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Point of Care Tests in der Allgemeinmedizin

Point-of-Care-(POC) oder patientennahe Labordiagnostik umfasst Untersuchungen, die kein großes Labor benötigen, sondern noch während des ersten Patientenkontakts in der Praxis, im Krankenwagen, im Krankenhaus, aber auch außerhalb von medizinischen Einrichtungen durchgeführt werden können.

POC-Tests sind in einer fast schon unüberschaubaren Vielzahl für die Klinik und den niedergelassenen Bereich erhältlich. Neben Urindiagnostik und Blutgasanalyse gibt es Tests zur Bestimmung der Blutchemie, hämatologischer Parameter, ausgewählter kardialer Parameter und Infektionsparameter sowie von Tumor-Antigenen und einer Vielzahl experimentel- ler Parameter.


Vorteile, Nachteile

Eine schnelle Diagnostik ohne großen labortechnischen Aufwand ist besonders im niedergelassenen Bereich für eine ra- sche Therapie oder eine Überwachung des Therapieerfolgs zweckmäßig. In Zeiten überfüllter Hausarztpraxen können Pa- tienten so rascher zielführend behandelt werden, mehr Information bedeutet oft mehr Sicherheit für die weitere Thera- pieplanung. Neben den augenscheinlichen Vorteilen haben POC-Tests im niedergelassenen Bereich aber auch ihre Gren- zen.

Vor allem bei Krankheitsbildern, die aufgrund der Dringlichkeit und einer möglichen nachfolgenden Therapie ohnehin im Krankenhaus oder spezialisierten Zentrum abgeklärt werden sollten, ist die Durchführung von POC-Tests wahrscheinlich nicht sinnvoll. Darüber hinaus ist die Vergütung der POC-Tests durch die Krankenversicherung im niedergelassenen Be- reich nicht immer gegeben. Auch ist die Verlässlichkeit vieler Tests durch Studien nur mangelhaft belegt und sollte immer kritisch hinterfragt werden.


Die gefragtesten Point-of-Care-Tests der Allgemeinmediziner

Eine Umfrage unter 3.000 Hausärzten in Europa, den USA und Australien ergab eine hohe Nachfrage an verlässlichen Schnelltests. Die Hausärzte verwendeten zwar vorwiegend Glukose-, Urin- und Schwangerschaftstests, wünschten sich aber eine größere Auswahl an erhältlichen POC-Tests vor allem für die Diabetes- und die kardiale Diagnostik. Zu diesen gehören unter anderem die POC-Tests für HbA1c, Troponin und D-Dimer, die sich in den letzten Jahren deutlich weitent- wickelt haben und zum Teil auch in die internationalen Empfehlungen aufgenommen wurden.


HbA1c

Neben der Serumglukose gehört die Bestimmung des HbA1c-Werts zu den wichtigsten Säulen der Diagnose eines Diabe- tes, Prä-Diabetes und um den Erfolg einer Blutzuckereinstellung zu überwachen. Kürzlich wurde eine Meta-Analyse ver- öffentlicht, welche die Ergebnisse von fünf verschiedenen HbA1c-Schnelltests mit einer konventionellen Laboruntersu- chung verglich (Hirst 2016). Die Sensitivität (richtig positiv-Rate) der Tests lag bei 93 bis 97 %. Das heißt, dass von allen Patienten, die im herkömmlichen Labor einen HbA1c von über 6,5 % aufwiesen, auch im Schnelltest 93 bis 97 % eine HbA1c von über 6,5 % aufwiesen. Umgekehrt lag die Spezifizität (richtig negativ-Rate) bei 82 bis 99 %. Die neuesten Richt- linien der American Diabetes Association geben zwar keine definitive Empfehlung von HbA1c-POC-Tests für die Diagnose von Diabetes, räumen aber die Möglichkeit für eine raschere Therapieanpassung durch die Schnelltests ein.


Troponin

Eine aktuelle Studie aus Dänemark hat die Verlässlichkeit von Troponin-Schnelltests bei Patienten mit Thoraxschmerzen im prähospitalen Bereich bis zum Jahr 2015 untersucht (Rasmussen 2017). Anhand von über 18.000 durchgeführten Tests ergab sich ein positiver Vorhersagewert von 44 % für einen akuten Myokardinfarkt. Das bedeutet, dass nur bei etwa 44 % aller Patienten, bei denen der Test positiv war, auch wirklich ein Myokardinfarkt vorlag. Der negative Vorhersagewert lag bei 92 %, womit durch einen negativen Test in 92 % aller Fälle ein Myokardinfarkt korrekt ausgeschlossen werden konnte. Bei 8 % aller getesteten Patienten diagnostizierte man trotz negativen Tests später einen Myokardinfarkt. Befragungen von Ärzten in der Primärversorgung haben ergeben, dass sie nur einen POC-Test akzeptieren würden, mit dem man weni- ger als 1 % aller Myokardinfarktpatienten übersehen würde (Than 2013). Die Anwendung von Troponin-POC-Tests wird auch von der European Society of Cardiology zur Abklärung von Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom generell nicht empfohlen. Nachdem alle Patienten mit Thoraxschmerzen zeitnah auch im Krankenhaus abgeklärt werden sollten, stellt sich ohnehin die Frage, ob ein Troponin-Test im niedergelassenen Bereich zweckmäßig ist.


D-Dimer

Das D-Dimer ist als Blutparameter zur Diagnose einer Pulmonalembolie zwar wenig sensitiv, eignet sich aber gemeinsam mit einer Risikostratifizierung – zum Beispiel Wells-Score – zum Ausschluss eines thromboembolischen Geschehens. Eine neuere Studie aus den Niederlanden hat die Verlässlichkeit eines D-Dimer-Schnelltests im niedergelassenen Bereich bei Patienten mit Verdacht auf Pulmonalembolie untersucht (Lucassen 2015). Die Kombination aus einem Wells-Score von unter ≤ 4 und einem negativen Test konnte in 99 % aller Fälle eine Pulmonalembolie korrekt ausschließen.