Recht & Steuer | Pensionsvorsorge

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Ruhestand ohne Sorgen

Die Ärzte der Baby-Boomer-Generation bereiten sich auf den Ruhestand vor. Rund 60 Prozent der Kassenärzte werden in den kommenden zehn Jahren das gesetzliche Pensionsalter erreichen. Ein „Kleines 1x1 der Vorsorge“.

Die private Pensionsvorsorge gewinnt angesichts drohender Pensionslücken immer mehr an Bedeutung. Die Möglichkei- ten dazu reichen von Immobilien über Versicherungen bis zu Fonds. Das Szenario ist nicht neu, aber brisant: Künftige Pen- sionisten müssen mit massiven Pensionslücken rechnen. Wie hoch diese tatsächlich sein werden, ist strittig, aber eines ist sicher: Eigeninitiative bei der Vorsorge ist gefragt. Allerdings: „Es gibt unzählige Möglichkeiten“, sagt Walter Hager, Exper- te im Bereich Finanzdienstleistungen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Angebote und Konditionen sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Um die jeweils am besten geeignete Variante herauszufinden, empfiehlt Hager daher den Gang beispielsweise zu einem Versicherungsmakler oder Vermögensberater. Und über ein paar Dinge sollte man sich schon im Vorfeld klar werden: Sollen monatliche Einzahlungen getätigt werden oder zieht man ein Einmalinvestment vor? Wie hoch ist die Risikobereitschaft? „Aus meiner Sicht ist die erste Überlegung die, wofür ich vorsorgen möchte und wel- che finanziellen Mittel mir dafür monatlich zur Verfügung stehen. Dieser monatliche Betrag ist so zu wählen, dass man ihn auf jeden Fall aufbringen kann“, sagt Robert Schweizer, Landesdirektor Sparkassen Versicherung AG Vienna Insurance Group. Denn der Aufbau einer privaten Altersvorsorge sei kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. „Das bedeutet, dass mein Vorsorgeplan in der Regel über mehrere Jahrzehnte läuft“, so Schweizer.


Versicherungs- und Wertpapierlösungen

Neben Erlebens- und Ablebensversicherungen gibt es Fonds- und Pensionsversicherungen sowie die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge. „Bei der klassischen Lebens- beziehungsweise Pensionsversicherung geht es nicht um kurzfristigen Vermögensaufbau oder eine möglichst hohe Rendite, sondern um langfristig orientierte Vorsorge und Risikoabsicherung“, erklärt Schweizer. Möglich sind bei diesen Produkten sowohl Einmalinvestments als auch laufende Einzahlungen. Unter- schiedlich kann auch die Auszahlung erfolgen: entweder als Einmalbetrag oder als monatliche Rente. Wer sich für die ge

förderte Privatpension entscheidet, erhält noch eine staatliche Prämie. „Die beträgt derzeit 4,25 %“, sagt Schweizer. Wählt

man später jedoch die einmalige Auszahlung, muss der Versicherte die Hälfte der staatlichen Prämie zurückzahlen.

„Man sollte bei der Produktwahl auch auf die Kosten achten“, sagt Hager. Abgesehen von den Abschlusskosten – etwa der Provision – werden nämlich Verwaltungskosten und Versicherungssteuer fällig. „Im Schnitt muss man mit 20 Prozent Kosten rechnen. Von 100 investierten Euro werden tatsächlich nur 80 veranlagt“, weiß Hager. Angesichts der derzeitigen Verzinsung, etwa bei klassischen Lebensversicherungen, ist es schwer, diese Kosten wieder aufzuholen.


Investmentfonds

Ein Fonds besteht aus einem Portfolio von ausgewählten Wertpapieren (etwa bestimmten Anleihen oder Aktien), das von Fondsmanagern verwaltet wird. Dieses Portfolio ist – wie vom Investmentfondsgesetz vorgegeben – breit gestreut. Das heißt, es wird in zahlreiche Unternehmen investiert. Es kann auch regional gestreut, also in mehreren Ländern investiert werden. Für jeden Fonds wird regelmäßig (zumeist täglich) ein sogenannter Rechenwert ermittelt, der sich aus dem Wert des Fondsvermögens ergibt. Die Zahl der ausgegebenen Fondsanteile ist nicht begrenzt, weshalb auch von „offenen In- vestmentfonds“ gesprochen wird. Fonds bieten einen relativ kostengünstigen und effizienten Weg, um in einen Markt mit breiter Streuung zu veranlagen und damit das Risiko zu diversifizieren. Aber es gibt auch Nachteile: Je nach Anlageklasse unterliegen Investmentfonds geringeren oder höheren Wertschwankungen. Aktienfonds schwanken in der Regel stärker als Anleihefonds. Aufgrund der Veranlagung an den Kapitalmärkten kann es bei jedem Investment darüber hinaus zu Kapi- talverlusten kommen. Ein Halten des Investments bis zum Ablauf der empfohlenen Anlagedauer oder darüber hinaus stellt keine Gewähr dar, dass allfällige Kapitalverluste wieder aufgeholt werden. In Investmentfonds investieren beispielsweise fondsgebundene Lebensversicherungen – allerdings streng reguliert.


Immobilien

Wohnungen, Häuser und Grundstücke sind die beliebtesten Anlageformen der Österreicher. 43 Prozent erachten eine ei- gene Immobilie als interessant, wie eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK Austria zeigt. Für den VKI-Ex- perten Hager sind vor allem eigengenutzte Immobilien die Basis der Pensionsvorsorge. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sind Immobilien ausbezahlt, können sie selbst genutzt oder vermietet werden. Weiters stellen sie einen stabilen Sachwert dar und bieten in der Regel eine gewisse Wertsteigerung. Allerdings: Für die Anschaffung von Immobilien ist genauso wie für deren Erhaltung das nötige Kleingeld erforderlich. Beim Wohnungskauf sind zwei Varianten möglich: der Kauf einer Vor- sorge- oder einer herkömmlichen Eigentumswohnung. Der Unterschied liegt im Detail: Bei ersterer sparen sich Käufer die 20-prozentige Umsatzsteuer auf die Baukosten. Dafür muss der Käufer die Vorsorgewohnung 20 Jahre behalten und ver- mieten. Wird sie vor Ablauf dieser Frist aufgegeben, muss die Umsatzsteuer anteilig zurückbezahlt werden.Unabhängig davon, für welche Vorsorgevariante man sich entscheidet – man sollte es rechtzeitig tun. „Je früher man mit der Vorsorge beginnt, desto besser“, rät Hager.ur