REHABILITATION | Kinderrehabilitation

FotoS: der Leuwaldhof/Vamed / skyline architekten, www.photo-simonis.com

Der Leuwaldhof - erste Reha für Kinder und Jugendliche in Westösterreich

Im Frühjahr 2018 eröffnen die VAMED und die Salzburger Landeskliniken erstmals eine Rehabilitationseinrichtung für Kinder und Jugendliche mit Familienorientierung, bei der die Aufenthaltskosten vollständig von den Krankenkassen übernommen werden.

Der Leuwaldhof ist spezialisiert auf die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen Null und 18 Jahren mit hämato-onkologischen, immunologischen Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen sowie Erkrankungen des Gas- trointestinaltraktes.  Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Salz- burg und wissenschaftlicher Leiter der Kinder- und Jugendrehabilitation „Leuwaldhof“, ist federführend für die Erstellung des medizinischen Konzeptes verantwortlich. Prof. Dr. Christina Peters vom St. Anna Kinderspital sowie Dr.  Reinhard Topf und Prof. Dr. Wolfgang Holter und zahlreiche Initiatoren wie Markus Wieser, Gründer der Initiative Kinder- und Jugendreha- bilitation in Österreich, haben sich für das Projekt engagiert und gemeinsam mit der VAMED und den Salzburger Landes- kliniken (SALK) den Grundstein für die neue Gesundheitseinrichtung gelegt, die organisatorisch mit dem bestehenden On- kologischen Rehabilitationszentrum für Erwachsene St. Veit im Pongau verbunden ist.

Die neue Einrichtung wird sowohl in architektonischer als auch in medizinischer und therapeutischer Hinsicht eine der mo- dernsten Kinder- und Jugend-Rehakliniken Europas sein. Je nach Alter und Entwicklungsphase der Patienten, die in die drei Gruppen Kleinkinder (0 bis 6 Jahre), Schulkinder (7 bis 14 Jahre) und Jugendliche/Adoleszente (15 bis 18 Jahre) ein- geteilt werden, wird den Kindern und Jugendlichen eine individuell angepasste und auf modernsten internationalen Metho- den beruhende Therapie angeboten. Ein Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegern erstellt und überwacht die Therapie multi- und interdisziplinär.

Abgestimmt auf Familien

Die Aufnahme der Gesamtfamilie bei Kindern mit hämato-onkologischen und immunologischen Erkrankungen ist fester Bestandteil des Gesamtkon- zepts. Das bedeutet, dass im Leuwaldhof die ganze Familie betreut wird, denn eine lebensbedrohliche Diagnose erzeugt nicht nur existenzielle Ängste um das erkrankte Kind, es entsteht auch eine Vielzahl von Schwie- rigkeiten, die Spuren am gesamten Familienleben hinterlassen und behan- delt werden müssen.

Der Leuwaldhof umfasst 32 Betten für Primärpatienten (12 Stoffwechsel

und Gastrointestinaltrakt, 20 Hämato-Onkologie und Immu- nologie) und 50 Begleitpersonen im Bereich der familienori- entierten Rehabilitation, die in 15 Familienapartments mit Kü- che, Bad, Wohn- und getrennten Schlafzimmern, elf Doppel- zimmern und sechs Einzelzimmern untergebracht sind. „Die lebensbedrohliche Erkrankung eines Kindes, wie Krebs, be- trifft die ganze Familie, oft viele Wochen und Monate, bis hin zu einem Jahr. Die Angst, das Kind zu verlieren, monatelan- ger Aufenthalt im Krankenhaus sowie wochenlange ambu- lante Therapie können sehr belastend sein. In so schweren Fällen starker familiärer Belastung sehen wir auch die Ange- hörigen als Teil des Therapiekonzepts“, erklärt Sperl. So sind die Eltern vielleicht nicht mehr in der Lage, alle Kinder gleich intensiv zu betreuen, haben Probleme, die Betreuung und den Berufsalltag zu vereinen, oder Geschwisterkinder sehen sich im Schatten des erkrankten Kindes. Jedes dieser Famili- enmitglieder hat Anspruch auf Hilfestellung im psychosozia- len Bereich und wird in der Kinder- und Jugendrehabilitation individuell betreut. „Wir holen die Kinder zu uns, aber wir brauchen auch die Familie dazu, um den Weg zurück ins tägliche Leben zu  finden“, gibt Sperl Einblick.



Hilfe zur Selbsthilfe

Eine besondere Herausforderung stellen dabei Jugendliche dar, die sich in einer Phase ihres Lebens befinden, in der sie sich eigentlich zu eigenständigen, unabhängigen Erwachsenen entwickeln sollen, jedoch durch ihre Erkrankung wieder in die Ab- hängigkeit von ihren Eltern zurückfallen. Deshalb werden Jugendliche mit Gleichaltrigen in eigenen Bereichen untergebracht und sie finden hier durch Hilfe zur Selbsthilfe Eigenständigkeit und Zuversicht für ihr Leben. Neben der Therapie gehört auch die Schulbildung und Berufsorientierung zum Tagesablauf der Jugendlichen. „Eine weitere Besonderheit der Rehabilitation für Kinder und Jugendliche ist, dass Schule und Kindergarten integrativer Bestandteil sind. Die Rehaklinik verfügt über eine eige- ne Heilstättenschule, die Kinder und Jugendliche inklusive Oberstufe betreut, mit Pädagogen und einem Kindergarten“, führt Sperl aus. Die Schule arbeitet nach den individuellen Lehrplänen. Es werden Patienten selbst ebenso wie die Begleitpersonen beschult oder im Kindergarten sozialpädagogisch betreut.

Die Region St. Veit im Pongau ist dafür wie geschaffen. Nicht nur die klimatischen Bedingungen sind hier perfekt, auch die Fachkenntnisse sind bereits vorhanden, um Rehabilitation auf höchstem Niveau anzubieten: Durch die Anbindung an das On- kologische Rehazentrum St. Veit kann auf bewährte Konzepte und Erfahrungen zurückgegriffen werden. „Transition von Ju- gendlichen ins Erwachsenenalter wäre sichergestellt. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem nur fünf Kilometer ent- fernt gelegenen Kardinal Schwarzenbergschen Krankenhaus in Schwarzach mit seiner Akutabteilung für Kinder- und Jugend- heilkunde“, fasst Sperl zusammen.