wildnis ist unglaublich schön, aber tatsächlich manchmal wild.

Für das Erlebnis Wildnis bietet Afrika das volle Programm: Safaris in der Masai Mara und der Serengeti, in Namibia, Botswana oder Südafrika, Gorillas und Schimpansen in Uganda, Kameltouren durch die Sahara oder Walhaie in Mosambique. Afrika ist der Inbegriff des Naturerlebnisses, aber es kann noch viel, viel mehr.


Metropolen mit dem gewissen Etwas

Eine Städtereise nach Afrika? Klingt widersinnig, ist es aber nicht. Längst haben Reiseveranstalter auf das begrenzte Zeitpensum in Kombination mit Reiselust reagiert und bie- ten Städte-reisen in weit entfernte Metropolen an. Kapstadt liegt dabei hoch im Kurs. Aufgrund der Lage gibt es keinen Jetlag, wohl aber eine lange Anreise von weit über elf Stun- den. Eine Reise nach Kapstadt kann jedenfalls mehr sein als bloß Sehenswürdigkeiten abzuklappern und lokale Spe- zialitäten zu genießen. Eine wilde Küstenlinie umgibt die Stadt, der Tafelberg thront stets über ihr, Weingüter laden zum Besuch.

Strandleben, bunte Farben und fröhliche, gastfreundliche Menschen sind ein

weiteres Gesicht Afrikas.

Djemaa El-Fna, Hauptplatz in Marrakesch, gilt als Sturm auf alle Sinne: tausende Klänge, faszinierende Gerüche, exotische Speisen und unbeschreibliche Szenen.

Superlative finden Reisende auf dem schwarzen Kontinent viele – unter anderem angesichts der Victoriafälle.

fotos: fotolia/zx6r92, fotolia/THPStock

Nordafrika ist als Destination für Städte-reisen schon deutlich naheliegender. Marrakesch in Marokko hat sich in den letzten Jahren zu einem wahren Reise-Hotspot gemausert. Die alte Königsstadt fasziniert mit einer turbulenten Mischung aus bun- tem Markttreiben, stolz zelebrierter Kulinarik, beeindruckender Architektur und Geschichte sowie einer Bevölkerung, die sich durchaus auch in der modernen Welt zurechtfindet. Als besonderer Ort gilt Djemaa El-Fna, der Hauptmarktplatz, wo vom Ge- würzhändler über Artisten, Affenbändiger und Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler und Verkäufer für frisch gepress- te Säfte und kleine orientalische Snacks bis zum ganz sicher nicht akademisch geprüften Zahnarzt fast jeder seine Leistun- gen und Waren anpreisen kann.

Auch Kairo dürfte wieder sicher genug sein, um einen Städtetrip – gerne auch in Kombination mit einem Tauch- oder Badeur- laub – zu wagen. Kunst und Kultur werden hier großgeschrieben, Architektur, historische Schätze und spektakuläre Sehens- würdigkeiten können kaum an einem Wochenende erkundet werden. Noch dazu liegt eines der absoluten Highlights Ägyp- tens, Gizeh mit seinen Pyramiden und der Sphinx, vor den Toren der Stadt und beeindruckt trotz geballter Touristenausbeu- tung jeden Besucher. Längst ist in Ägypten jeder moderne Komfort zu haben, der Kontrast zwischen superreich und bettel- arm ist an jeder Ecke spürbar.


Mehr als Sonne, Wasser, Sand

Ja, natürlich gehören auch Badeurlaube auf dem afrikanischen Kontinent zu den Erlebnissen, die etwas können. Kenia gilt als Klassiker, ebenso Marokko oder natürlich Ägypten. Nicht zu unterschätzen die Inselwelt: Sansibar, Gewürzinsel und Sehnsuchtsort für viele, Mauritius, das Traumziel für Romantiker, die Seychellen für gediegene Strandidylle oder São Tomé und Príncipe als relativ neu entdeckte Ziele vor der Westküste Afrikas. Madagaskar fasziniert wiederum Naturliebhaber und Abenteurer, La Réunion wurde von den (Extrem-)Sportlern entdeckt und die Kapverdischen Inseln sind ebenfalls kein mas- sentouristisches Ziel, könnten es aber noch werden.

Spannender als das pure Strandleben gestalten sich jedoch unvergessliche Reisen zu den Must-Sees Afrikas: Krüger Natio- nalpark und Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, Victoriafälle in Sambia bzw. Simbabwe, Lalibelas Felskirchen in Äthiopien, Fort Jesus in Mombasa, Ngorongoro-Krater in Tansania, Etosha-Nationalpark in Nambia, Ägyptens Tal der Könige, Kiliman- dscharo und noch so vieles mehr. Freilich gilt es, empfohlene Impfungen und Reisewarnungen – etwa im Hinblick auf terro- ristische Aktivitäten – zu beachten, doch im Grunde gilt zumindest Letzteres für fast jedes Reiseziel weltweit. Kolonialismus, Bürgerkriege und religiöse wie auch politische Konflikte haben viel zerstört. Dennoch ist die touristische Infrastruktur des schwarzen Kontinents viel besser als ihr Ruf. Zu schade wäre es, sich auf Badeurlaub und 08/15-Safari zu beschränken, denn neben einer grandiosen Landschaft gibt es noch jede Menge historische und religiöse Bauten, freundliche Menschen mit sehenswerten Traditionen, seltene Tiere und kulturelle Schätze zu bestaunen. bw