Thema | Sozialbegleitung

Miteinander für psychische Gesundheit

Foto: pro mente/Fotolia

Durch „Sozialbegleitung“ wird ein persönliches Kontakt- und Beziehungsangebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die über wenige soziale Kontakte verfügen, bereitgestellt.

Autor: Dr. Georg Psota

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psycho- therapie, Chefarzt des Psychosozialen Dienstes Wien

Obmann von pro mente Wien, www.promente-wien.at




Ein- bis zweimal pro Woche im Ausmaß von je ein bis drei Stunden schenken freiwillig Tätige ihre Zeit Menschen mit psy- chischen Erkrankungen. Das fördert Vertrauen und Lebensqualität. Durch das Engagement wird aktiv sozialer Isolation entgegengewirkt. Diese sogenannte „Sozialbegleitung“, die von pro mente Wien angeboten wird, gibt es seit mittlerweile mehr als fünfzig Jahren. Das Angebot war eines der ersten von pro mente Wien und die Idee dahinter war, Menschen mit psychischen Erkrankungen die Möglichkeit zu geben, mit anderen, nicht von Krankheit betroffenen Menschen Kontakt auf- zubauen und zwischenmenschliche Beziehungen außerhalb des Betreuungssystems von Ärzten, Psychologen oder Sozial- arbeitern zu erleben. Das Prinzip ist einfach: Ein Mensch nimmt sich Zeit für einen anderen Menschen und beide gewin- nen.


Förderung der aktiven Lebensgestaltung

Oftmals sind Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht nur mit Stigmata der Gesellschaft konfrontiert, sondern aus Scham und Selbststigma auch mit einer daraus resultierenden selbstgewählten Isolierung. Psychische Erkrankungen ha- ben – so wie auch viele körperliche Erkrankungen – Auswirkungen auf den Alltag und schränken häufig ein. Ziel des Ange- bots, das auf freiwilligem Engagement aufbaut, ist eine auf Vertrauen basierende Beziehung zwischen dem Sozialbegleiter und dem Betroffenen. Dadurch kommt es zur Verbesserung der Lebensqualität und auch zur Förderung der aktiven Le- bensgestaltung.

Interessenten kommen zu pro mente Wien und erhalten eine informative Einführungsschulung vor Beginn ihrer Freiwilligen- tätigkeit, nachdem ein Motivationsgespräch mit der Leiterin der Sozialbegleitung, Mag. Bettina Arbesleitner, stattgefunden hat. Die Treffen finden einmal pro Woche statt, in dieser Zeit soll die Freizeit aktiv gemeinsam gestaltet werden. Inhaltlich richten sich die gemeinsamen Aktivitäten nach den bestehenden Interessen. Spazierengehen, Kochen, ein Kaffeehausbe- such, aber auch sportliche und kulturelle Aktivitäten werden unternommen. Wegbegleitungen zu Ämtern oder Behörden können auch Teil der gemeinsamen Zeit sein, wie auch Einkaufen oder ein Arzttermin. Der Sozialbegleiter unterstützt beim Erhalt oder Erwerb von Fertigkeiten im täglichen Leben. Angesichts der demografischen Entwicklung wird das Angebot auch auf die Begleitung von älteren Menschen ausgedehnt werden.


Freiwilligenpass für Sozialbegleiter

Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, bietet pro mente Wien nicht nur fachliche Begleitung, sondern auch Teamtreffen und Supervisionen sowie Fortbildungen für Sozialbegleiter an. Die Sozialbegleitung wird vom Fonds Soziales Wien aus Mitteln der Stadt Wien gefördert. Jeder Sozialbegleiter erhält eine kleine Aufwandsentschädigung und ist haft- pflicht- sowie unfallversichert. Eine weitere Möglichkeit ist der Erhalt einer qualifizierten Bescheinigung über das freiwillige Engagement, dies kann zum Beispiel für Lebensläufe ausgestellt werden, was vor allem für junge Menschen von Interesse ist, außerdem stellt pro mente Wien auch den österreichischen Freiwilligenpass aus. Interessenten werden laufend ge- sucht.